® DER ÜBERGANG VOM INTUITIVEN ZUM SCHULISCHEN LERNEN Die Aneignung von Schrift ist als Entwicklungsprozess
zu sehen, bei dem sich das Kind schrittweise das
System unserer Schrift erarbeitet und selbstständig
Besondere Situation:
Regeln zur Verschriftung gesprochener Sprache
• erste verpflichtende Sozialisation
entdeckt.
• Schule für alle Schüler
• ¯heterogene Schülerschaft
Die Besonderheiten des Anfangsunterrichts
Teilbereiche des Bildungsauftrags der Grundschule ergeben sich schon aus der
Schnittstellenposition von vorschulischer und
Erwerb von Handlungskompetenzen schulischer (grundlegender) Bildung, aus
Lernstrategien dem Spannungsfeld von Kontinuität und
Persönlichkeit Diskontinuität.
Sozialisation Kontinuität:
Bei der Unterrichtsgestaltung keinen Bruch
zwischen schulischer und vorschulischer
• Gestaltung der Situation (Institutionswechsel, von Kindergarten zur Schule)
Bildung/soll erzeugt und gewahrt werden
• Bei Kindern starker Vergleich nach Alter und Entwicklungsstand Diskontinuität:
• „Schulreife, Schulfähigkeit, Kind – Umwelt – Relation“ Bei der Unterrichtsgestaltung ein Bruch, um
• Herstellung der Schulfähigkeit ab dem ersten Schuljahr neue Regeln und Herausforderungen zu
kennzeichnen
Aufgaben des Anfangsunterrichts
® Einführung von Arbeitstechniken (z.B. von links nach rechts schreiben)
® Formen selbstregulierten Lernens („Wie kann ich mich selbst verhalten, damit ich gut lernen kann?“)
® individuelle Entwicklung des Kinds berücksichtigen – Zugehörigkeit, Autonomiegefühl, Erfolgsgefühl
® Soziales Lernen (kommunizieren miteinander)
Ebenen des Entwicklungsprozesses
® Stärkung von Selbstwertgefühl, Akzeptanz der eigenen Person, des eigenen Könnens (Ich-Kompetenz)
® Entwicklung der Fähigkeit die anderen in der Klasse wahrzunehmen, Bereitschaft zur sozialen Mitverantwortung,
des Interesses, mit anderen gemeinsam Handlungen zu planen und zu realisieren (sozial-emotionale Kompetenz)
® Die Förderung vielfältiger Ausdrucks- und Mitteilungsrahmen (kommunikative Kompetenz)
® Stärkung der Fähigkeit, Handlungen an Zielen zu orientieren und zielorientiert gemeinsam mit anderen, aber auch
allein zu strukturieren (Planungs- und Handlungskompetenz)
® Die Stimulierung von Welt-, Sach- und Symbolerfahrungen (Sachkompetenz)
Konsequenzen für den Anfangsunterricht
• Erziehen
• Unterrichtsgestaltung an besondere Situation anpassen
• Individualisierter und differenzierter Unterricht
• Innovativer und offener Unterricht
• Anschlussfähige Bildung ermöglichen
„Übersetzt auf den Anfangsunterricht in
deutschen Schulen bedeutet
»Spracherfahrungsansatz« für mich Dreierlei:
an den individuellen Erfahrungen der Kinder mit
(Schrift-)Sprache anknüpfen,
damit sie neue Erfahrungen mit Funktion und
Struktur der Schriftsprache sammeln und alte
ausbauen können,
indem sie schreibend Erfahrungen aus ihrer
eigenen Lebenswelt mit Schrift festhalten und
mitteilen sowie sich lesend bisher fremde
Erfahrungswelten über Schriftsprache neu
erschließen können.“
(Brügelmann, Brinkmann)
, Lesen und Schreiben
® Eine begriffliche Rahmung
Schreiben ist…
Schreiben ist… Schrift ist… Schrift als Repräsentationssystem von
…eine sprachliche Grundfähigkeit … die Verschlüsselung von Sinn in Sprache
…Auseinandersetzung mit der Sprache graphisch fixierte Zeichen
in ihrer schriftlichen Erscheinungsform „Eine Technologie, die sich der Mensch
…graphische Fixierung von Sprache geschaffen hat, um Informationen für
…Sprachhandeln als sprachanalytische den Wiedergebrauch zu konservieren.“
Fähigkeit (Haarmann, 2002)
Lesen ist…
…die Lesefertigkeit mit Sinnentnahme
...das Verstehen im Sinne von Interpretationen Definitionen sind abhängig von Kultur,
…Sinnentnahme aus graphisch fixierten zechen (Entschlüsselung) Kenntnisstand der Person und der
Kontext
Lesen und hören sind die rezeptiven, Rezeptiv = aufnehmen
Schreiben und Sprechen die produktiven Prozesse Produktiv = hervorbringend
SCHRIFT ALS REPRÄSENTATIONSSYSTEM VON SPRACHE
Von der Oralität zur Literalität
Durch wie viele Zeichen lässt
Mündliche Kommunikation: sich unsere Sprache abbilden?
Redner ® Hörer - Buchstaben, Umlaute, usw.
Bsp: Mann, man, Man
-> Schreibung aus Kontext
Schriftliche Kommunikation: erkennbar
Schreiber ® Leser Bsp: Fahne, Vater
-> Zerdehnte Kommunikation -> ähnlicher Klang
® Schriftsysteme lassen sich kategorisieren
® Im Schriftspracherwerb Unterscheidung zwischen nichtalphabetischen und alphabetischen Schriften
Ursprünge der Schrift
- Erste Höhlenmalereien vor 35 000 Jahren
- Bilder als Unterstützung für mündliches Erzählen
- Visuelle Bildinhalte übermitteln sprachliche Nachrichten
Entwicklungsstufen der Schriftentwicklung
• Nichtalphabetische Schriften (Ideenschrift, Bilderschriften – Piktogramme, Wortschriften – bspw chinesisch,
Silbenschriften – japanisch)
• Alphabetische Schriften (unsere lateinische Schrift – alle relevanten Laute – Zeichen – Beziehungen, Buchstaben
repräsentieren)
Relevanz für Kinder im Anfangsunterricht
• Funktionen und Nutzen in unserer Gesellschaft
• Erinnerungsfunktion
• Unendliche Möglichkeiten der Verschriftung und Übermittlung von Sprache in Schriftform
• Didaktische Einsatzmöglichkeiten:
- Piktogramme im Klassenzimmer
- Wörter und Zeichen Jagen
- Schnitzeljagd
- Symbolstundenplan
- Notizen im Hausaufgabenheft
, Standardisierung der Schrift
Massenalphabetisierung durch Übersetzung der Bibel von Luther - geschriebene Wortform bleibt konstant, auch wenn
Rechtschreibung wichtig für allgemein Funktion von Schrift die Lautform verschieden ist
Konstanzschreibung, um mehrere Schreibweisen eines Wortes zu vermeiden - Morpheme als kleinste Bestandteile eines Wortes
Dadurch entstehen Einheiten, die das Lesen vereinfachen und beschleunigen - Grammatisierung und Alphabetisierung fallen
Worterkennendes Lesen ® Morphemkonstanz zusammen
- dadurch Erleichterung des Lesens aber Beschwernis
des Schreibens durch Schreibregeln
Prinzipien und Regeln der Orthographie
- LAUTE UND BUCHSTABEN Grapheme (Schriftzeichen)
a. Das Graphem stellt die schriftliche Repräsentation
Zusammenhang zwischen Sprachlauten des Phonems dar
b. Das Graphem ist die „kleinste
und der alphabetischen Schrift bedeutungsunterscheidene Einheit des
- Laute sind kleinste klangliche Einheiten der Sprache Schriftsystems der Sprache“ (Günther 1988)
- Die Darstellung von Sprache in einer alphabetisierten Dabei steht im Rahmen unserer Buchstabenschrift nur eine
Schrift basiert auf der Darstellung der lautlichen Abfolgen begrenzte Anzahl von Zeichen zur Verfügung (alle Groß-
durch eine Abfolge graphischer Zeichen und Kleinbuchstaben)
- Anzahl der Laute unzählbar durch Dialekte usw
DIFFERENZEIRUNG HINSICHTLICH:
1. Klangfarbe
2. Dauer
Ambiguität
3. Intensität Identische Laute können unterschiedlich dargestellt werden
4. Tonhöhe „Mehlbeerweg“
Das Phonem ist graphematisch mehrdeutig
Laut – Buchstaben – Zuordnung „Besen“
Zwei unterschiedliche Laute, die gleich verschriftet werden
Das Phonem ist phonetisch mehrdeutig
Phoneme
- Die kleinsten Bedeutungsunterscheidende Einheiten der Sprache
- Durch Minimalpaarbildung ermittelt, z.B. „mein“ und „dein“
Haus – Maus
Meins – Meint Phonem /a/ Þ Kernstück des SSE
Mühen – Mähen Phon [a]