Siedlung
1. Stadtgeographie
1.1 Stadtbegriffe
Problem:
Umgangssprachlich werden Stadt & Land deutlich voneinander getrennt
Heutige Situation: Stadt Land Kontinuum
Phänomen Stadt:
Für die Stadt – umfangreiches Kriterienbündel, aber keine einheitliche Definition
Beispiel Kriterienkatalog:
Statistisch Mindesteinwohnerzahl
Historisch Stadtrecht/Stadtbefestung/Marktfunktion
Stadtbegriffe
Geografisch Kompakt, Dicht, Zentriert/Einwohnerbezogene Mindestgröße/Funk. Bedeutungsüberschuss
Soziologisch Anonymität/Toleranz & Gleichgültigkeit/Gesellschaftliche Differenzierung
Wichtige Kriterien:
Statistischer Stadtbegriff
• Statistische Untergrenze schwankt räumlich & zeitlich sehr stark
• Internationaler Statistiker Kongress 1887: Stadt = Gemeinde mit >2.000 E
• Häufig zu findende Größen Konventionen:
- Landstadt: 2.000-5.000 E, Kleinstadt: 5.000-20.000 E, Mittelstadt: 20.000-100.000 E,
Großstadt: >100.000E
• Heute gebräuchliche Größenkonventionen:
- Kleinstadt: 20.000-50.000 E, Mittelstadt: 50.000-250.000 E, Großstadt: >250.000 E
• Enger Zusammenhang mit dem juristisch-administrativen Stadtbegriff
➔ Stadtrecht wird nach bestimmten Kriterien verliehen
• Juristische Unterscheidung von Stadt & Land
- In DE: keine juristischen Unterschiede zwischen Stadt & Nichtstadt
- Aber Stadtrecht ist immer mit Privilegien für Gemeinde & Einwohner verbunden
- In anderen Ländern: z.B. China → strenge Zuzugsbestimmungen & -kontrollen
Historischer Stadtbegriff
• In Europa gelten Siedlungen als Städte, wenn sie im Laufe ihrer Geschichte mit mindestens
einer der folgenden Rechte ausgestattet wurde → Markt, Münze, Zoll, Bann
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, Humangeographie I
1.2 Stadttypen
Historisch – Ackerbürgerstadt, Bischofsstadt, Residenzstadt
Zentralität – Unterzentrum, Mittelzentrum, Oberzentrum, Großzentrum
Weltstadt/Global City – Sitz zentraler steuernde Funktionen innerhalb der Weltwirtschaft
1.3 Begriff der Stadtregion
Stadtregion:
Zentriertes Siedlungssystem
Stadtregion besteht aus Kernstadt & Pendlereinzugsbereich
Charakteristisch: gestufter Übergang von Stadt ins Umland
Stadtregionsmodell Metropolitan Statistical Area
Älteres Stadtregionsmodell nach Olaf Boustedt 1970
• Kernstadt: Verwaltungsgebiet der zentralen Stadtgemeinde
• Ergänzungsgebiet: Gemeinden, die in ihrer Struktur der Kernstadt ähneln
• Verstädterte Zone: aufgelockerte Siedlungsstruktur, hoher Pendleranteil
• Randzone: viel landwirtschaftlich genutzte Fläche, hoher Auspendleranteil
• Trabant: Entlastungssiedlungen
• Übergang: z.B. durch Zu- oder Abnahme an Verkehr
Charakteristika des Boustedtschen Modells
• Abgelöst von administrativen Stadtgrenzen
• Entwickelt, um Städte in ihrer funktionalen Verflechtung besser untersuchen zu können
• Merkmale zur statistischen Erfassung einer Stadtregion
➔ Einwohnerdichte, soziale Struktur, Stadt-Umland-Beziehungen
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, Humangeographie I
Konzept der Metropolitan Statistical Area
• Ab 1930 für den amtlichen Zensus in den USA
• Auslöser: Beobachtung des s.g. Urban Sprawl
• Ab 1983 statistische Festlegung der Metropolitan Statistical Areas
- Central Counties: Stadt oder Verstädtertes Gebiet mit mind. 50.000 E
- Outlying Countries: Umliegende verdichtete Zone mit mind. 50.000 E
- Consolidated Metropolitian Statistical Area: 1.000.000 E
• Central City: administratives Gebiet der Kernstadt
• Suburban Zone: suburbaner Raum
• Residential Suburbs: Wohnvororte mit hohen Auspendleranteilen
• Industrial Suburbs: Arbeitsvororte mit niedrigen Auspendleranteilen
• Urban Fringes: ausgedehnter aber noch städtisch besiedelter Rand
• Satellite City: Satellitenstadt, Trabantenstadt
• Exurbia: kleine, entfernte Gemeinde mit zunehmender Einwohnerzahl & großer Zahl
statushoher Auspendler in die Kernstadt
Agglomerationsbegriffe:
• Agglomerationsbegriffe basieren nicht auf einer zentrierten Siedlungshierarchie
• Agglomeration, Agglomerationsraum
- Ansammlung von Städten, die aneinander angrenzen & ein verstädtertes Gebiet bilden
- In DE: Oberzentrum mit mind. 300.000 E und/oder Bevölkerungsdichte von 300 E/km2
• Verdichtungsraum
- Mindesteinwohnerzahl: 150.000 E, Mindestfläche: 100km2, Dichte: 1.250 E+AP/km2
• Ballungsgebiet
- Großstädtischer Kern mit ca. 500.000 E in einem Gebiet von ca. 500 km2 mit
durchschnittlicher Bevölkerungsdichte von 1.000 E/km2
Stadtlandschaft, Metropolregion, Megalopolis:
• Wenig präzise Begriffe, die zusammengewachsene verstädterte Gebiete mit großer
Einwohnerzahl umfassen
• Entwicklung von verstädterten Landschaften, die mit herkömmlichen Städten nichts mehr zu
tun haben, aber auch nicht ländlich geprägt sind
• Beispiele: Tokio (33 Mio. E), London (12 Mio. E)
• Metropolregion
- Stadtregionen über 400.000 E
- Prozess angestoßen seit 1995 durch die MKRO
- Ziel: besser abgestimmte Planung über administrative Grenzen hinweg
- Beispiele: Metropolregion Nürnberg, Grenzüberschreitende Metropolregion Stettin
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, Humangeographie I
1.4 Verstädterung & Urbanisierung
Verstädterung:
Ausdehnung, Vermehrung & Vergrößerung der Städte eines Raumes nach Anzahl, Fläche &
Einwohnern → quantitative Dimension
Urbanisierung:
Ausbreitung städtischer Lebens- & Verhaltensweisen & daraus resultierender Prozesse &
Raumstrukturen → qualitative Dimension
Verstädterungsrate:
Zuwachs des Anteils der Stadtbevölkerung an einer Gesamtbevölkerung in einem definierten Raum
in Prozent (auf globaler Ebene 4%)
Verstädterungsgrad:
Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung in Prozent (weltweit 53%)
Modell der Bevölkerungs- & Beschäftigungsentwicklung in Agglomerationsräumen:
Urbanisierungsphase:
Bevölkerungswachstum in der Kernstadt, Verdichtung, Preise steigen, Lebensqualität sinkt
Suburbanisierung Phase:
Verlagerung von Bevölkerung & Nutzungen an den Stadtrand
Desurbanisierungsphase:
Großräumige Dekonzentration von Bevölkerung & Nutzung
Reurbanisierung Phase:
Rückkehr der Bevölkerung in die Stadt, Neunutzung & Aufwertung von Stadtquartieren
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