Hinweis: Die verwendeten Versangaben beziehen sich auf folgende Quelle:
Goethe, J. W. (2020). Iphigenie auf Tauris. Braunschweig: Westermann Schroedel
Diesterweg Schöningh Winklers GmbH.
Basissatz:
Das der Weimarer Klassik zuzuordnende Drama „Iphigenie auf Tauris“, von Johann
Wolfgang Goethe, ist am 13. Januar 1787 erschienen und handelt von der Idee der
Humanität, welche durch die Entwicklung der Protagonistin, Iphigenie, hin zu einer
autonomen Figur veranschaulicht wird. Iphigenie setzt auf die Kraft von Wahrheit und
Humanität, die aus der Vereinigung von Pflicht und Neigung resultiert.
Zu analysieren gilt der vierte Aufritt des vierten Aufzugs, welcher die zentrale
Auseinandersetzung zwischen Iphigenie und Pylades über die moralische Rechtfertigung
des Betrugs an Thoas darstellt. Aufgrund seiner Gastfreundschaft fühlt sich Iphigenie zu
Treue und somit auch zu Wahrheit geneigt. Andererseits sieht sie es in ihrer Pflicht, Freunde
und Familie aus einer lebensbedrohlichen Lage zu retten.
Es folgt die Erschließung der vorliegenden Textstelle unter besonderer Berücksichtigung des
Gesprächsverhaltens der beiden Hauptfiguren.
Zunächst werden Inhalt und Aufbau der Textstelle beschrieben.
Sinnabschnitte:
1. (V.1532 - V.1559): Pylades trägt Iphigenie die Botschaft über die Heilung des Bruders,
den Fund der Mitreisenden zusammen mit dem Boot und günstigen Abfahrtbedingungen
vor.
2. (V.1560 - V.1570): Er drängt zum schnellen Aufbruch, wobei er ihr Zögern bemerkt.
3. (V.1571 - V.1590): Iphigenie begründet, warum sie Arkas nicht anlügen wollte, mit ihrem
Bedürfnis die Wahrheit zu sagen. Deswegen fühlt sie sich nun, zu Pylades Verärgerung,
dazu verpflichtet auf Arkas Bericht über die Entscheidung des Königs zu warten.
4. (V.1591- V.1618): Pylades gibt ihr neue Vorgaben zur Umsetzung der Flucht.
5. (V.1619 – V.1688): Da Iphigenie immer noch Zweifel hat, liefert Pylades ihr fünf
Argumente, warum ihr Handeln nicht moralisch verwerflich wäre. Sie beruft sich hingegen
nur auf ihr Gefühl und Gewissen als letzte Instanz.
5 Argumente für den Betrug an Thoas (In Inhaltsangabe erwähnen):
1. Thoas will Iphigenies Bruder umbringen → Thoas will nichts Gutes → sie könnte ihm
durch Betrug/Flucht entkommen
2. Die Not rechtfertigt den Betrug (selbst vor den Göttern) → kein Undank
3. „Eine“ Lüge ist nicht so schlimm → Fehler sind menschlich und schuldloses Handeln ist
unmöglich (Verweis auf Realität)
4. Freunde/Familie ist wichtiger (sie kann sich, den Bruder und einen Freund retten)
Sie wäre schuld, falls sie sterben (Falls Pylades und Orest sterben, wäre der Vorwurf an
Iphigenie größer als durch den Betrug) → Lüge ist einzige Option, um keine schlimmen
Schuldgefühle zu haben