Medeia (Medea)
Autor: Euripides | Erschienen: 431 v. Chr. | Verlag/Ort: antike Überlieferung, keine Verlagsangabe (zitiert
nach gängiger Übersetzungsausgabe)
In der antiken Tragödie rächt sich Medea an ihrem Ehemann Jason, der sie für eine andere Frau verlässt, indem
sie dessen neue Braut sowie deren Vater tötet und schließlich sogar die eigenen Kinder umbringt. Euripides
zeichnet damit als erster Dichter eine besonders radikale, rachsüchtige Version der Medea-Figur. Das Werk gilt
als eine der bedeutendsten Tragödien der griechischen Antike.
Inhaltsverzeichnis
– Übersicht
Handlung
– Prolog
– 1. Aufzug
– Einzugslied
– 1. Standlied
– 2. Aufzug
– 2. Standlied
– 3. Aufzug
– 3. Standlied
– 4. Aufzug
– 5. Aufzug
– 4. Standlied
– 5. Standlied
– Auszug
– Aufbau
Charakterisierung
– Medea
– Jason
– Amme
– Kreon
– Aigeus
– Figurenkonstellation
Stil
– Stilmittel
Kontext
– Figurenrede
– Euripides' Werk
– Mythos Medea
Interpretation
– Rachsucht aus Liebe
– Patriarchale Welt
– Vergleich mit Medea. Stimmen
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,Übersicht
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In seiner Tragödie Medea aus dem Jahr 431 v. Chr. greift der Dichter Euripides den griechischen Mythos um die
Königstochter Medea auf. Während Medea in den ältesten Fassungen der Sage eher positiv gezeichnet wurde,
bezieht sich Euripides auf Versionen, in denen die Hauptfigur als rachsüchtige Mörderin dargestellt wurde. Als
erster Dichter lässt er Medea sogar ihre eigenen Kinder umbringen.
Handlung
Prolog
Nach einer kurzen Vorstellung der Personen des Dramas führt der Prolog oder Prologos in die Handlung ein.
Personen Amme und Vertraute Medeas Erzieher der Kinder Medeas Medea
Handlung Die Amme beklagt die Vergangenheit; sie wünscht, dass Medea Jason nie getroffen hätte, nie mit ihm
geflohen wäre, nicht für ihn Pelias‘ Töchter zum Vatermord verlockte hätte nur um nun von Jason betrogen zu
werden Sie berichtet, dass Medea sich dem Schmerz überlasst und sogar ihre Kinder von Jason hasst Die Amme
fürchtet, Medea könne ihren Kindern etwas antun, weil sie das Unrecht nicht erträgt Sie sieht Medeas Söhne
heimkommen, denen der Schmerz der Mutter egal ist Der Erzieher fragt die Amme, warum sie vor dem Haus
steht und laut jammert Die Amme erklärt, sie fühle Medeas Leid wie ihr eigenes und dass Medeas Unglück erst
am Anfang steht Der Erzieher kündigt daraufhin das nächste Unglück an: Er hörte, dass Kreon Medea und
Kinder aus Korinth verstoßen will Beide stellen fest, dass Jason dies zulassen wird, weil er jetzt eine neue Liebe
hat Die Amme klagt, dass es damit aus sei und jammert vor den Kindern, dass ihr Vater ihnen dieses übel antut
Der Erzieher soll auf ihre Anweisung hin die Kinder von der wilden Medea fernhalten Medea im Haus klagt,
dass sie sterben will und dass ihre verfluchten Kinder mit dem Vater sterben sollen Die Amme fürchtet Medeas
Pläne, versteht sie nicht und stellt fest: „Übermaß kann Menschen kein Glück bringen und stürzt das Haus nur in
größeres Unheil, wenn ein Gott zürnt.“ (Pr., Z. 116)
1. Aufzug
Der erste Aufzug (Epeisodion) handelt vom Treffen Medeas mit Kreon.
Personen Medea Chor Kreon
Handlung Medea bittet die Korinther Frauen ohne Vorurteile ihre Worte anzuhören Sie betont, dass sie wegen
Jason vernichtet ist und klagt über das Leid der Frauen, die sich nach dem Mann richten müssen und wie
Leibeigene werden Medea erklärt, dass der Ruf von Frauen durch die Scheidung ruiniert ist; vor allem bei ihr,
die sie heimatlos ist Sie bittet den Chor zu verstehen, dass sie Rache will Der Chor versteht ihre Rachsucht und
ihre Klagen Kreon kommt herbei und will Medea verbannen samt den Kindern Medea erkennt, dass sie so ganz
zugrunde gehen wird und fragt Kreon nach seinen Gründen für die Verbannung Kreon fürchtet Medeas Klugheit
und Groll; hat Angst, sie könne seiner Tochter etwas antun Medea fleht, dass ihr Ruhm ihr schon oft geschadet
hat, dass sie beneidet und gehasst wird für ihr Können; dabei ist sie harmlos Sie beteuert, dass sie sich nicht an
ihm vergehen will, sondern nur Jason hasst; wenn sie bleiben darf, will sie schweigen Kreon misstraut den
Worten, fürchtet eine List und verbannt sie Medea bezeichnet die Liebe als Fluch für den Menschen und bittet
um einen Tag Gnadenfrist, um eine Zuflucht für die Kinder suchen zu können Kreon will nicht tyrannisch sein
und gewährt ihr noch einen Tag; er denkt, sie könne in dieser Zeit nichts Schlimmes tun Der Chor beweint
Medeas Not, aus der es kein Entkommen gibt Medea erklärt, dass es nicht ganz so schlimm um sie stehe; sie
kündigt an, dass sie eine List plant und überlegt, wie sie Jason, Kreon und die Königstochter umbringen kann
und trotzdem eine Stadt findet, die sie aufnimmt
Einzugslied
Das Einzugslied wird auch Parodos genannt.
Personen Chor korinthischer Frauen Amme Medea
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, Handlung Der Chor singt über Medeas Klagen Die Amme erklärt den Frauen, dass es kein „Haus“ mehr gibt,
weil Jason nun die Königstochter liebt Medea wünscht sich von Zeus den Tod Der Chor fragt sich, warum
Medea so sehr an der Ehe hängt und so jammert Medea wünscht auch Jason und seiner Braut den Tod und
beklagt, dass sie für ihn ihren Bruder erschlug Die Amme warnt, dass Medeas Klagen nicht ohne Gewalt enden
werden Die Chor würde Medea gerne mit vernünftigen Worten helfen und schickt die Amme, Medea zu holen
Die Amme will es versuchen, glaubt aber nicht, dass Lieder das Leid Medeas schmälern können
1. Standlied
Im 1. Standlied bzw. Stasimon besingt der Chor das Leid von Medea, die von Jason betrogen wurde.
Handlung Der Chor stellt fest, dass jetzt alles verkehrt wird; dass das Frauengeschlecht Ruhm erfahren wird und
nicht mehr immer als die Untreue besungen werden wird Der Chor beklagt die arme Medea, die aus Liebe ihre
Heimat verlassen hat und nun nach Jasons Betrug kein zu Hause mehr hat
2. Aufzug
Der 2. Aufzug wird auch Epeisodion genannt und erzählt von dem Streit zwischen Medea und Jason.
Personen Jason Medea Chor
Handlung Jason gibt Medea die Schuld an der Verbannung; ihr Zorn und ihre widerwillige Art hätten dafür
gesorgt Er hat versucht, Kreon zu besänftigen, was sie mit ihrer wilden Art torpediert hat Er will Medea und die
Kinder nicht mittellos in die Verbannung gehen lassen, weil er ihr kein Übel wünscht Medea nennt Jason einen
Feigling und Schuft, weil er sich traut, ihr nach allem, was er ihr angetan hat, noch unter die Augen zu treten Sie
ist aber froh, ihm all ihre Vorwürfe an den Kopf werfen zu können Medea zählt auf, was sie alles für Jason
getan hat: ihn gerettet, den Drachen für ihn getötet, Pelias den Tod gebracht und ihm gefolgt Klagt Jason an, der
seinen Eid gebrochen hat und wegen dem sie keine Zuflucht mehr hat Medea wendet sich flehend an Zeus,
warum schlechte Menschen kein Erkennungsmerkmal haben Jason denkt, Medea übertreibt mit ihren
Verdiensten; zwar gibt er zu, dass Medea ihm nützlich war, behauptet aber, er sei für Medea noch mehr von
Vorteil gewesen Weiter rechtfertigt Jason seine Ehe mit der Königstochter als klugen Schachzug zum Wohle der
Familie Er klagt über Medeas Eifersucht und Emotionalität; die Welt ohne Frauen wäre besser Der Chor
widerspricht Jason Medea sieht es als Schadtat an, dass Jason seine Schuld schönreden will; hätte er tatsächlich
zum Wohle der Familie handeln wollen, hätte er Medea um Zustimmung für seine neue Ehe fragen können
Jason behauptet, er hätte nicht gefragt, weil sie sowieso nein gesagt hätte; Medea glaubt ihm das nicht Medea
unterstellt Jason, dass er keine Barbarin mehr als Frau wollte Medea will kein Glück, das auf Leid basiert und
weist auch Jasons Schuldzuweisung zurück Auch Jasons Angebot, Empfehlungsbriefe in fremde Städte zu
schicken, weist sie ab; Medea verflucht ihn und droht, dass er die Ehe eines Tages bereuen wird
2. Standlied
Im 2. Standlied singt der Chor über die schlimmen Folgen einer zu großen Liebe.
Handlung Der Frauenchor beklagt, dass zu große Liebe nur schlimm enden kann Nur, wer in gesundem Maße
liebt, kann glücklich werden Die Frauen flehen, dass sie nie Groll, Hass und Streit wegen unerfüllter Liebe
fühlen wollen Als schlimmstes Leid besingen die Frauen ein Leben in Armut und ohne Heimat Sie wollen lieber
sterben, als das zu erleben, was Medea nun widerfahren wird Der Chor singt voller Mitleid, weil kein anderes
Land Medea aufnehmen wollte in ihrem Leid Die Frauen wollen nie mit Menschen befreundet sein, die ihre
Freunde im Stich lassen
3. Aufzug
Der 3. Aufzug handelt von einem Treffen Medeas mit Aigeus, dem König von Athen.
Personen Medea Aigeus Chor
Handlung Medea trifft zufällig auf ihren alten Freund Aigeus, der auf der Rückreise vom Orakel von Delphi in
Korinth vorbei kommt Der König erhoffte sich vom Orakel eine Weissagung über mögliche Kinder Auf seine
Nachfrage hin klagt Medea Aigeus ihr Leid; dass Jason sie betrogen hat mit der Königstochter und sie nun aus
dem Land gejagt wird Aigeus ist schockiert von Jasons Schandtat und dem mangelnden Einsatz für seine
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