Mario und der Zauberer
Autor: Thomas Mann | Erschienen: 1930 (verfasst 1929) | Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag | Ort: Berlin
(zitiert nach der 34. Auflage, 2020)
Die Novelle schildert aus der Perspektive eines deutschen Urlaubers den Besuch einer Zaubervorstellung des
Hypnotiseurs Cipolla im faschistischen Italien der 1920er-Jahre. Cipolla unterwirft sein Publikum zunehmend
seinem Willen und demütigt schließlich den Kellner Mario öffentlich, bis dieser dem Terror mit einem
gewaltsamen Akt ein Ende setzt. Thomas Mann verarbeitet darin seine Kritik am aufkommenden Faschismus
und an der Anfälligkeit der Massen für Manipulation.
Inhaltsverzeichnis
– Übersicht
Handlung
– Einführung
– Bühnenauftritt
– Aufbau
Charakterisierungen
– Erzähler
– Mario
– Cipolla
Stil
– Sprache
– Stilmittel
Kontext
– Historischer Hintergrund
– Epoche
– Rezeption
– Persönliche Einflüsse
Interpretation
– Faschismus
– Nationalismus
– Wille
– Rhetorik
– Künstlertyp
1
,Übersicht
Die Novelle Mario und der Zauberer. Ein tragisches Reiseerlebnis wurde von Thomas Mann 1929 verfasst und
ist 1930 erstmals erschienen. Der Erzähler beschreibt seinen Urlaub im nationalistisch und faschistischen Italien,
der in einer Katastrophe endet, nachdem die Familie die unheilvolle Zaubervorstellung des Künstlers Cipolla
besucht. Dieser hypnotisiert ohne das Wissen des Publikums einzelne Zuschauer, zwingt ihnen seinen Willen
auf und demütigt vor allem den Kellner Mario so lange, bis dieser dem Schrecken gewaltsam ein Ende setzt.
Handlung
Einführung
Der erste Sinnabschnitt in Mario und der Zauberer gleicht einem Vorspiel zum unheilvollen Auftritt des
Zauberers Cipolla. In dieser Art Einführung wird die Reise einer deutschen Familie nach Italien atmosphärisch
beschrieben.
Erster Abschnitt
Infos
Seite: 9 - 17
Zeit: Mitte August
Ort: Torre di Venere, Grand Hôtel
Inhalt
Der Erzähler erinnert sich, dass die Zeit in Torre di Venere voller Ärger, Gereiztheit und Schrecken war
Er nimmt vorweg, dass Cipolla, dessen katastrophalen Auftritt die Familie leider besucht hat, das
Bösartige in Person gewesen sei
Der Erzähler beschreibt Torre als einstiges Idyll neben dem überfüllten Badeort Portoclemente fünfzehn
Kilometer entfernt
Inzwischen ist von Friede und Idylle auch in Torre nicht mehr viel übrig, da Italiener und Fremde das
billigere und feinere Örtchen für sich entdeckt haben
Im Juli und August ist Torre von Badegästen überrannt, die die Sonne genießen wollen Der Erzähler
reiste mit seiner Familie Mitte August an und bereute, dass er nicht in der Nebensaison Urlaub dort
gebucht hat
Er spricht Mario an, den Kellner im Esquisito, von dem er später berichten würde
Die Familie hatte Zimmer im Grand Hôtel bezogen, wurde aber neben all den hochrangigen italienischen
Gästen wie Menschen zweiter Klasse behandelt
Der Erzähler berichtet, dass sie zunächst keinen Tisch auf der hübschen Veranda bekommen hatten.
Später sollten sie umquartiert werden, weil eine Fürstin im Hotel fürchtete, ihre Kinder könnten sich
anstecken, da der Sohn des Erzählers nach einer Keuchhustenerkrankung noch manchmal husten musste.
Trotz ärztlichem Attest brach der Hotelmanager sein Versprechen und forderte immer noch einen Umzug
der Familie
Nach drei, vier Tagen zog die Familie lieber aus dem Hotel aus, obwohl die Kinder sich gut mit dem
Personal verstanden hatten
Zweiter Abschnitt
Infos
Seite: 17 - 20
2
, Zeit: Mitte August, ca. vier Tage nach der Anreise
Ort: Torre die Venere, Pensione Eleonora
Inhalt
Zehn Schritte landeinwärts vom Hotel entdeckte die Familie die Pensione Eleonora, wo sie nicht nur die
Küche viel besser fand
Der Erzähler und seine Familie hatten direkt guten Kontakt zur Besitzerin, Signora Angiolieri. Die
zierliche Dreißigjährige führte die Pension voller Freundlichkeit und gab ihr eine private Note Vor ihrer
Hochzeit mit dem Wirt war sie Reisebegleiterin der italienischen Schauspiel-Ikone Eleonora Duse, was
sie auf vielen Fotos in der Pension stolz präsentierte
Der Erzähler berichtet, dass seine Wohnung in der Pension angenehm war, mit direkter Nähe zum Strand
und dass sie sogar einige Wiener Bekannte dort getroffen haben
Obwohl scheinbar alles perfekt war, blieb die Stimmung betrübt
Dem Erzähler ging es lange nach, dass die Fürstin und der Hotelmanager ihm gegenüber ihre Macht
missbraucht hatten
Dritter Abschnitt
Infos
Seite: 20 - 29
Zeit: Mitte August, zweite und dritte Urlaubswoche
Ort: Torre die Venere, am Strand
Inhalt
Der Erzähler erinnert sich an die extreme Hitze, die wochenlang anhielt
Nach einigen Tagen purem Sonnenschein, Hitze und blauem Himmel wurde der nordische Mann gereizt
und konnte auch am schönen Strand keine Ferienstimmung genießen
Rückblickend klagt der Erzähler, dass er zu früh mit seiner Familie nach Torre gereist ist, da der ganze
Strand von italienischer Mittelklasse überfüllt war
Er beschreibt die schrillen Stimmen der Frauen, das nervige Verhalten der wehleidigen und bösartigen
Kinder und den zur Schau gestellten Nationalismus der Italiener
Obwohl die beiden Kinder mit einheimischen Kindern spielten, wurden sie immer wieder
zurückgewiesen und abwertend behandelt
Der Erzähler versuchte, seinen Kindern die Lage zu erklären, indem er ihnen sagte, die Italiener machten
gerade eine Art Krankheit durch
Obwohl er all diese Konflikte bereits wahrgenommen hatte, ging er laut eigenen Worten zu lässig mit der
Situation um und riskierte einen neuen Eklat
Er ließ seine achtjährige Tochter den Badeanzug ausziehen, um ihn im Meer auszuspülen. Daraufhin
johlten die italienischen Kinder und die Erwachsenen empörten sich
Ein Mann hielt dem Erzähler und seiner Frau eine Predigt darüber, dass sie die Gastfreundlichkeit Italiens
beleidigt hätten und dass er diese Respektlosigkeit trotz aller Entschuldigungen bei der Behörde anzeigen werde
3