Leben des Galilei
Autor: Bertolt Brecht | Erschienen: 1943 (Uraufführung der ersten Fassung; entstanden ab 1938) | Verlag:
Suhrkamp Verlag (Brecht-Erben) | Ort: Frankfurt a. M. (zitiert nach der Ausgabe von 1957)
Das Drama erzählt vom Astronomen Galileo Galilei, der mithilfe des Fernrohrs das heliozentrische Weltbild
bestätigt und damit in Konflikt mit der katholischen Kirche gerät. Unter dem Druck der Inquisition widerruft
Galilei seine Lehre öffentlich, arbeitet im Hausarrest aber heimlich weiter an seinen wissenschaftlichen
Schriften. Brecht verhandelt am Beispiel Galileis die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft und den
Konflikt zwischen Erkenntnisdrang und Anpassung an die Macht.
Inhaltsverzeichnis
– Übersicht
Handlung
– Bild 1-3
– Bild 4-7
– Bild 8-11
– Bild 12-15
Charakterisierungen
– Galileo Galilei
– Virginia
– Andrea
– Frau Sarti
– Der kleine Mönch
– Ludovico Marsili
– Kardinal Barberini
– Kardinal Inquisitor
– Figurenkonstellation
– Aufbau
Stil
– Stilmittel
– Erzählweise
Kontext
– Epoche
– Rezeption
– Leitmotive
Interpretation
– Der Widerruf des Protagonisten
– Soziale Verantwortung der Wissenschaft
– Das Menschenbild im 17. Jahrhundert
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,Übersicht
Das Leben des Galilei gehört zu einem der bekanntesten Werke Bertold Brechts. Die Entstehungsgeschichte des
Stückes reicht bis in die frühen Dreißigerjahre zurück. Nachdem Brecht die ersten Entwürfe einige Jahre
beiseitelegt, widmet er sich 1938, als er sich im dänischen Exil befindet, erneut dem Manuskript zu. Im Herbst
1938 dann sind die ersten Szenen des Dramas geschrieben, es existieren allerdings in dieser Version nur 13
Szenen. Die Vorfassungen zum letztendlichen Schauspiel besitzen unterschiedliche Herangehensweisen an die
Figur Galileo Galilei. In der ersten Niederschrift steht die Emanzipation der Wissenschaft in einem totalitären
System im Vordergrund. 1939 steht die erste Ausgabe in Schrift und Form, welche im selben Jahr noch im
Dänischen erscheint und 1940 ebenfalls ins Englische übersetzt wird. Erstmals wird das Leben des Galilei 1943
in der ersten Fassung in Zürich uraufgeführt.
Als der Autor kurze Zeit später ins Exil in die Vereinigten Staaten flüchtet, entsteht 1945-47 die zweite Fassung
des Theaterstücks. Anstoß für die Überarbeitung gibt der Regisseur Charles Laughton, in dessen
Zusammenarbeit Brecht zahlreiche Veränderungen am Text vornimmt. Außerdem zieht der Autor auch den
Physiker Hans Reichenbach zu seinen schriftlichen Veränderungen hinzu. Das Stück verändert sich
dahingehend, dass Galilei nicht länger als Held dargestellt, sondern auch die folgenschwere Tragweite
technisch- wissenschaftlichen Fortschritts aufgezeigt wird. Grund für den veränderten Ansatz ist der Abwurf der
Atombomben im August 1945 über Japan, welcher die Einstellung Brechts zur Wissenschaft nachhaltig prägt.
Die finale und dritte Version schreibt Brecht dann 1954-56 für das Berliner Ensemble, welches er bereits 1949
gründet. In diesem Zuge soll erwähnt werden, dass er diese Revision ab 1953 mit der Hilfe des Schweizer
Regisseurs und Schauspielers Benno Besson und der Schriftstellerin und Übersetzerin Elisabeth Hauptmann
anfertigt. Im Jahr der Beendigung der letztendlichen Fassung 1956 verstirbt der Dramaturg in Berlin. Es handelt
sich bei dem Drama um ein episches Theaterstück, welches musikalisch von Hanns Eisler begleitet wird und der
Exilliteratur (1933-1945) zugeordnet werden kann.
Handlung
Bild 1-3
Bild 1
Infos
Seite: 7-22
Ort: Padua in Italien, Studierzimmer von Galilei
Zeit: ein Morgen im Jahr 1609
Personen: Galileo Galilei, Andrea, Frau Sarti, Ludovico, der Kurator
Inhalt
Galileo zeigt seinem Schüler ein Astrolab, welches „zeigt, wie sich die Gestirne um die Welt bewegen,
nach Ansicht der Alten“ (S. 8, Z. 1f) und erklärt dem Studierenden, wie das Gerät funktioniert Außerdem
weist Galileo daraufhin, dass schon bald eine „neue Zeit“ (S. 9, Z. 24) anbrechen würde, die die alten,
bisherigen Weltkenntnisse überholt und beispielsweise beinhaltet, dass es „[...] Neue Kontinente“ (S. 9,
Z. 7) gibt, sich jedoch auch in der Astronomie neue Erkenntnisse etablieren werden (S. 10)
Der Lehrer versucht zudem seinem Schüler die Berechnungen des Kopernikus zu veranschaulichen,
welche beweisen, dass die Erde um die Sonne, und nicht andersherum, kreist. Da Andrea
Schwierigkeiten besitzt, diesen Sachverhalt nachzuvollziehen, nimmt Galilei einen Stuhl zur Hilfe,
welcher die, sich um die eigene Achse drehenden Erdkugel symbolisieren soll
Die Mutter des jungen Schülers, Frau Sarti, betritt das Studierzimmer und äußert ihren Unmut darüber,
dass Galileo ihrem Sohn „lauter unheiliges Zeug“ (S. 12, Z. 16) beibringen würde. Sie ist nicht
empfänglich für Galileos neue Weltanschauungen und steht diesen eher skeptisch gegenüber Ludovico
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, Marsili, „ein reicher junger Mann“ (S. 14, Z. 12) möchte Privatstunden bei Galilei nehmen, um sein
Wissen zu erweitern, merkt jedoch an, dass er kein Interesse für Wissenschaften, sondern eher für
Pferdezucht besitzt. Als der Besucher dem Lehrer von der Erfindung des Fernrohrs erzählt, welches vor
Kurzem erst in Amsterdam erschien, macht sich Galileo Notizen dazu
Kurz darauf erscheint der Kurator, welchem den Wunsch Galileis nach einer Gehaltserhöhung ablehnt,
ihm jedoch empfiehlt, eine neue Erfindung herauszubringen. Der Lehrer meint daraufhin, dass er
möglicherweise eine Idee habe und denkt dabei an die Notizen zur Erfindung des Fernrohrs Der Lehrer
Galilei weist seinen Schüler Andrea dazu an, über die wissenschaftlichen Pläne der beiden das
Stillschweigen zu bewahren
Bild 2
Infos
Seite: 23-26
Ort: Venedig in Italien, das große Arsenal von Venedig
Zeit: keine nähere, zeitliche Angabe
Personen: Galileo Galilei, Sagredo, Virginia, Ludovico, venezianische Ratsherren
Inhalt
Vor dem großen Arsenal in Venedig stellt Galilei seine „neue“ Erfindung, das Fernrohr vor. Laut dem
Lehrer bildet dieses Gerät die „Frucht siebzehnjähriger geduldiger Forschung“ (S. 23, Z. 25f) Bis auf
das Innenfutter der Schatulle des Teleskops, welche bei dem holländischen grün gewesen war und bei
Galileis Modell in roter Farbe gehalten ist (S. 25), unterscheidet sich das Gerät nicht maßgeblich von
seinem Vorbild. Galileo ist der Meinung, er „habe es verbessert“ (S. 25, Z. 19) Die neue Erfindung
scheint erfolgreich vom Arsenal und dem anwesenden Dogen als wertvoller Neuzugang in der
Inventarkammer der wissenschaftlichen Errungenschaften aufgenommen zu werden
Bild 3
Infos
Seite: 27-39
Ort: Padua in Italien, das Studierzimmer von Galilei
Zeit: der 10. Januar 1610
Personen: Galileo Galilei, Sagredo, Virginia, Frau Sarti, der Kurator
Inhalt
Zurück in Padua teilt Galilei seine Entdeckung, der Mond sei ebenso ein Planet mit „Gebirgen und
Wäldern und Gewässern“ (S. 28, Z.16) wie die Erde, mit seinem Freund und Vertrauten Sagredo. Der
Blick durch das Fernrohr ermöglicht es den beiden, weit Entferntes genauer betrachten zu können
Sagredo erinnert seinen Freund daran, dass „vor noch nicht zehn Jahren“ (S. 28, Z. 26) „ein Mensch
[dafür] in Rom verbrannt worden“ (S. 28, Z. 26f) war, die Behauptung gemacht zu haben, dass der
Mond ebenso ein Stern wie die Erde und demzufolge landschaftlich ähnlich beschaffen sei Der Kurator
konfrontiert den Mathematiker mit der Kunde, dass es bereits ein niederländisches Fernrohrmodell
gäbe, welches „für ein Butterbrot verkauft“ (S. 30, Z. 7) wird von „gewöhnlichen Straßenhändlern“ (S.
30, Z. 6). Galilei, der bereits über das Vorgängermodell Bescheid weiß, nimmt die Aufregung und das
Ärgernis des Kurators gelassen auf, da er bereits die 500 Skudi für die Erfindung erhalten hat
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