Die Methode
Zusammenfassung des Romans
Der Roman „Corpus Delicti – Ein Prozess“ von Juli Zeh beschreibt das
Leben in einem Überwachungsstaat, in dem die Gesundheit oberste
Priorität hat.
Mia Holls Bruder begeht Suizid, nachdem er der Vergewaltigung und Mord
an Sybille bezichtigt wird. Er stritt dies vehement ab, ihm wurde jedoch
nicht geglaubt. Mia trauert um ihren Bruder, der zugleich ihr engster
Vertrauter war. Sie ist von der Unschuld ihres Bruders überzeugt und
macht es sich zur Aufgabe seine Unschuld zu beweisen. Bewegt von der
Trauer zu Moritz, lässt sie ihr Leben und die damit verbundenen
Verpflichtungen schleifen, wodurch sie die Aufmerksamkeit des Staates
auf sich zieht. Sie wird zu Gericht gebeten und kommt mit einer
Ermahnung und der Bitte, sich zu bessern, wieder frei. In ihrer Versuchung
Moritz Unschuld zu beweisen, befasst sie sich immer stärker mit der
Methode und ihren Schattenseiten. Dies resultiert darin, dass Mia sich
nicht weiter ihr unterwerfen möchte und zur Gegnerin der Methode wird.
Sie wird schlussendlich wegen methodenfeindlicher Umtriebe zum
Einfrieren verurteilt.
Der Begriff „Gesundheit“
Die WHO (=World Health Organization, Weltgesundheitsorganisation), eine
Sonderorganisation der UNO, ist für das Koordinieren des
Gesundheitswesens verantwortlich. Den Begriff Gesundheit definiert die
WHO folgendermaßen:
„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und
sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder
Gebrechen. Das Erreichen des höchstmöglichen Gesundheitsniveaus ist
eines der Grundrechte jedes Menschen, ohne Unterschied der ethnischen
Zugehörigkeit, Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen
oder sozialen Stellung.“
Daraus ergibt sich, dass Gesundheit eine positive und multidimensionale
Assoziation erfahren hat und immer noch erfährt. Für die Gesellschaft hat
Wohlbefinden und das Streben danach eine hohe Priorität. Gesundheit
umfasst hier jedoch mehrere Aspekte, körperliche, seelisch-geistige als
auch soziale Aspekte. Wobei die psychische Verfassung und
Gesundheitsstand zum physischen Stand gleichgestellt ist.
Gesundheit ist ein dynamisches Stadium mit einem Regulierungspotenzial,
d.h. es balanciert sich aus.
Ein gesundheitsbewusstes Leben erfordert politische, kulturelle,
ökonomische und sozialökonomische Grundvoraussetzungen und ist als
Menschenrecht gesichert. Die Erhaltung und Sicherung erfordert staatliche
und weltgesellschaftliche Bemühen.
Die Ansichten der WHO von Gesundheit und somit deren Definition wird
von Kritikern als „unerreichbarer utopischer und staatlicher Zustand“
, bemängelt. Das System sei nicht flexibel genug, um den hohen
Erwartungen zu entsprechen.
Die Methode stützt sich auf Gesundheit als oberste Priorität und hat diese
zum Staatsziel gemacht. Die Definition der Gesundheit aus Sicht der
Methode ergibt sich aus dem Vorwort des Romans, welches aus Heinrich
Kramers „Gesundheit als Prinzip staatlicher Legitimation“ stammt:
„Der Zustand des vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen
Wohlbefindens ist als Gesundheit definiert. Es gibt einen störungsfreien
Lebensfluss, geistige und körperliche Harmonie, sowie eine ungehinderte
Entfaltung der Energie. Gesundheit ermöglicht dem Menschen
leistungsfähig und stabil zu sein, eine Vollendung des Einzelnen und
dadurch gesellschaftliches Zusammensein zu schaffen. Es ist Ziel des
natürlichen Lebenswillens und Ziel von Gesellschaft, Recht und Politik.“
Auch hier haben Gesundheit und körperliche Unversehrtheit oberste
Priorität, diese werden jedoch durch Einschränkungen garantiert, welche
das Leben der Menschen stark einschneiden. Es gibt Maßnahmen zur
Förderung von Hygiene und Gesundheit, beispielsweise müssen die
Menschen in der Öffentlichkeit Mundschutz tragen und bekommen einen
implantierten Chip in den Oberarm, welcher medizinische Daten
kontrollieren soll. Der Konsum von Rauschmitteln wie Alkohol, Nikotin, etc.
ist strafbar.
Die vielen Einschränkungen führen zwangsläufig zu Problemen. Es
geschieht eine Zerstörung des Immunsystems durch die übertriebenen
Präventionsmaßnahmen, sodass es den Menschen nahezu unmöglich wird
sich von der Methode abzuwenden. Das würde darin resultieren, dass
diese sehr leicht erkranken, was schlimme Folgen mit sich bringen könnte.
Auch werden die Menschen vom Staat extrem kontrolliert, sie haben
Vorschriften für die meisten Bereiche ihres Lebens, so etwa wieviel Sport,
Essen, etc. sie konsumieren dürfen.
Eine Bewertung des Einzelnen auf Grundlage seiner medizinischen Daten
ist normal, so hat beispielsweise eine Krankheit großen Einfluss auf den
sozialen Status.
Die Gleichsetzung von persönlichem und allgemeinem Wohl führt dazu,
dass viele ihr Leben so einschränken, dass es nicht mit den Wünschen und
Vorstellungen der anderen kollidiert. Das ist zuerst einmal löblich, jedoch
ist das Resultat ein wahnsinnig beschränktes, vernunftorientiertes Leben,
welches die Lebensqualität stark beeinträchtigt.
Bei der Gesellschaft herrscht eine übertriebene Angst vor Krankheit, durch
die vom Staat als schlimm propagierte Krankheit. Bei den Menschen gibt
es dadurch allerdings ein Verlust der Lebensfreude.
Gesundheit wird vom Staat als wichtig angepriesen und führt dazu, dass
es Normalität geworden ist nicht mehr krank zu sein. Laut dem Staat ist
Gesundheit ebenfalls eine Willenssache, bedeutet, dass wenn man krank
ist, man sich nicht genügend angestrengt hat. Es ist eine moralische
Schwäche und ein Abweichen von der Norm, wobei dies als staatsfeindlich
gilt.