Geomorphologie
1. Grundlegendes
1.1 Aufgaben der Geomorphologie sowie Struktur- und Skulpturlandschaften
Definition der Geomorphologie:
Wissenschaft von Oberflächenformen der Erde und den Faktoren und Prozessen ihrer
Entstehung und Weiterbildung
Aufgabenfelder:
- Formen der Erdoberfläche, deren Entstehung / Alter / Lage / Aussehen /
Vergesellschaftung / Verbreitung / zeitliche Stellung / Wechselwirkung mit anderen
Ökosystemen
- Beschreibung und Analyse der reliefbildenden abiotischen Umwelt und
Rekonstruktion ihrer Entwicklung in der Vergangenheit
- Prognostizieren zukünftiger Reliefveränderungen
Entstehungsursachen von Oberflächenformen:
1. Strukturformen:
umfassen endogene, durch Vulkanismus und Erdbeben entstandene Formen und
Reliefformen, bei denen die Morphodynamik vorgegebene
Gesteinslagerungen und – artenverhältnisse nachzeichnen
Prototyp: Falten- und Kettengebirge, Härtlinge und Vulkanbauten
2. Skulpturformen:
entstehen durch exogene Reliefformungen weitgehend unabhängig von der
Krustenbeschaffenheit
Prototyp: Rumpffläche, Talmäander, … Großformen
Flussterrassen, Rinnen, … Kleinformen als Sekundärreliefe
Differenzierungen innerhalb der Geomorphologie:
Je nach dominierendem Einflussfaktor der Formung…
- Strukturgeomorphologie (EF: geologische Struktur)
- klimagenetische Geomorphologie (EF: Klima)
- Prozessgeomorphologie (EF: wichtige Prozesse, wie fluviale oder litorale Prozesse)
Notwendig für die Geomorphologie: Kenntnisse in der allg. und hist. Geologie !
,Das Georelief:
Oberflächenformen entstehen durch dynamische Vorgänge unterschiedlicher Zeitdauer
Oberflächenformen sind das Ergebnis von Erosions- oder Akkumulationsprozessen
- es wird von langsam ablaufenden und weit verbreiteten Prozessen gestaltet
→ low magnitude / high frequency events
- es wird von extrem dynamischen Einzelereignissen geprägt
→ high magnitude / low frequency events
Erosionsformen: im älteren Untergrund
→ erschwerte Rekonstruktion ihres Prozessmilieus und ihre Altersdatierung
Akkumulationsformen: resultieren aus einer Anhäufung von Sedimenten
→ Sedimentfazien liefern Informationen über das Sedimentmilieu und den
Sedimentprozess
→ durch in den Sedimenten begrabene datierbare Materialien ist eine genauere
Altersbestimmung des Akkumulationsprozess und der daraus folgenden
Akkumulationsformen möglich
1.2 Geologische Zeitskala, geologische Karten und Profile
→ Geologische Zeittafel
,→ Schichtstufen und Schichtkämme
→ Stufenbildner im Keuper und Jura Mainfrankens
, 1.3 Relative und numerische (absolute) Datierungsverfahren
Geochronologische Datierungsverfahren:
- relative/abhängige oder numerische/unabhängige Altersbestimmungsmethode
- relative Alter: Einordnung in „jünger als …“ oder „älter als …“
- numerische Alter: absolutes Datum (Kalenderjahre vor heute oder C14-Jahre BP)
Relative Datierungsverfahren:
Methode Datierbares Material
Lithostratigraphie Altersbeziehung über Schichten:
→ jüngere Schicht über ältere Schicht
→ ähnliche lithologische Ausbildung = ähnliches Alter
Biostratigraphie fossile Floren und Faunen
Morphostratigraphie Altersbeziehung über Formen und Morphologie
Pedostratigraphie Altersbeziehung über Böden
Paläomagnetik Materialien mit stabiler magnetischer Remanenz
Aminosäure-Racemisierung Mollusken
Sauerstoffisotopenstufen kalkschalige Organismen
Numerische Datierungsverfahren:
Methode Datierbares Material
Radiometrische Datierungsmethoden
Radiokarbon (C14) kohlenstoffhaltige organische Materialien
Uranreihen kalkschalige Organismen
Kalium/Argon, Argon/Argon kaliumhaltige magmatische Minerale
kosmogene Nuklide Moränenblöcke, Fels, Sedimente
Strahlendosimetrische Datierungsmethode
optische und thermische Keramik, Ton, Feuerstein, Schlacken, Vulkanite,
Lumineszenz Flugsande, Strandsande, Löß
Elektronen-Spin-Resonanz Korallen, aragonitische Mollusken, Zähne, Quarze
Sonstige
Dendrochronologie Wuchsalter von Bäumen (v.a. Eichen, Kiefern)
Varvenchronologie Jahresschichtung aufweisender Seesedimente