Effi Briest
Autor: Theodor Fontane | Erschienen: 1895 (Vorabdruck 1894/95) | Verlag: SchulLV | Ort: Karlsruhe (zitiert
nach der Ausgabe von 2021)
Der Gesellschaftsroman erzählt vom Schicksal der jungen Effi Briest, die im preußischen Zeitalter des 19.
Jahrhunderts den deutlich älteren Landrat Geert von Instetten heiratet und in eine Affäre mit dem Major von
Crampas verstrickt wird. Als die Affäre Jahre später ans Licht kommt, wird Effi von Instetten verstoßen und
gesellschaftlich geächtet, woran sie schließlich zerbricht. Fontane stellt am Beispiel ihres Schicksals die
gesellschaftlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts infrage.
Inhaltsverzeichnis
– Übersicht
Handlung
– Kapitel 1-6
– Kapitel 7-12
– Kapitel 13-18
– Kapitel 19-24
– Kapitel 25-30
– Kapitel 31-36
– Aufbau
Charakterisierung
– Effi Briest
– Geert von Instetten
– Die Mutter
– Der Vater
– Major von Crampas
– Dagobert Briest
– Alonzo Gieshübler
– Personenkonstellation
Stil
– Stilmittel
– Erzählweise
Kontext
– Epoche
– Rezeption
– Motive
Interpretation
– Das Frauenbild im 19. Jh.
– Der Chinese
– Das Ende
1
,Übersicht
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Fontanes Gesellschaftsroman Effi Briest zählt zu den erfolgreichsten und einflussreichsten seiner Gattung. Viele
Fragen, die das Werk, welches erstmals 1895 in Buchform erscheint, aufwirft, werden heute noch diskutiert.
Nach einem ersten Entwurf in den Jahren 1888/89 vollendet Theodor Fontane sein bekanntestes Werk erst im
Februar 1894. Bereits von Oktober desselben Jahres bis März 1895 war es möglich, den Vorabdruck in der
Deutschen Rundschau zu lesen. Der vorliegende Roman wird der Epoche des poetischen Realismus zugeordnet.
Aus Sicht der damaligen Leserschaft konstruiert der Roman ein Zeitbild, welches ihrer Realität entspricht. Hier
sticht besonders die Darstellung Berlins heraus, welche die Protagonistin insbesondere in ihrem späten
Lebensabschnitt stark prägt. Im Werk lassen sich sowohl Argumente dafür finden, dass es sich um einen
historischen als auch um einen gesellschaftlichen Roman handelt. Zunächst wird in Effi Briest die wahre
Geschichte einer jungen Frau erzählt, welche im damaligen preußischen Zeitalter des 19. Jahrhunderts eine
Affäre mit einem verheirateten Mann eingeht.
Zwar weicht die Version des Autors des spektakulären und unerhörten Ereignisses so weit vom realen Vorfall
ab, dass keinesfalls von einer Autobiografie gesprochen werden kann. Allerdings thematisiert Fontane am
Beispiel des Schicksals Effi Briests grundlegende gesellschaftliche Fragen des 19. Jahrhunderts und stellt auf
diese Art und Weise die existierenden Konventionen infrage.
Handlung
Kapitel 1-6
Kapitel 1
Infos
Zeile: 2-258
Ort: Herrenhaus in Hohen-Cremmen
Zeit: Ein Mittag im Sommer
Personen: Effi Briest, die Mutter, Bertha, Hertha, Hulda
Inhalt
Effi verbringt einen sommerlichen Mittag im heimatlichen Garten zusammen mit ihrer Mutter. Die
beiden erledigen Handarbeiten, wobei Effi „von Zeit zu Zeit die Nadel nieder [legt], [...] um unter
allerlei kunstgerechten Beugungen und Streckungen den ganzen Kursus der Heil- und
Zimmergymnastik durchzumachen.“ (Z. 37 ff.), „während die Mutter kein Auge von der Arbeit“ (Z. 35 f.)
lässt
Drei Freundinnen Effis treffen ein und die vier Mädchen lassen sich auf dem „Rondell“ (Z. 76) im
Garten nieder. Die Protagonistin erzählt ihren Vertrauten, dass sie einen Besuch vom Baron von
Instetten erwarten würde. Der Herr, welcher im selben Alter ihrer Mutter ist, hat einst um die Hand
ihrer Mutter Luise Briest angehalten. Allerdings weist ihn Effis Mutter jedoch ab, da Herr Briest zum
damaligen Zeitpunkt „schon Ritterschaftsrat [ist] und Hohen-Cremmen“ (Z. 185) besitzt Gegenüber
Hertha, Bertha und Hulda merkt die kleine Briest an, dass sie Geert von Instetten schon „in
Schwantikow drüben“ (Z. 178 f.) gesehen hat und beschließt ihre Erzählung mit den Worten „er ist
Landrat, gute Figur und sehr männlich.“ (Z. 107 f.)
Nach ihrem Plausch steigen die vier Grazien in ein Boot, um die Stachelbeerschalen auf dem Grunde des
Teiches zu versenken. Währenddessen bemerkt Effi, dass „früher auch arme unglückliche Frauen
versenkt worden sein [sollen], natürlich wegen Untreue“ (Z. 249 f.)
Kapitel 2
2
,Infos
Zeile: 2-119
Ort: Herrenhaus in Hohen-Cremmen
Zeit: Mittag/Nachmittag im Sommer
Personen: Effi Briest, Hertha, Bertha, Hulda, die Mutter
Inhalt
Der angekündigte Besucher von Instetten erreicht das Herrenhaus in Hohen-Cremmen etwas früher als
antizipiert. Effi unterbricht das Beisammensein mit ihren Kameradinnen und eilt zu ihrer Mutter, um sich
für den Baron frisch zu machen
Luise Briest teilt ihrer Tochter „beinahe vertraulich“ (Z. 86 f.) mit, dass Geert von Instetten indes
bereits um Effis Hand angehalten hat. Die Mutter scheint stolz auf ihren jungen Schützling zu sein und
deutet darauf hin, dass Effi „mit zwanzig Jahren da[stehen könnte], wo andere mit vierzig stehen.“ (Z.
101 f.)
Das kleine Fräulein Briest sieht Geert zum ersten Mal aus der Ferne und verfällt vor lauter Aufregung in
„nervöses Zittern“ (Z. 110)
Kapitel 3
Infos
Zeile: 2-172
Ort: Herrenhaus in Hohen-Cremmen, das Hotel du Nord und die Innenstadt in Berlin
Zeit: Ende August
Personen: Effi Briest, die Mutter, der Vater, Geert von Instetten, Hulda, Bertha, Hertha, Pastorin
Niemeyer, „der alte Niemeyer“ (Z. 43), Dagobert Briest
Inhalt
Am selben Tag des Antrags verloben sich Effi Briest und Geert von Instetten miteinander und der Baron
wird im Rahmen eines gemeinsamen Mahls herzlich von der Familie Briest in ihren Kreis aufgenommen
Nach dem gemeinsamen Essen mit Effis frisch Verlobten besucht diese ihre Freundin Hulda, um ihr von
der freudigen Kunde zu berichten. Allerdings reagiert die Familie Niemeyer skeptisch und auch ihre
beiden anderen Freundinnen Bertha und Hertha nehmen eine eher verhaltene Stellung zu den großen
Neuigkeiten ein
Um Effi für ihre Hochzeit mit den prächtigsten Brautkleidern auszustatten, reist das junge Mädchen mit
ihrer Mutter nach Berlin und verbringt ein paar erholsame und angenehme Tage in der Hauptstadt und
mit ihrem Vetter Dagobert Briest
Baron von Instetten, der vor seiner Abreise verspricht, „jeden Tag schreiben zu wollen“ (Z. 95 f.) und
erweist sich als verlässlich. Er lässt seiner jungen Verlobten täglich einen Brief zukommen, gibt sich
jedoch im Gegenzug „allwöchentlich nur einmal [mit] einem ganz kleinen Antwortbrief“ (Z. 107)
zufrieden
Kapitel 4
Infos
Zeile: 2-353
3
, Ort: Herrenhaus in Hohen-Cremmen
Zeit: Ende August, Anfang September
Personen: Effi Briest, die Mutter, der Vater
Inhalt
Mutter und Tochter Briest kehren von ihrem schönen Aufenthalt in Berlin mit Dagobert Briest wieder
nach Hohen-Cremmen zurück und der Vater, welcher „sehr froh [ist], Frau und Tochter wieder zu
Hause zu haben“ (Z. 25 f.), lässt sich über den Trip in die Hauptstadt berichten. Seinerseits erzählt er
davon, dass er dem „Inspektor Pink“ (Z. 30) kündigen muss, da dieser eine Affäre mit der Gärtnerin hat
Für die junge Protagonistin ist Kessin, die Heimat ihres Verlobten, dem Baron, weit entfernt und sie geht
davon aus, dort sogar „Nordlichter“ (Z. 132) sehen zu können
Inzwischen steht das Hochzeitsdatum fest, welches auf den 3. Oktober datiert ist
Bei einer Unterhaltung mit ihrer Mutter über ihren zukünftigen Gatten in der Idylle des heimatlichen
Gartens gibt Effi zu, sie „fürchte [sich] vor ihm“ (Z. 353). Auf die Frage von Luise Briest, ob sie den
Baron von Instetten liebt, antwortet sie mit „warum soll ich ihn nicht lieben?“ (Z. 318). Effi bemerkt
allerdings auch, „ich liebe alle, die's gut mit mir meinen und gütig gegen mich sind und mich
verwöhnen.“ (Z. 320 f.)
Kapitel 5
Infos
Zeile: 2-237
Ort: Herrenhaus in Hohen-Cremmen
Zeit: 3., 4. und 6. Oktober
Personen: Die Mutter, der Vater
Inhalt
Noch am Tage der Hochzeit reist das frisch vermählte Ehepaar ab und begibt sich für die Hochzeitsreise
zunächst nach München und dann nach Italien
Effis Eltern unterhalten sich Zuhause in Hohen-Cremmen über ihre Tochter und erhalten bereits drei
Tage nach der Feier den ersten Brief ihres Schützlings aus München. Herr Briest vermutet, dass der
Baron seine Tochter „mit seinem Kunstenthusiasmus etwas quälen wird“ (Z. 73 f.), womit er recht
behalten soll, da Geert ein sehr kunstbegeisterter Herr ist
Im Laufe des Gesprächs zwischen den Vater und Mutter Briest erzählt Luise ihrem Mann von dem
Plausch, welchen Effi und sie im vorhergehenden Kapitel gehalten haben, erwähnt jedoch nicht die
Furcht des Mädchens gegenüber ihrem neuen Gatten. Vielmehr merkt die Mutter an, das Mädchen
würde „Vergnügungssucht und Ehrgeiz“ (Z. 150) besitzen
Aus den Briefen der Protagonistin geht hervor, dass sie sich in der Gegenwart des Barons wohlfühlt, da
sich dieser „engelsgut“ (Z. 187) und „gar nicht überheblich“ (Z. 209) zu ihr verhält, die vielen
Unternehmungen sie jedoch auch erschöpfen
Kapitel 6
Infos
Zeile: 2-299
4