Börse und Wertpapiere
in Anlehnung an die Vorlesungsunterlagen von B. Rothenhöfer
DHBW Mosbach
SoSe2016
Auch für andere Jahrgänge relevant
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1. Grundlagen
1.1. Asset Allocation
Unterschiedliche Anlageklassen
Liquidität Renten / Immobilien Aktien Alternative Investments
Anleihen
Sichere, Papiere, deren Gewerblich Anteile an Oberbegriff für
liquide Emittent sich zur oder privat Unternehmen, Kapitalanlagen und
Anlagen, Zahlung von genutzte Beteiligung an Anlagestrategien, die über
regelmäßiger Zinsen Immobilien den die klassischen
Zahlungsstrom verpflichtet als Unternehmens Anlageklassen
durch Gegenleistung gewinnen hinausgehen (bspw.
Zinszahlungen für Kapital, das sowie der Hedgefonds, Private
der Anleger ihm Unternehmens Equity, Beteiligungen,
für eine entwicklung Rohstoffe etc.)
vorgegebene
Dauer zur
Verfügung stellt
Ertragspot Gering Gering-Mittel Mittel-Hoch Hoch Mittel-Hoch
enzial
Risikopote Gering Gering-Mittel Mittel-Hoch Hoch Mittel-Hoch
nzial
Angestrebt Kurzfristig Über 3 Jahre Über 5 Über 5-10 Über 5 Jahre
er Jahre Jahre
Mindestanl
age-
horizont
1.2. Anleger in der Zinsfalle
Bargeld und Einlagen:
Mit über 2 Billionen Euro sind Bargeld und Bankeinlagen eine der beliebtesten Geldanlagen
der Deutschen. Sie haben eine einfache Funktionsweise und in der Regel herrscht kein
Kursrisiko. Renditeniveau von Bankeinlagen befindet sich jedoch momentan auf Tiefständen.
Die Bankeinlagen verursachen einen realen Werteverlust (=Nominalwertillusion). Unter-
schätzte Risiken von Bankeinlagen sind die Ausfallrisiken und politische Risiken bei der
Einlagensicherung.
Für eine kurz- bis mittelfristige Geldanlagen sind die Einlagen aber weiterhin eine sinnvolle
Möglichkeit. Bei größeren Anlagebeträgen empfiehlt sich ggf. eine breitere Streuung & auf
lange Sicht sorgen Einlagen für einen realen Vermögensverlust.
Versicherungen:
Versicherungen stellen einen bedeutenden Teil der Altersvorsorge der Deutschen dar; es gibt
mehr Lebensversicherungsverträge in Deutschland als Einwohner. Die Lebensversicherungen
geben langfristige Leistungsversprechen in Form des Garantiezinses (auf den Sparanteil). Das
Niedrigzinsumfeld wirkt sich negativ auf die Netto-Verzinsung der Lebensversicherungs-
verträge aus. Je nach ausgegebenen Renditeversprechen sind Versicherer unterschiedlich
stark betroffen; ein anhaltendes Niedrigzinsumfeld kann längerfristig Probleme bereiten.
Versicherungen boten hohe Stabilität in vergangenen Krisen; durch die Niedrigzinsphase
ergibt sich eine neue Herausforderung. Die Zinsfalle trifft die Lebensversicherungen
besonders stark, da Kapitalanlagen stark auf zinstragende Papiere ausgerichtet sind und die
Verzinsung der Sparanteile rückläufig ist. Durch das zeitlich verschobene Renditetief bei
Lebensversicherungen steigen die Ausfallrisiken und langfristig besteht das Risiko einer
Stornowelle nach Zinsanstieg. Die Problematik des Niedrigzinsumfelds zeigt sich erst später
im vollständigen Umfang.
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1.3. Basisrisiken von Wertpapieranlagen
Konjunkturrisiken: Kursverluste durch Konjunkturschwankungen
Inflationsrisiken: Kaufkraftverluste durch Geldentwertung
Liquiditätsrisiken: Verkauf nicht jederzeit möglich oder nur unter ungünstigen Bedingungen
Steuerliche Risiken: Erträge werden durch steuerliche Belastungen beeinträchtigt
Psychologische Risiken: Starke Kursbewegungen durch irrationale Faktoren
Währungsrisiken: Veränderung des Devisenkurses bei Anlagen in fremder Währung
Länder- und Transferrisiken: Gefahr der wirtschaftlichen und politischen Instabilität
Exekutionsrisiko: Risiko bei kreditfinanzierten Wertpapierkäufen
Informationsrisiken: Fehlentscheidung durch falsche Information
Übermittlungsrisiken: Unvollständige und fehlerhafte Übermittlung von Weisungen
Nebenkostenrisiken: Klarheit über Art und Höhe aller anfallenden Kosten
1.4. Zins und Barwert
Zinsen spielen in der Wertpapieranalyse die zentrale Rolle. Über Zinsen werden erzielte
Renditen berechnet und der Wert zukünftiger Erträge ermittelt. Leider gibt es verschiedene
Methoden der Zinsberechnung, derselbe Nominalzinssatz kann bei sonst gleichen Konditionen
wie eingesetztes Kapital und identischer Laufzeit trotzdem zu verschiedenen Erträgen führen.
Die Zinsen haben zwei Rollen: Sie legen fest, wie sich ein heute investiertes Kapital entwickeln
wird, das ist die Aufzinsungsfunktion.
Über Kalkulationszinssätze werden aber auch die heutigen Werte von Zahlungen ermittelt, die
erst in Zukunft fällig werden. Der heutige Wert einer erst später fälligen Zahlung wird als deren
Barwert bezeichnet. Der Barwert ist immer geringer als der in der Zukunft fällige Betrag. Der
Abschlag wird umso höher sein, je weiter in der Zukunft entfernt die Zahlung erfolgt und je
höher das Ausfallrisiko ist. Der Abschlag wird durch einen der Situation angemessenen
Zinssatz berechnet, das ist die Abzinsungsfunktion der Zinsrechnung. Zinsen und Barwert
hängen also eng miteinander in Verbindung.
Der Zinsbegriff ist zentral für alle Bereiche der Finanzen. Zinsen werden aus vier Gründen
gefordert:
Inflationsausgleich: Der Gläubiger möchte real nach Abzug der Geldentwertung am Ende
nicht schlechter als am Anfang dastehen.
Liquiditätsprämie: Der Gläubiger wird für den zeitweisen Verzicht auf die Verfügbarkeit des
verliehenen Geldes belohnt.
Risikoprämie: Die Unsicherheit des Gläubigers, ob der Schuldner Zinsen und Tilgung
zurückzahlen kann, wird ebenfalls mit den Zinsen bezahlt.
Gewinnstreben: Natürlich möchte der Gläubiger durch das Verleihen von Geld auch ein
Geschäft machen, das Geld also arbeiten lassen. Arbeiten muss nur der Schuldner, um Kapital
und Zinsen leisten zu können.
Jede Zinsmethode legt fest, wie die Tage zwischen zwei Daten gezählt werden und wieviel
Tage für die Jahre anzugeben sind. Werden die Tage genau entsprechend des Kalenders
gezählt, gilt die Zinsmethode act/act. Im Deutschen und Amerikanischen wird mit 30/360, in
England mit act/365 und Frankreich mit act/360 gerechnet.
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2. Anleihen
Festverzinsliche Wertpapiere sind Schuldverschreibungen, die ein Forderungsrecht
verbriefen. Der Inhaber einer Schuldverschreibung hat Anspruch auf Rückzahlung auf Zinsen.
Dem Aussteller (Emittenten) dienen Schuldverschreibungen zur Beschaffung von Fremd-
kapital. Dem Anlieger dienen sie zur verzinslichen Vermögensanlage.
Anleiheemittenten Anleihekäufer
Staat Private Haushalte
Unternehmen VU, Pensionskassen, Versorgungswerke
Supranationale Organisationen (Weltbank, Finanzintermediäre (Banken und Ver-
Europäische Entwicklungsbank) sicherungen)
Öffentliche Anleihen:
Merkmale Bundesanleihen Bundesobligationen
Stückelung / Mindestanlage Stückelung 1000€ Stückelung 1000€
Emissionsverfahren Tenderverfahren Tenderverfahren
Zinszahlung Fixkupon Fixkupon
Zinsmethode Effektivzinsmethode act/act Effektivzinsmethode act/act
Laufzeit i.d.R. 10J aber auch bis 30J 5 Jahre
Rückzahlung Rückzahlung zum Nennwert Rückzahlung zum Nennwert
Verkauf / Vorzeitige Rückgabe Börsennotiert, täglicher Ver- Börsennotiert, täglicher Ver-
kauf kauf
Schuldverschreibungen nach Art der Verzinsung:
Anleihen mit Nullkupon
Anleihen mit Zinskupon
o Fester Nominalzins
o Variabler Nominalzins
Anleihen und ihre Emissionsmärkte:
Inlandsanleihen
Internationale Anleihe
o Auslandsanleihe
o Eurobond
Anleihen mit Zusatzausstattung:
Vom Emittenten kündbar („callable bonds“)
Vom Käufer kündbar („putable bonds“)
Wandelanleihen (convertible bonds)
Optionsanleihen (Options-Bonds)
Anleihen mit Zinsobergrenzen (caps)
Anleihen mit Zinsuntergrenzen (floors)
Anleihen mit Zinsober- und Zinsuntergrenzen (collars)
Aktienanleihen („equity linked notes“)
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