Sommersemester 2023
Seminar: Pathosszenen (Literatur, Theater Medien)
Dozentin: Prof. Dr. Linda Simonis
Die Funktion von weiblichen Pathosszenen in Shakespeares
Tragödien
Eine Studie zu den Figuren „Ophelia“, „Lady Macbeth” und
“Desdemona“
Datum: 25.08.2023
2-Fach B.A. AVL/ Anglistik/Amerikanistik
5.Semester
Matrikelnr.:108021102646
E-Mail:
1
,Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Emotion, Sprache und Geschlecht im elisabethanischen England 3
3. Ophelia 6
4. Lady Macbeth 10
5. Desdemona 14
6. Schlussbetrachtung 19
7. Literaturverzeichnis 20
8. Eigenständigkeitserklärung 21
2
, 1. Einleitung
Pathos drückt sich durch Zeichen aus, die auf das mentale Innenleben einer Person Rückschlüsse
ziehen lassen. Durch die Jahrhunderte wird es unterschiedlich definiert, bewertet und
instrumentalisiert. Diese Auseinandersetzung fand eine ihrer Höhepunkte zu Shakespeares
Schaffenszeit, welche in die Epoche der Renaissance fällt. Unter anderem wird das antike
Verständnis des Pathos diskutiert und sein Verhältnis zum Vernunftsbegriff. Auch in Shakespeares
Tragödien scheint sich diese Inkongruenz zwischen Meinungen widerzuspiegeln. Die Hauptträger
von Pathos in Shakespeares Dramen sind Frauen; diejenigen, die in der frühmodernen englischen
Gesellschaft als emotional labil angesehen wurden. Der öffentliche Diskurs und der Versuch
Shakespeares sein eigenes Pathosverständnis zu entwickeln, findet in den Pathosszenen seiner
Frauenfiguren Ausdruck. Besonders in seinen Tragödien finden wir Pathosszenen, die dies
veranschaulichen.
In dieser Arbeit werde ich mich auf drei Frauenfiguren und deren zentrale Pathosszenen
fokussieren: Ophelia aus Hamlet, Lady Macbeth aus Macbeth und Desdemona aus Othello. An
allen drei Figuren entwirft Shakespeare ein vielseitiges Pathosbild, welches ich nach der Funktion
des Pathos analysieren und skizzieren möchte. Dafür werde ich zuerst den Zusammenhang
zwischen Pathos, Sprache und Geschlecht im elisabethanischen Kontext bestimmen. Danach folgt
eine Analyse der relevanten Pathosszenen der drei erwähnten Frauenfiguren, in welcher ich
darüber hinaus Unterschiede und Gemeinsamkeiten fortlaufend formulieren werde.
2. Emotion, Sprache und Geschlecht im elisabethanischen England
Das Verhalten von Frauen wurde im elisabethanischen England durch öffentliche und vor allem
männliche Diskussionen des Humanismus bestimmt. Angelehnt an das Frauenbild im
Christentum und in diversen antiken Texten1, wurden in der Renaissance diese Auffassungen
aufgegriffen und rezipiert, indem sie entweder miteinander verbunden oder erweitert wurden.2
Zwei Ideologien die besonders prägend waren, sind einmal die Hebräisch- Christliche, welche
Eva mit dem Sündenfall der Menschheit beschuldigt, und die galenisch-Aristotelische, die die
Physiologie der Frau mit einer „Frauennatur“ versucht zu erklären und zu verallgemeinern.3 Diese
Texte bilden die Basis der folgenden Abhandlungen und Kommentare, sowie anderer literarischen
Darstellungen der Frau. Angefangen bei der Physiologie eines Frauenkörpers, machte sich die
Auffassung breit, dass der Frauenkörper das konstituiere, wovon der Männerkörper sich mithilfe
1
Aus: Caferro, William: Contesting the Renaissance. O.O.: John Wiley & Sons, Ltd. 2011, S.64.
Caferro erwähnt Aristoteles Poltitk, Platons Timaeus, sowie Texte von Xenophon und Plutarch. Außerdem
betont er die Relevanz von der beschränkten Zugänglichkeit zu antiken Texten bis in die Renaissance
hinein, die unter anderem für die Dominanz dieser Texte und ihrer Ideen verantwortlich war.
2
Vgl. Ebd.
3
Vgl. Aughterson, Kate: Renaissance woman: a sourcebook: constructions of femininity in England.
London, New York: Routledge 2003, S.41.
3