I. LB1: Industrialisierung und
Soziale Frage
Begriffe: Industrielle Revolution,
Industrialisierung
Parallel zu den großen Revolutionen am Beginn der Moderne vollzog sich
der Prozess der Industrialisierung
Unter Industrialisierung versteht man den technischen, wirtschaftlichen und
sozialen Wachstumsprozess, der die agrarisch geprägte Gesellschaft
(vorindustrielle Welt) binnen weniger Jahrzehnte zur Industriegesellschaft
wandelte und bis in die Gegenwart wirksam ist
Er begann Mitte des 18. Jahrhunderts in England, griff im Anfang 19.
Jahrhundert auf den westlichen Teil des europ. Kontinents über, in der
2.Hälfte d. 19.Jh. Osteuropas und Japan und entwickelte sich im 20. Jh.
weltweit
In Geschichtswissenschaft nicht einheitlich verwendet, da manchen
Historikern für die Charakterisierung dieser gesellschaftlichen/ökonomischen
Modernisierung zu schwach scheint → bevorzugen “Industrielle Revolution”
“Ind. Rev.” geprägt von Arnold Toynbee, bezeichnet die Anschubphase
eines tief greifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Wandlungsprozesses (mechansiche Webstühle, Dampfschiffe, Kohle-und
Eisentechnologie = erste Ind. rev.;
Chemie/Elektroindustrie/Verbrennungsmotor zweite ind. Rev.)
Warum Europa:
Gregory Clark: evolutionäre bürgerliche Gene vererbt
Kenneth Pomeranz: geographischer Vorteil
Paul Kennedy: Mentalität d. Bevölkerung, Aufklärung/Humanismus
I. LB1: Industrialisierung und Soziale Frage 1
, günstige Umstände kommen zusammen
Voraussetzungen der Industrialisierung
Als Voraussetzungen für die Industrialisierung gelten:
Agrarrevolution: Wandel von der Dreifelder- zur Fruchtwechselwirtschaft,
die gezielte Flurbereinigung, verbesserte Kultivierungstechniken (z.B.
Kunstdünger) führten zur Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge
Der Bevölkerungsanstieg seit dem 17. Jh. stellte ausreichend Arbeitskräfte
zur Verfügung
→ Die gesteigerte Nachfrage an Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern
forderte eine
Mehrproduktion
Erfindungen führten zu wissenschaftlich-technischen Neuerungen
(Dampfmaschine; Spinning Jenny)
Rohstoffe (Kohle/Eisenerz) waren ausreichend vorhanden
Kapital für Investitionen war verfügbar
Märkte frei zugänglich
Gewerbefreiheit
Ideen der Aufklärung (Freiheit, Selbstentfaltung, Recht auf Eigentum,
Wirtschaftsliberalismus) → geistige Voraussetzungen
Interdependenz von Bevölkerungsexplosion und Agrarrevolution →
beeinflusst die Auffassung von den Aufgaben der Politik, führt zu neuer
Wirtschaftsordnung, fördert Mobilität
Merkmale der Industrialisierung
erhebliches, dauerhaftes (schwankendes, unterbrochenes) Wachstum des
Sozialproduktes
Anstieg Investitionsquote
Technisch-organisierte Neuerungen
Einsatz Arbeits/Energieerzeugungsmaschinen
Massenproduktion (statt Handarbeit)
Arbeitsteilung, Spezialisierung
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