Faust I
Autor: Johann Wolfgang von Goethe | Erschienen: 1808 (Arbeit begonnen um 1770) | Verlag: SchulLV | Ort:
Karlsruhe (zitiert nach der Ausgabe von 2021)
In Goethes Tragödie schließt der an den Grenzen des Wissens verzweifelnde Gelehrte Faust einen Pakt mit dem
Teufel Mephisto, um durch neue Erfahrungen und Genüsse Erfüllung zu finden. Im Zentrum der Handlung steht
seine tragisch endende Liebesbeziehung zu Gretchen, die zwischen Schuld, Verführung und gesellschaftlichen
Zwängen zerbricht. Das Werk vereint Elemente aus Sturm und Drang, Weimarer Klassik und Romantik und
zählt zu den bedeutendsten Werken der deutschen Literatur.
Inhaltsverzeichnis
– Kontext und Einordnung
– Autor
– Epocheneinordnung
– Inhalt der Vorspiele
Inhalt der Gelehrten-Tragödie
– Nacht
– Vor dem Tor
– Studierzimmer (I)
– Studierzimmer (II)
Brückenszenen
– Auerbachs Keller in Leipzig
– Hexenküche
– Straße I
Inhalt der Gretchen Tragödie
– Abend
– Spaziergang
– Der Nachbarin Haus
– Straße II
– Garten
– Ein Gartenhäuschen
– Wald und Höhle
– Gretchens Stube
– Marthens Garten
– Am Brunnen
– Zwinger
– Nacht
– Dom
– Walpurgisnacht
– Walpurgisnachtstraum
– Trüber Tag, Feld
– Nacht, offen Feld
– Kerker
Figuren
– Figurenübersicht
– Faust
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,– Gretchen
– Mephisto
– Nebencharaktere
– Struktur
– Sprache und Stil
Interpretation
– Faust und die Konzepte der Klassik
– Faust und Gretchen
– Der Pakt mit dem Teufel
– Rezeption
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,Kontext und Einordnung
Der deutsche Arzt, Astrologe und Magier Johann Georg (anderen Quellen nach zu urteilen auch Georg) Faust
wurde um 1480 geboren und starb zwischen 1536 und 1540. Nach 1507 studierte er wahrscheinlich Theologie
in Heidelberg. Zwischen 1513 und 1532 wurde er aus jeder Stadt, in der er sich für längere Zeit aufhielt,
ausgewiesen, unter anderem Erfurt, Bamberg, Ingolstadt und Nürnberg. Faust galt damals als Zauberer und
Geisterbeschwörer und hatte Kontakt zu humanistischen Gelehrten. Nach seinem Tod (vermutlich in Folge eines
misslungenen alchemistischen Experiments) entwickelte sich die Sage, dass er vom Teufel geholt worden sei.
Goethe begann um 1770 seine Arbeit an der Tragödie, veröffentlicht werden sollte diese allerdings erst mehr als
30 Jahre später, im Jahr 1806. Angeregt wurde er durch den Fall einer Kindsmörderin, Susanna Margaretha
Brandt, die 1772 in seiner Heimatstadt Frankfurt hingerichtet wurde. Da Goethe von Susannas Geschichte
berührt war, steht in der ersten Fassung Fausts, auch Urfaust genannt, die Gretchentragödie im Vordergrund.
Der Urfaust beginnt mit Fausts Monolog im Studierzimmer - die drei Szenen Zueignung, Vorspiel auf dem
Theater und Prolog im Himmel fehlen hier noch. Mephisto ist zwar bereits eine wichtige Figur, doch der
Teufelspakt fehlt komplett. Die Szenen Hexenküche und Walpurgisnacht fehlen ebenfalls.
1788 vollendete Goethe seine Arbeit an der zweiten Fassung, Faust. Ein Fragment, in der auch die
Gelehrtentragödie ausgeprägt ist. Außerdem enthält diese Version des Faust die Szene Hexenküche. Die letzte
Szene Kerker ist jedoch auch hier noch nicht enthalten.
1797 veröffentlichte Goethe Faust. Eine Tragödie, der im Vergleich zu Faust. Ein Fragment die drei Szenen
Zueignung, Vorspiel auf dem Theater und Prolog im Himmel beigefügt sind. 1806 erschien schließlich die
druckfertige Version, die noch die Szene Walpurgisnacht enthält.
Während manche andere Werke eindeutig einer bestimmten Epoche zuzuordnen sind, stritten sich bei Faust
selbst Literaturwissenschaftler darum, welcher Epoche Goethes Meisterwerk zugeordnet werden sollte. Goethe
war einer der Wegbereiter und führenden Köpfe sowohl des Sturm und Drang wie auch der Weimarer Klassik,
weshalb Faust I von beiden Schaffensperioden und ihren jeweiligen Eigenheiten geprägt ist. Außerdem wurde
das Werk zu einem Zeitpunkt beendet, in welcher eine neue Strömung in Deutschland entwickelt wurde: In
Faust I greift Goethe Elemente der Romantik auf, auch wenn er diese wegen ihrer angeblichen Naivität und
Geschmacklosigkeit kritisierte. Das Drama lässt sich daher nicht eindeutig in eine bestimmte Epoche einordnen.
Inhalt der Gelehrten-Tragödie
Nacht
Personen Handlungsort Interpretation
In einem „hochgewölbten, engen, gotischen
F Zimmer“ Faust a zweifelt u am st Wahrhe W itsgehal a t der g Wissens n chaft er Identitä Er tskrise d
Depress g iv, fühlt ei sich st eingezw ängt Da er keine Erkennt nis erlange n kann, will er sich umbrin
gen
In der ersten Szene lernt der Leser das Innenleben des Gelehrten kennen: In einem beengten Zimmer des späten
Mittelalters zieht der Gelehrte Doktor Faust Résumé über sein Leben - und kommt zum ernüchternden Ergebnis:
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor
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, (Sz. 1, Z. 6-11)
Faust hat sich jedes akademische Wissensgebiet angeeignet, muss jetzt aber feststellen, dass ihn dieses Wissen
nicht zur erhofften Erkenntnis gebracht hat - er zweifelt also an der Sinnhaftigkeit all seiner früheren
Tätigkeiten. Der erfolgreiche Wissenschaftler ist zum melancholischen Zweifler geworden.
Um nun zu erkennen, was „die Welt im Innersten zusammenhält“ (Sz. 1, Z. 34f.), wendet er sich daher der
schwarzen Magie zu: „Es möchte kein Hund so länger leben! / Drum hab ich mich der Magie ergeben“ (Sz. 1, Z.
28f.). Faust beschwört den Erdgeist herauf (womöglich eine Figur, die die wirkende Natur der Erde
symbolisiert), um von ihm die Wahrheit über den Zweck und die Ursache der Welt zu erfahren, doch er erhält
von ihm eine Absage: „Du gleichst dem Geist den du begreifst, / Nicht mir [dem Erdgeist]!“ (Sz. 1, Z. 196f.).
Als daraufhin sein Gehilfe Wagner zu ihm kommt und sich die beiden unterhalten, wird Faust seine verzweifelte
Lage noch deutlicher bewusst, denn Wagner demonstriert, wie jemand nur durch Buchwissen nicht zur
Weisheit, geschweige denn zur Wahrheit gelangen kann. Durch seine rast- wie hoffnungslose Suche nach der
Erkenntnis des Kosmos zutiefst unglücklich mit seinem Leben, will Faust sich umbringen: „Der letzte Trunk sei
nun, mit ganzer Seele, / Als festlich hoher Gruß, dem Morgen zugebracht!“ (Sz. 1, Z. 465f.). Als er gerade den
Becher ansetzen und austrinken will, ertönen die Glocken zum Osterfest. Der Chorgesang, der bei Faust
Erinnerungen an seine Kindheit weckt, hält Faust vom Selbstmord ab: „Welch tiefes Summen, welch ein heller
Ton, Zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?“ (Sz. 1, Z. 479 f.) - schließlich symbolisiert das Osterfest
die Wiederauferstehung und gibt Faust Hoffnung, doch noch glücklich zu werden.
Vor dem Tor
Personen Handlungsort Interpretation
S Vor den Toren der Stadt Symboli p k: a Mittler zi weile ist er es hell g drauße ä n; n Fausts g Verzwei
er flung ist al leichte le m r Optimis A mus rt gewiche W n a Zweiteil g ung von n Fausts er Seele: F der
a Stofftrie u b st erwacht in ihm
Die Szene beginnt mit einer Kollage der Gespräche verschiedener Bürger, die den Spaziergang am Ostermorgen
genießen. Der hoffnungsvollen und vergnügten Stimmung des neuen Tages entsprechend, verbessert sich Fausts
Stimmung in dieser Szene: Faust wünscht sich nicht mehr seinen Tod und unternimmt mit Wagner einen
Spaziergang. Das Volk, das sie dabei treffen, begegnet Faust mit Hochachtung, woraufhin dessen Stimmung
wieder getrübt wird, denn er macht sich Vorwürfe, in seiner Tätigkeit als Arzt einige Menschen getötet zu haben
(vgl. Sz. 2, Z. 326 ff.). Er unterhält sich mit Wagner über seine innere Zerrissenheit zwischen der Suche nach
Erkenntnis und dem Drang, das Leben einfach zu genießen. Nun, nach seinem Versagen, den Erdgeist unter
Kontrolle zu halten, glaubt Faust nicht mehr an ein mögliches Erlangen von geistiger Erkenntnis und sehnt sich
„weg zu neuem, buntem Leben“ (Sz. 2, Z. 402). Gegen Ende gesellt sich ein Pudel zu den beiden, der sie bis ins
Studierzimmer zurück begleitet. Faust kommt das Verhalten des Tieres seltsam vor, Wagner jedoch bemerkt
nichts.
Studierzimmer (I)
Personen Handlungsort Interpretation
F Fausts Zimmer Die a Schritte u der st Überset M zung e stehen p für hi Fausts st innere o Entwickl p ung h
Mephist el opheles e offenba s rt sich Faust Mephist opheles stellt sich vor als ein „Teil von jener Kraft“, er hat
also nur eingesc hränkte Wirkun gsmögli chkeite n Faust hat als erfahre ner Gelehrt er keine Angst vor dem
Teufel, zeigt Interess e
Faust nimmt den Pudel mit in sein Studierzimmer, während seine Laune sich immer weiter verschlechtert und er
erneut in Depressionen zu versinken droht: „Aber ach! schon fühl ich, bei dem besten Willen, / Befriedigung
nicht mehr aus dem Busen quillen“ (Sz. 3, Z. 37f.). Um dem entgegen zu wirken, beginnt Faust, das Original
des Neuen Testaments ins Deutsche zu übersetzen. Er scheitert jedoch schon am ersten Satz: „Im Anfang war...“
(Sz. 3, Z. 53). Faust interpretiert den Lógos-Begriff zunächst als „Wort“, dann als „Sinn“ und „Kraft“. Der
unruhige und stets tätige Mensch Faust gibt sich nur mit dem Wort „Tat“ zufrieden.
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