Im Laufe des Lebens wird jeder Mensch vor Entscheidungen gestellt. Dabei fällt es den
meisten nicht immer leicht, sich für eine Seite zu entscheiden. Letztendlich tragen zu
solch einem Urteil viele Faktoren, wie zum Beispiel Emotionen bei. Doch diese sind nicht
immer hilfreich. Vor so einer Entscheidung steht auch die Englische Königin Elisabeth I. in
dem zehnten Auftritt des vierten Aufzugs des klassischen Dramas „Maria Stuart“ von
Friedrich Schiller. Das Trauerspiel, welches erstmals 1800 in Weimar aufgeführt wurde,
besteht aus insgesamt fünf Aufzügen und ist an wahre Begebenheiten angelehnt. Die
Tragödie handelt von der schottischen Königin Maria Stuart, welche aus ihrem Land
iehen musste und nun bei ihrer Cousine Elisabeth um Hilfe sucht. Da Maria jedoch selbst
Ansprüche auf den englischen Thron hat, lässt Elisabeth die schottische Königin
festnehmen und hält sie in dem Schloss von Fotheringhay gefangen.
Im ersten Aufzug des klassischen Dramas ist Maria eingesperrt und wünscht ein Tre en
mit Elisabeth, nachdem sie erfahren hat, dass sich das Gericht aufgrund unterschiedlicher
Anklagen, wie zum Beispiel der Anzettelung des Bürgerkrieges oder dem Königsmord, auf
ein Todesurteil geeinigt hat. Es liegt nun an Elisabeth, die Hinrichtung auszuführen, in dem
sie das Urteil unterschreibt. Im zweiten Akt der Tragödie wird Elisabeth von ihrem Berater
Leicester zu einem Tre en mit der schottischen Königin überredet, welches letztendlich
den Höhepunkt des Werkes darstellt. Dieses Tre en zwischen den beiden Cousinen bringt
allerdings anstatt der erho ten Versöhnung, die endgültige Entzweiung der Königinnen.
Im Vierten Akt wird Elisabeth immer wieder dazu gedrängt, dass Todesurteil Marias zu
unterschreiben. Die zu interpretierende Szene setzt an dieser Stelle an und stellt den
entscheidenden Monolog Elisabeths dar, in welchem sie über die Hinrichtung Marias
urteilt. Der Auftritt spielt in einem Vorzimmer des Palasts zu Westminster und lässt sich
grundlegend in vier Sinnesabschnitte einteilen, in denen Elisabeth unter anderem über
ihre Abhängigkeit vom Volk und ihre umstrittene Abstammung klagt und schlussendlich
über das Urteil Marias entscheidet.
Der erste Sinnabschnitt (V. 1-10) beginnt zunächst mit dem Ausruf „O Sklaverei des
Volksdienst“ (V. 1), welcher bereits auf das persönliche Emp nden der englischen Königin
hinweist. Elisabeth ist erschöpft und drückt mittels des Ausrufs aus, wie belastend sie das
Amt der Königin und die P icht, dem Volk zu gefallen und zu dienen ndet. Außerdem
bezeichnet Elisabeth ihre Herrschaft als „schmähliche Knechtschaft“ (V. 1f.), was ihr eben
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, genanntes Emp nden verdeutlicht. Zudem gibt die englische Königin zu, dass sie ihr Volk
im Inneren verachtet (Vgl. V. 3), was erneut darstellt wie unzufrieden sie mit ihren
Aufgaben ist. Im weiteren Verlauf klagt Elisabeth über ihre Abhängigkeit vom englischen
Volk. So muss sie immer die Meinung des Volkes beachten und ihre eigenen Interessen
stets vernachlässigen. Hierbei macht Elisabeth deutlich, dass sie nur dadurch den
Rückhalt ihrer Bevölkerung gewinnen kann. Mit der Inversion „einem Pöbel muß ich’s /
Recht machen“ (V. 6f.), verdeutlich sie dies erneut. Der Begri „Pöbel“ der dabei
verwendet wird, bezeichnet hierbei einen ungebildeten und gewaltbereiten Mensch aus
einer sozialen Unterschicht. So muss Elisabeth auch diesen Menschen dienen und deren
Wünsche über ihre stellen. Mit der Personi kation „der Welt gefallen“ (V. 8f.) wird erneut
der Druck des Volkes, unter dem Elisabeth steht deutlich. Die Englische Königin fühlt sich
vom Volk bedrängt, welches ein Urteil über Maria fordert. Somit be ndet sich Elisabeth in
einem Zwiespalt zwischen dem eigenen Emp nden und den Forderungen des Volkes.
Der zweite Sinnabschnitt (V. 11-22) beginnt mit der rhetorischen Frage „Warum hab ich
Gerechtigkeit geübt“ (V. 11), welche eine Charaktereigenschaft ihrer Person o enbart.
Elisabeth stellt sich die Frage warum sie bis jetzt immer untertänig und gerecht regierte,
was zeigt, dass die Gerechtigkeit eine große Rolle in ihrem Leben spielt, anders als die
„Willkür“ (V.12). Dies verdeutlicht, dass sich die Königin stets gegen Machtmissbrauch
stellte und bisher immer Rücksicht auf andere genommen hatte. Sie macht, wie auch im
ersten Abschnitt, deutlich, dass ihr die Wünsche und Ziele anderer wichtiger sind als ihre.
Jedoch fesselt diese, eigentlich positive, Eigenschaft jetzt ihre Hände (Vgl. V. 14),
aufgrund der Tatsache, dass sie nun solch eine willkürliche Entscheidung tre en muss.
Schließlich würde nur die Hinrichtung Marias die Zweifel an Elisabeths Thronanspruch
stoppen. In den darau olgenden Versen vergleicht sie sich mit Maria Tudor, welche die
englische und irische Königin von 1553-1558 war. Wäre sie so „tyrannisch“ (V.16) wie
diese, könnte sie Maria auch ohne schlechtes Gewissen hinrichten lassen. In der
anschließenden rhetorischen Frage zweifelt Elisabeth jedoch, ob die Charaktereigenschaft
der Gerechtigkeit wirklich ihr selbst zu verdanken sei (Vgl. V. 19f.). Schließlich kommt sie
zu dem Entschluss, dass auch sie sich dem freien Willen der Herrschenden unterordnen
muss, um den Frieden in ihrem Land zu wahren.
Elisabeth fährt ihren Monolog fort, in dem sie zugibt, dass sie von Feinden umgeben ist,
welche sie vernichten wollen. Darunter zählt sie den „röm`sche[n] Papst“ (V. 27), welcher
als Symbol für die katholische Kirche gedeutet werden kann. Außerdem erwähnt sie
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