Betriebswirtschaftliche
Grundlagen
Lehrbuch für den dualen Bachelor BWL/Bank · 1. Semester · 5 LP
· Kernmodul
Dualer Studiengang BWL/Bank · Bachelor of Arts
Vollständige Themenabdeckung Rechenbeispiele Übungsfragen mit Lösungen
Probeklausur
, Betriebswirtschaftliche Grundlagen
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 — Einführung: Was ist Betriebswirtschaftslehre? ............................................................. 3
Kapitel 2 — Die Funktionsbereiche eines Unternehmens ................................................................ 8
Kapitel 3 — Betrieb, Unternehmen, Firma: Grundbegriffe und Wirtschaftsordnung .............. 18
Kapitel 4 — Der Wertschöpfungsprozess und die Produktionsfaktoren .................................... 24
Kapitel 5 — Das ökonomische Prinzip und erste Erfolgskennzahlen ........................................... 33
Kapitel 6 — Stakeholder, Customer Value, Shareholder Value ...................................................... 38
Kapitel 7 — Externes Rechnungswesen I: Die Bilanz ...................................................................... 45
Kapitel 8 — Externes Rechnungswesen II: Die Gewinn- und Verlustrechnung ........................ 53
Kapitel 9 — Externes Rechnungswesen III: Die Kapitalflussrechnung ........................................ 61
Kapitel 10 — Wertorientierte Unternehmenssteuerung und Kennzahlenanalyse ................... 67
Anhang A — Formelsammlung .............................................................................................................. 78
Anhang B — Glossar ............................................................................................................................... 80
Anhang C — Probeklausur ..................................................................................................................... 85
Anhang D — Stichwortverzeichnis ...................................................................................................... 88
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, Betriebswirtschaftliche Grundlagen
Kapitel 1 — Einführung: Was ist
Betriebswirtschaftslehre?
1.1 BWL als angewandte Sozialwissenschaft
Die Betriebswirtschaftslehre, kurz BWL, beschäftigt sich mit einer Kernfrage: Wie sollten einzelne
Wirtschaftseinheiten, also Betriebe und Unternehmen, handeln, wenn ihre Mittel knapp sind und
ihre Ziele vielfältig? Auf den ersten Blick ist die Frage simpel. In der Praxis ist die Antwort darauf
alles andere als trivial, denn jede Entscheidung im Unternehmen wird von Menschen getroffen.
Und Menschen bringen Erwartungen, Interessen und auch mal handfeste Vorurteile mit. Aus
diesem Grund gehört die BWL zu den Sozialwissenschaften. Ihr Forschungsgegenstand ist nicht
ein chemischer Prozess oder eine physikalische Konstante, sondern menschliches Handeln in
wirtschaftlichen Strukturen.
Daraus folgt eine Eigenschaft, die in den Naturwissenschaften so nicht vorkommt. Aussagen über
das Unternehmen verändern das Unternehmen. Wenn die Geschäftsführung wiederholt erklärt,
der wichtigste Kennwert sei der kurzfristige Quartalsgewinn, dann richten die Führungskräfte ihre
Entscheidungen genau danach aus. Investitionen mit langem Atem werden geschoben,
kurzfristige Effekte werden bevorzugt, und am Ende stimmt es tatsächlich: Der Quartalsgewinn ist
das Einzige, was zählt. Man nennt das eine selbsterfüllende Prophezeiung. Sie tritt in den
Naturwissenschaften nicht auf, denn ein Stein fällt mit derselben Beschleunigung, unabhängig
davon, was die Lehrerin im Vorfeld erklärt hat. In der BWL reagiert das Forschungsobjekt jedoch
auf das, was über es gesagt wird, und das macht die Disziplin anspruchsvoll.
Daraus ergibt sich eine zweite Konsequenz, die du im Hinterkopf behalten solltest. BWL ist keine
reine Rechendisziplin. Zwar werden in den folgenden Kapiteln viele Formeln auftauchen,
Rentabilitäten berechnet, Bilanzen aufgestellt, Cashflows ermittelt. Doch hinter jedem Zahlenwert
steht eine Entscheidung in einem konkreten Kontext, getroffen von konkreten Menschen, mit
Folgen für andere konkrete Menschen. Wer BWL ausschließlich als Rechentechnik lernt, übersieht
die Hälfte des Stoffes und bekommt in der Klausur erfahrungsgemäß genau die Frage, die nach
dem Zusammenhang fragt.
Definition: Betriebswirtschaftslehre. Die BWL ist die Wissenschaft vom wirtschaftlichen
Handeln einzelner Wirtschaftseinheiten (Betriebe, Unternehmen, Haushalte) bei knappen
Ressourcen. Sie beschreibt, erklärt und gestaltet Entscheidungen in und über diese Einheiten.
Als Sozialwissenschaft berücksichtigt sie, dass Akteure auf Aussagen und Erwartungen
reagieren.
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1.2 Abgrenzung zur Volkswirtschaftslehre
Im selben Semester begegnet jeder Studierende auch der Volkswirtschaftslehre (VWL). Beide
Fächer beschäftigen sich mit Wirtschaft, betrachten ihren Gegenstand jedoch aus
unterschiedlichen Höhen. Wer die Unterschiede früh versteht, spart sich später eine Menge
Verwirrung.
Die VWL nimmt die Vogelperspektive ein. Sie fragt, wie sich Preise und Mengen auf Märkten
einstellen, warum Volkswirtschaften wachsen oder schrumpfen, woher Inflation kommt und
welche Wirkung Zinsänderungen oder staatliche Eingriffe haben. Einzelne Akteure sind dabei in
der Regel nur Bausteine eines größeren Modells. Ihr Erkenntnisziel ist verstehen und
prognostizieren, was im Aggregat passiert.
Die BWL dagegen geht in das einzelne Unternehmen hinein. Sie fragt, wie genau diese eine
Wirtschaftseinheit überleben, wachsen und Wert schaffen kann. Der Maßstab ist nicht das
Bruttoinlandsprodukt, sondern die konkrete Bilanz, die konkrete Gewinn- und Verlustrechnung,
die konkrete Investitionsentscheidung. Damit hat die BWL eine stark entscheidungsorientierte
Seite. Sie will nicht nur erklären, sondern auch Empfehlungen geben.
Merkmal VWL BWL
Untersuchungsebene Volkswirtschaft, Märkte Einzelne Wirtschaftseinheit
Typische Fragestellung Wie entsteht Inflation? Welche Wie soll ein Unternehmen finanziert
Wirkung hat eine Zinssenkung? sein? Welcher Markt ist attraktiv?
Typischer Beschreibend, erklärend, Beschreibend und vor allem präskriptiv
Erkenntnischarakter prognostizierend (entscheidungsorientiert)
Adressaten Staat, Notenbanken, Forschung Management, Eigentümer, Kapitalgeber
Beispielfrage in der Wie wirken sich Welche Filialstrategie maximiert den
Bank Leitzinsänderungen auf die Ertrag pro Mitarbeiter?
Kreditnachfrage aus?
Trotz der Trennung hängen die beiden Fächer eng zusammen. Eine Bank, die ihr Kreditgeschäft
plant, muss volkswirtschaftliche Indikatoren lesen können. Ein Notenbanker, der über
Zinsentscheidungen nachdenkt, muss verstehen, wie Geschäftsbanken intern kalkulieren. VWL
und BWL ergänzen sich also und konkurrieren nicht.
1.3 Drei Erkenntnischarakter der BWL: deskriptiv, normativ, präskriptiv
Wenn die BWL eine Aussage trifft, kann sie das auf drei unterschiedliche Arten tun. Diese
Unterscheidung klingt nach akademischer Spielerei, hilft im Alltag aber spürbar, weil sie
Diskussionen sauber strukturiert.
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