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Die römische Satire
-einzige Gattung der Literatur in der man nicht auf griechische Vorbilder zurückgreifen
konnte => Sonderstellung
-Horaz führt die Satire auf die Alte Komödie der Griechen zurück -> Widerspruch Quintilian: „
satura quidem tota nostra est“
-> Satire ist die Erfindung der Römer (enorme Bedeutung für Römer, da sie sich den Griechen
immer kulturell unterlegen gefühlt haben)
-Begriff geht auf satura lanx zurück (Schale mit gemischten Früchten -> Satire ist bunt
gemischt)
Form und Inhalt
-die ersten Satiren hatten keine formalen Vorgaben und waren Texte mit vers. Versmaßen
und Inhalten
-einheitliche Linie wird durch Gaius Lucilius eingeführt -> pädagogisch-ethisches Ziel
verbunden mit übertriebener Kritik, die durch einen lustigen Ton abgeschwächt wird
-> Erträglichmachen für den Leser, bevorzugt Hexameter
-wichtigste Themen: menschliche Unarten und Schwächen
-charakteristisch ist eine pädagogische Grundhaltung
-Menippeische Satiren von Marcus Terentius Varro -> verschafft dem Prosimetrum (Wechsel
Prosa und Vers) eine Stellung in der römischen Literatur
-ist zurückzuführen auf den Griechen Menippos (Anhänger der Kyniker, Spott über
die Lehren der Philosophie und die Sitten seiner Zeit)
-römische Satire beschränkt sich im eigentlichen Sinne auf Horaz, Persius, Juvenal
-satirische Elemente sind aber auch bei Schriftstellern wie Petron oder Martial erkennbar
1. Petron: Trimalchio- ein Neureicher im Visier eines Satirikers
-Petron: Zeitgenosse Senecas
-von Nero an den Hof geholt nachdem Seneca sich aus der Erziehung Neros zurückzog
-epikureisch eingestellt
-am Hof als arbiter elegantiae (Schiedsrichter des feinen Geschmacks)
-> Stilberater
-> Ausarbeitung eines feinen Luxus am Hof, der z.B. bei Feste zur Schau getragen wurde
-Intrigen seines Rivalen (Beschuldigt Teil der Pisonischen Verschwörung gewesen zu sein)->
fiel in Ungnade -> Trieb zum Selbstmord
-Verfasser des ersten lateinischen Romans (Satyrica)
Werk: Satyricon (nur in Teilen erhalten)
-satirische Darstellung der gesellschaftlichen Sitten zur Zeit Neros
-Cena Trimalchionis als längstes erhaltenes Stück
-> kurioses Gastmahl bei einem neureichen Freigelassenen namens Trimalchio
-durch Trimalchios großen Luxus und sein Auftreten in der cena
-> Kritik am Luxusleben der Oberschicht
Gattungsproblem
-Gattung: fragmentarischer Zustand -> Urteil unsicher
, -> Gesamtcharakter: Roman
-> Romanparodie durch Hauptperson und Handlungsaufbau
(Parodie des pathetisch hellenistischen Liebesromans: Enkolp und Askylt als homosexuelles
Paar im Mittelpunkt -> Kritik an dem Ideal der Frau-Mann Beziehung)
-> Einfluss durch das Epos: Satyrica als Parodie des Epos (insbesondere Odysee)
-> Einfluss durch Menippische Satire (Mischung Prosa und Vers)
-> Titel spielt auf Satire an
-durch Titel und Gattung war das Werk (besonders die „cena“) für die Römer in der Nähe der
Satire anzusiedeln
-> röm. Vorstellung von Satire: Spiegel des Lebens, Gefäß mit buntgemischtem Inhalt und
gelungener Verusch von redem dicere verum
-entspricht nicht ganz der heutigen Vorstellung von Satire (will humorvoll kritisieren und
belehren)
Inhalt
-Encolp und Giton erlben zusammen und auch getrennt Abenteuer
-Encolp: junger Student, Ich-Erzähler
-Giton: Encolps Lustknabe
-Ascyltos: junger Student, Encolps Begleiter
-Agamemnon: Rhetoriklehrer, Gast bei Trimalchio
-Trimalchio: neureicher Römer, einfältiger Emporkömmling, prahlt mit Besitz
-Fortunata: Trimalchios Gattin
Gäste an Trimalchios Tafel: Ganymedes (Klage über Teuerung), Dama, Echion (Rede über
panem et circenses), Phileros und Seleucus (Leichenreden), Niceros (Werwolf-Geschichte)
Handlung
-Teil 1: Abenteuer des Encolp, Giton und Ascyltos: Encolp und Ascyltos im Bordell, Gaunerei
auf dem Markt, erotische Beziehungen mit Anhängerinnen des Fruchbarkeitsgottes Priapus
-Teil 2: Cena Trimalchionis: Reden der Freigelassenen, Reden Trimalchios, Trimalchios
Generalprobe seines eigenen Begräbnisses
-Teil 3: Erlebnisse des Encolp, Giton und Eumolp: Trennung Encolp und Ascyltos,
Bekannschaft mit Eumolp
Cena Trimalchio
- Trimalchio als Gastgeber der „Cena Trimalchionis“
-geprägt von skurrilen Reden von Trimalchio und den Gästen (z.B. Leichenrede Phileros ->
Anschein erst Lobrede, dann lässt er sich über den Toten aus)
-Darstellung der Verschwendungssucht und dem enormen Reichtum des Trimalchio
-> gezeigt durch z.B. lässt sich mit musik. Begleitung und teurem Schmuck ins Triclinium
bringen
-> Oder Ausschenken eines angeblich 100 jährigen Weines -> Zeigen der fehlenden Bildung,
Gäste waschen sich damit auch die Hände -> Verschwendung
-Szenen in der Eingangshalle mit seinem Werdegang -> Stolz auf Werdegang und soz.
Aufstieg
-prahlt immer wieder mit seiner Intelligenz/Fachwissen -> besitzt 3 Bibliotheken und hat die
Wissenschaften studiert
-geringe Bildung: fehlerhaftes Vulgärlatein, falsches Zitieren griechischer Mythen
-> spricht von Dädalus, der Niobe, der sich ins Trojanische Pferd eingeschlossen haben soll