Allgemeines
Biografie von Jesus
- Jesus von Nazareth als geschichtliche Person und Zentrum des Christentums
- Jesu → Aussprache: „Jeschua“ = „Gott hilft“
- Schwierig, eine historisch getreue Biografie zu entwerfen
- Es gibt keine biografischen Quellen zu Jesus, sondern Glaubenszeugnisse in Form von
geschichtlichen Erzählungen
- Nichtchristliche Quellen bestätigen historische Existenz Jesus‘
Unterschiedliche Wahrnehmungen von Jesu der Evangelien
Markus: Gottessohn, der gegen die Mächte des Bösen kämpft
Matthäus: Lang verheißene Messias, der eine neue Gemeinde beruft
Lukas: Guter Heiland, Freund der Armen; zu ihm gehörten die Frauen
Johannes: Fleischgewordenes Wort Gottes; vom Himmel gekommener Sohn des Vaters
Entstehung der Evangelien (in drei Stadien)
1. Mündliche Überlieferung Jesus‘ an die Jünger
2. Verkündung und Aufschreiben der Jünger → Entstehen von kleinen Sammlungen
3. Sammlung, Ordnung, Ergänzung, Überarbeitung und Deutung der vier Evangelien
→ Es gab keine genauen Infos über Jesu (z.B. Aussehen)
→ Ziel der Evangelien: Glauben an Jesu wecken und sein Wort präsent machen
Amtliche Biografie von Jesus
- Zwischen 4 und 8 n. Chr. Als Jude in Bethlehem geboren
- Einige Tage nach der Geburt beschnitten
- Aufgewachsen in Nazareth, Galiläa
- Taufe im Jahr 27/28 durch Johannes den Täufer → Jesus wurde Schüler des Täufers, aber
schloss sich nicht seinen Bewegungen an
- Jesus wurde Wanderprediger und verkündete die Wirklichkeit Gottes → Exorzismen und
Krankenheilungen begleiteten seine Verkündung
- Er nannte Gott seinen Vater → Gottes- und Nächstenliebe prägten sein Tun
- Er sammelte 12 Jünger (Aposteln) um sich
- Wurde durch einen seiner Jünger (Judas) den Behörden ausgeliefert → Todesurteil
- Seinen Jüngern sagte er, dass er wiederkommen würde → Auferstehung
→ Die Auferstehung Jesus‘ machte ihn zum Fundament eines neuen Glaubens
Die Stimmung in Palästina zur Zeit Jesu
- Zwangshellenisierung durch die Römer → Etablieren der griechischen Kultur und
Sprache in Palästina (z.B. griechische Bauten, Bildung, Erziehung und
Religionsausübung)
- Römische Fremdherrschaft (nach Eroberung Palästinas) → Harte Besteuerung, Gewalt
(Militär), Frondienste (= unbezahlte Arbeitsleistungen von Bauern) und Zollwesen
- Apokalyptik → Religiöse Vorstellungen aus dem iranisch-ägyptischen Raum (z.B.
Erwartung des baldigen Endes der Welt und Errichtung eines neuen, gerechten Reiches)
, Landesabitur 2025, Katholische Religion
Drohender Verlust der kulturellen und religiösen Identität; soziale und wirtschaftliche
Unterdrückung → Erwartung des nahen Endes und der neuen Zeit → Bildung von Gruppen mit
unterschiedlichen Religionsvorstellungen
→ Sadduzäer, Pharisäer, Essener, Zeloten, (Jesus)
Jüdische Gruppen zur Zeit Jesu
Sadduzäer Pharisäer Essener Zeloten
Wer? Priesterlicher Schriftgelehrte Israelitische National-religiöse
Hochadel & Laien, Priester-Union mit Eiferer für die
wohlhabende Kleinbürgertum Siedlungen in der Tora, bewaffnete
Oberschicht Wüste Widerstands-
kämpfer
Tora Streng Tora Beachtung Starke Tora Rechtfertigung
Interpretation traditionalistisch, für „heiliges Volk“ Frömmigkeit und ihres Widerstands
Gott kommt im & Übernahme strenge Regeln & Ablehnung des
Alltag nicht vor priesterlicher (bspw. Kaisers
Reinheitsvor- Ehelosigkeit)
schriften
Hoffnung auf: Nationalistischer Gestaltung aller Erwartung des Nationalistischer-
Tempelstaat, Lebensbereiche Messias und des freiheitlicher
Priesteraristokratie, nach dem Willen Reich Gottes, Gottesstaat &
kein Glaube an die Gottes & Glaube Distanz zum akute Erwartung
Auferstehung an Auferstehung Jerusalemer politischen
Tempel Messias‘
Römerverhältnis Kollaboration mit Ablehnung Ablehnung Militanter Kampf
den Römern, um römischer römischer gegen
eigene Vorrechte Fremdherrschaft, Fremdherrschaft, Fremdherrschaft
zu wahren aber Verzicht auf teilweise Verzicht & Verweigern der
Gewalt auf Gewalt Steuerzahlung
Jesusverhältnis Interesse an Freundschaftliche Breite Jesus war kein
Ausschaltung Jesu, Kontakte, Jesu Übereinstimmung, Zelot, denn er
Jesu kam nicht mit steht in deren aber Messias laut lehnte deren
ihnen aus Tradition; ihnen noch nicht Messiasvor-
Konflikte wegen angekommen; stellung und
Stellenwert des Kontakte zu Jesus Gewalt ab, aber
Gesetzes spekulativ; Jesus er hatte Jünger
lehnte deren aus zelotischen
Lebensform ab Kreisen
Wie standen die jüdischen Gruppen zum Jerusalemer Tempel?
Sadduzäer
- Stark positive und unterstützende Haltung zum Tempel
- Da die Sadduzäer überwiegend aus der priesterlichen und aristokratischen Oberschicht
stammten, waren viele von ihnen direkt am Tempel beteiligt (z.B. Hohepriester)
- Sie profitierten von der bestehenden Ordnung und sahen den Tempel als Zentrum des
religiösen Lebens
Pharisäer
- Respektvolle, aber nicht zentrale Haltung zum Tempel
- Schwerpunkt auf der Auslegung der Tora und der Heiligkeit im alltäglichen Leben
, Landesabitur 2025, Katholische Religion
- Sie erkannten den Tempel an, aber kritisierten Missstände und sahen ihn nicht als
einzigen Zugang zu Gott
Essener
- Ablehnende Haltung gegenüber dem bestehenden Tempelkult
- Sie hielten den Jerusalemer Tempel für korrumpiert (= verderbt) und glaubten, dass die
Priesterschaft unrechtmäßig sei
- Sie zogen sich in Wüstengebiete (z.B. Qumran) zurück und pflegten dort eine eigene und
„reinere“ Lebensweise
Zeloten
- Zentrale, aber politische aufgeladene Haltung zum Tempel
- Sie sahen den Tempel als Symbol der nationalen Identität und sich selbst als Verteidiger
des heiligen Ortes, weshalb sie gegen die römische Fremdherrschaft kämpften
Tempelreinigung
Was geschah?
- Jesus betrat den Jerusalemer Tempel und fand dort Händler und Geldwechsler vor, die
Tiere für Opfer verkauften und Geld wechselten
- Diese vertrieb er mit einer Geißel aus Stricken aus dem Tempel und verwüstete deren
Tische und Stände
- „Mein Haus soll ein Bethaus sein; ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!“
(vgl. Jesaja 56, 7 und Jeremia 7, 11)
Bedeutung und Motivation
- Kritik am Missbrauch des Tempels → Kommerzialisierung des Gottesdienstes und
Korruption im Tempelbetrieb
- Prophetische Handlung, welche eine Fehlentwicklung anprangert
- Zeichen des kommenden Gerichts Gottes: Jesus deutet an, dass das Tempelsystem
unter Gottes Gericht steht, weil es seiner Bestimmung nicht mehr gerecht wird → Diese
Warnung kulminiert später in der Ankündigung der Tempelzerstörung (70 n. Chr. durch
die Römer)
- Hinweis auf eine neue Gottesbegegnung: „Reißt diesen Tempel nieder, und in drei
Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.“ → Symbolik seines eigenen Leibs und seiner
Auferstehung
Folgen
- Die religiösen Führer (z.B. Pontius Pilatus) sahen darin eine Bedrohung ihrer Autorität
- Die Tempelreinigung war ein entscheidender Auslöser für Jesus‘ Verhaftung und
Kreuzigung
Bedeutung der Tempelreinigung für die heutige Zeit
Kritik an Heuchelei und leerem Ritual
- Jesus greift nicht das Gebet oder den Tempel an, sondern die Heuchelei,
Kommerzialisierung und das unaufrichtige religiöse Verhalten
→ Jeder Einzelne solle sich fragen, ob der Glaube wirklich Gott dient (oder eher der
eigenen Macht, dem Geld oder dem guten Ruf)