Volkswirtschaftliche
Allokation
Lehrbuch für den dualen Bachelor BWL/Bank · 1. Semester · 5 LP
· Kernmodul
Dualer Studiengang BWL/Bank · Bachelor of Arts
Vollständige Themenabdeckung Rechenbeispiele Übungsfragen mit Lösungen
Probeklausur
, Volkswirtschaftliche Allokation
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 — Grundlagen: Knappheit, Opportunitätskosten und der Homo oeconomicus ......... 3
Kapitel 2 — Haushaltstheorie: Budgetgerade, Nutzenfunktionen und Nutzenmaximierung ... 8
Kapitel 3 — Markt I: Angebot und Nachfrage ................................................................................... 12
Kapitel 4 — Markt II: Gleichgewicht, Rente und Effizienz .............................................................. 15
Kapitel 5 — Elastizitäten: Wie Märkte auf Veränderungen reagieren ......................................... 18
Kapitel 6 — Staatliche Eingriffe: Steuern, Preiskontrollen und Wohlfahrtsverluste ................. 21
Kapitel 7 — Marktformen: Vollkommener Wettbewerb, Monopol und Oligopol ..................... 24
Kapitel 8 — Gütertypen und Marktversagen: Öffentliche Güter und externe Effekte ............ 27
Kapitel 9 — Kostentheorie und Produktionstheorie ....................................................................... 29
Kapitel 10 — Makroökonomie: VGR, Wirtschaftskreislauf und gesamtwirtschaftliche Größen ..
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Anhang A — Formelsammlung .............................................................................................................. 35
Anhang B — Glossar ............................................................................................................................... 37
Anhang C — Probeklausur ..................................................................................................................... 41
Anhang D — Stichwortverzeichnis ...................................................................................................... 45
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Kapitel 1 — Grundlagen: Knappheit,
Opportunitätskosten und der Homo
oeconomicus
1.1 Knappheit als Ausgangspunkt der VWL
Abbildung 1.1: Produktionsmöglichkeitenkurve (PPF)
C unerreichbar
Gut Y (z. B. Investitionsgüter)
A effizient
B unterausgelastet
Gut X (z. B. Konsumgüter)
Steigung der Kurve = Opportunitätskosten des zusätzlichen Guts X
Die Volkswirtschaftslehre beginnt mit einer nüchternen Beobachtung: Menschen haben
unbegrenzte Bedürfnisse, aber die Mittel zu ihrer Befriedigung sind begrenzt. Diese Diskrepanz
nennt man Knappheit. Sie trifft nicht nur arme Länder oder Haushalte mit kleinem Einkommen.
Auch der Vorstand einer Großbank steht täglich vor dem Problem, dass Kapital, Zeit und
Aufmerksamkeit begrenzt sind. Jede Entscheidung ist deshalb zugleich eine Entscheidung gegen
etwas anderes.
Aus der Knappheit folgt eine Konsequenz, die in der VWL central ist: Jede Entscheidung hat einen
Preis. Dieser Preis muss nicht in Euro ausgedrückt sein. Er ist der Wert der besten nicht
gewählten Alternative. Man nennt ihn den Opportunitätskostenpreis oder kurz die
Opportunitätskosten.
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Definition: Knappheit. Knappheit bezeichnet das Missverhältnis zwischen unbegrenzten
menschlichen Bedürfnissen und den begrenzten Mitteln zu ihrer Befriedigung. Sie ist die
fundamentale Prämisse aller ökonomischen Analyse.
Definition: Opportunitätskosten. Opportunitätskosten sind der Nutzen der besten
aufgegebenen Alternative einer Entscheidung. Sie messen den Trade-off: Auf wie viel muss ich
verzichten, um eine zusätzliche Einheit eines Gutes zu erhalten?
1.2 Das Modell des Homo oeconomicus
Die VWL vereinfacht menschliches Verhalten, um es modellierbar zu machen. Das Standardmodell
unterstellt den Homo oeconomicus: einen Akteur, der vollständig rational handelt, klare und stabile
Präferenzen hat, alle relevanten Informationen kennt und stets den eigenen Nutzen maximiert.
Dieses Modell ist in der Realität nie vollständig erfüllt. Sein Wert liegt nicht in der
Beschreibungstreue, sondern in der analytischen Schärfe: Es lässt präzise Vorhersagen über
Verhalten unter geänderten Bedingungen zu.
Die VWL kennt drei zentrale Bausteine des Homo oeconomicus: Präferenzen (was er will),
Restriktionen (was er sich leisten kann) und Wahlhandlungen (wie er entscheidet). Präferenzen
sind unersättlich, eigennützig und konstant. Restriktionen definieren den begrenzten
Handlungsraum. Die Wahlhandlung sucht das Optimum innerhalb dieses Raums.
In der Praxis zeigt die Verhaltensökonomik (Behavioral Economics), dass Menschen systematisch
von diesem Modell abweichen. Häufige Abweichungen sind Overconfidence (Überschätzung der
eigenen Fähigkeiten), schwere Selbstkontrolle bei zeitinkonsistenten Präferenzen, Verlustaversion
(Verluste werden stärker gewichtet als gleichgroße Gewinne) und das Festhalten an versunkenen
Kosten.
Definition: Homo oeconomicus. Das Modell des Homo oeconomicus beschreibt einen
vollständig rationalen Akteur mit stabilen, eigennützigen und unersättlichen Präferenzen, der
stets den eigenen Nutzen maximiert. Es ist ein analytisches Vereinfachungsmodell, kein
Beschreibungsanspruch.
Merksatz. Versunkene Kosten (sunk costs) sind bereits unwiderruflich entstandene Kosten, die
für zukünftige Entscheidungen irrelevant sein sollten. Wer eine Kinovorstellung trotz Langeweile
durchsitzt, weil das Ticket bezahlt ist, handelt irrational im Sinne des Homo oeconomicus.
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