Der Besuch der alten Dame
Autor: Friedrich Dürrenmatt | Erschienen: 1956 | Verlag: Diogenes Verlag | Ort: Zürich
In der tragischen Komödie kehrt die Milliardärin Claire Zachanassian nach 45 Jahren in ihre verarmte
Heimatstadt Güllen zurück und bietet den Bewohnern eine gewaltige Geldsumme – unter der Bedingung, dass
sie ihren einstigen Jugendfreund Alfred Ill, der sie einst im Stich ließ, töten. Während die Güllener die
Forderung zunächst empört zurückweisen, steigert der wachsende Wohlstand nach und nach ihre Bereitschaft
zum moralischen Kompromiss. Dürrenmatt übt damit scharfe Kritik am Materialismus der
Nachkriegsgesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
– Kontext und Einordnung
– Handlung
Charaktere
– Claire Zachanassian
– Alfred Ill
– Der Lehrer
– Der Pfarrer
– Der Polizist
– Familie Ill
– Die Güllener
– Der Bürgermeister
– Interpretation
– Themen
– Symbole
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, Kontext und Einordnung
Das Stück Der Besuch der alten Dame wurde 1955 von Friedrich Dürrenmatt geschrieben, weshalb man es der
Nachkriegsliteratur zuordnen kann. Diese Zeit ist vor allem durch wirtschaftliches Wachstum geprägt.
Deutschland ist wieder aufgebaut und die Zeit des Wirtschaftswunders beginnt. Dieser Aufschwung reicht weit
bis in die Schweiz. Sie hielt sich zwar politisch neutral, jedoch zeigte sich eine deutliche Bindung an die
westliche Welt. Wie auch in Deutschland zeigte sich in der Schweiz ab 1945 eine Hochkonjunktur der
Wirtschaft, wodurch der allgemeine Wohlstand anstieg. Das Auto eroberte die Straßen und als Zeichen des
Luxus‘ werden vermehrt ausländische Waren, wie Tabak und Alkohol importiert. Dieser Aufschwung zeigt sich
auch im Stück. Zunächst noch durch Claire künstlich zurückgehalten, macht die Stadt nach dem Angebot ein
„Hochgeschwindigkeits- Wirtschaftswunder“ durch. Die Stadt wird wieder aufgebaut und der Wohlstand steigt.
Hier zeigt sich besonders gut der zeitliche Hintergrund des Stückes auf. Die Bürger kaufen sich für die damalige
Zeit typische Wohlstandssymbole wie Radios, „Steinhäger“ oder Fernsehapparate. Auch für die damalige Zeit
bedeutende Wirtschafts- und Politikgrößen finden ihre Erwähnung im Stück wie zum Beispiel Onassis, ein
griechischer Reeder, oder „Ike“ (Kurzform für den amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower).
Charaktere
Claire Zachanassian
Claire Zachanassian (geb. Klara Wäscher) wuchs in Güllen auf. Mit 17 verliebte sich der rothaarige „Wildfang“
in den damals 19-jährigen Ill. Als sie von den Güllenern verstoßen wird, fährt sie mit dem Zug hochschwanger
nach Hamburg, mit dem festen Vorhaben zurückzukehren und Rache zu nehmen. Dort bringt sie das Kind zur
Welt, welches unmittelbar von der christlichen Fürsorge mitgenommen wird und ein Jahr später in einer
Pflegefamilie stirbt. Klara selbst wird Prostituierte.
Als ihr erster Ehemann stirbt, hinterlässt er ihr eine Erbschaft in Milliardenhöhe. Mit diesem Geld beginnt
Claire ihren Rachefeldzug. Sie stellt den Richter von damals als Butler ein und lässt die beiden falschen Zeugen
suchen, blenden, kastrieren und nimmt sie in ihr Gefolge auf. Ebenfalls kauft sie sämtliche Betriebe in Güllen
auf und schließt sie, wodurch die Stadt systematisch zu Grunde gerichtet wird.
Sie führt im Laufe ihres Lebens mehrere kurze Zweckehen, um ihren Reichtum noch zu vermehren. Keine Ehe
kommt an ihre erste und einzige große Liebe heran, oder lässt sie vergessen, was in Güllen geschah.
Sie überlebt mehrere schwere Unfälle, wobei sie einen Arm und ein Bein verliert, welche durch Prothesen
ersetzt werden. Aus dem ehemals schönen Mädchen vom Land wurde eine immer unmenschlichere Gestalt, der
die Welt gehört, die gleichsam über den Naturgesetzen steht und nur noch für die Rache lebt. In Güllen
angekommen, ist Claire die einzige, welche keinen Wandel mehr durchmacht. Sie hat die Fäden in der Hand
und bestimmt das Geschehen. Nur manchmal lässt ihre kühle Fassade einen Hauch von Gefühlen
durchscheinen.
Alfred Ill
Ill, der Jugendfreund Klaras, entschied sich damals gegen sie. Zum einen aus Angst vor der Verantwortung, sich
um eine Familie kümmern zu müssen, zum anderen weil er in Mathilde Blumhard und dem Laden ihres Vaters
finanzielle Sicherheit sah.
Ill heiratete Mathilde und gründete mit ihr eine Familie. Ills Beziehung zu seiner Familie wirkt flach und
distanziert. Er weiß nicht über die Beschäftigungen seiner Kinder Bescheid und ebenso scheint die Beziehung
zu seiner Frau nicht sonderlich intim. Diese Kühle wird besonders bei der letzten Begegnung deutlich. Zu
diesem Zeitpunkt ist der Familie bereits klar, dass Alfred sterben wird. Dennoch findet kein besonderer
Abschied statt - die Familie weiter ins Kino fährt.
Alfred macht während des Stückes eine große Wandlung durch. Vom zukünftigen Bürgermeister wird er
zunächst zum gehetzten Tier bis hin zum vermeintlich tragischen Helden am Ende des Stückes. Sein
anfänglicher Ruhm, welchen er sichtlich genießt, entsteht durch seine besondere Beziehung zu Klara. Mit dieser
gemeinsamen Vergangenheit versucht Ill Claire zu einer Spende zu bewegen. Sein Ansehen ist jedoch schnell
Geschichte, als diese ihr Angebot macht.
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