Die attische Demokratie (Blütezeit: 5. Jahrhundert v. Chr)
Herausbildung der Demokratie
Solon: Einteilung der wahlberechtigten Bevölkerung in Vermögensklassen und Auflösung alter
Abhängigkeitsverhältnisse Schwächung der Vorherrschaft des Adels
Kleisthenes: weitere Minderung des Einflusses adliger Familien durch territoriale Ordnung der Polis (Zehn Phylen, die
je 50 Mitglieder in den Rat der 500 entsandten) Repräsentation aller Regionen und Gesellschaftsgruppen; Einführung
des Scherbengerichts (Ostrakismos) Verhinderung einer Tyrannenherrschaft
Aufstieg Athens zur Großmacht im Verlauf der Perserkriege Theten (v.a. Ruderer auf Kriegsschiffen) fordern
politische Gleichberechtigung nach dem Krieg: politische Rechte auch für die besitzlose vierte Klasse der Bürger
(Knüpfung der politischen Partizipation an die Verteidigungsfähigkeit)
Themistokles: Einführung des Losverfahrens für die Besetzung der höchsten Beamten Durchsetzung in der
Volksversammlung (Ekklesia) als dem zentralen Organ der athenischen Demokratie wird wichtiger Machtgewinn
einflussreichen Rednern sogenannten Demagogen
Perikles: Stärkung der Rechte der Volksversammlung und Erleichterung des Zugangs zu politischen Ämtern für ärmere
Schicht durch die Einführung von Diäten (Aufwandsentschädigungen)
Finanzierung und Stabilisierung der Innenpolitik und Demokratie (Diäten, …) durch Tribute anderer Städte
Attischer Seebund als Instrument zur Sicherung der athenischen Hegemonie
Funktionsweise der attischen Demokratie
Exklusive Gleichheit
Isonomie: rechtliche und politische Gleichheit unter den autochthonen Bürgern (alle erwachsenen, freien,
autochthonen Männer – 14%) Ausschluss von Sklaven, Frauen und Metöken (ortsansässige Fremde) von Wahlen,
Abstimmungen und der Ausübung öffentlicher Ämter; Außerdem: weitere Privilegien der Bürger durch exklusiven
Anspruch auf Landbesitz, Heirat nur zwischen zwei Bürgerfamilien und strengere rechtliche Ahndung bei Straftaten
gegen Menschen mit Bürgerrecht
Unmittelbare Beteiligung:
Losdemokratie gleiche Teilhabe am politischen Leben durch Rotation der Mandate vieler öffentlicher Ämter per
Losverfahren (Ausnahme nur bei spezialisierten Ämtern)
Verhinderung der Monopolisierung der Macht; Ermöglichung der Beteiligung aller Bürger
Volksversammlung (Ekklesia) als zentrales Organ jeder Bürger (über 20 mit 2 Jahren Militärdienst) ist rede-,
antrags- und stimmberechtigt; Entscheidung über Gesetze, Krieg und Frieden, Steuern, …
In der Praxis: Konflikte zwischen sozialen Gruppen; Benachteiligung Bauern aufgrund Entfernung; beste
Repräsentation für Bürger nach aktivem Erwerbsleben bzw. mit ökonomischer Unabhängigkeit sowie ärmere Schichten
(Diät als Gehalt)
Beschränkung von Herrschaft:
Losverfahren mit kurzen Amtszeiten und ständiger Rotation keine Monopolisierung von Macht
Scherbengericht (Ostrakismos): 10-jährige Verbannung ab 6.000 Stimmen aber Behalten von Bürgerrecht und
Vermögen Nutzung auch zur Ausschaltung politischer Gegner
Außerdem: Verteilung der Kompetenzen auf viele Institutionen, große Bürgerbeteiligung und Rechenschaftspflichten
bei regelmäßigen Überprüfungen sowie Abschlusskontrollen
, Politische Meinungsbildung:
Prägung durch Mündlichkeit Meinungsaustausch erst informell im privaten (Familie, Freunde) und öffentlichen
(Phylen, Gleichgesinnte) Gespräch anschließend formell in der Volksversammlung Stadtgespräch als wichtiger
Bestandteil des Informationsaustausches; Mitspracherecht für Frauen auf Umwegen
Demagogen: redegewandte Männer aus der Oberschicht mit rhetorischer Ausbildung Beeinflussung der öffentlichen
Stimmung im Sinne einer Richtungsvorgabe
Bewertung aus moderner Sicht
+ Gesetzgebungs-, Regierungs-, Kontroll- und Gerichtsgewalt des Demos; direkte unmittelbare Volksherrschaft;
Horizontale Gewaltenteilung mit Volksversammlung als Legislative; Losverfahren zur Herstellung von Gleichheit;
Scherbengericht gegen Machtkonzentration; Bedeutung der öffentlichen Meinungsbildung; Hohe Bürgerbeteiligung
weniger Politikverdrossenheit und mehr „Miteinander“
-Frauen, Metöken und Sklaven ohne Bürgerrechte; keine unveräußerlichen Menschenrechte oder Minderheitenschutz;
gezielte Manipulation der Bevölkerung durch Demagogen als größere Gefahr; praktische Umsetzung der gleichen
Partizipation schwierig; nur auf kleinem Gebiet möglich und „Dilettanten-Regierung“ bei den komplexen modernen
Problemen unzureichend; eigene Abschaffung der Demokratie möglich (kurzzeitige Phasen der Oligarchie)