Die Kurzgeschichte „Die neuen Schuhe“ von Dimitre Dinev aus dem
Jahr 2005 thematisiert die Flucht einer jungen Frau vor einer
Zwangsheirat und ihren Lebensumständen in Armut. Dabei werden
nicht nur ihre Angst und Unsicherheit, sondern auch ihre vage
Hoffnung auf ein besseres Leben eindringlich dargestellt. Die neuen
Schuhe stehen für den Traum von einer aussichtsreichen Zukunft,
aber gleichzeitig offenbaren sie die schmerzhaften Opfer, die mit dem
Entkommen verbunden sind.
Bevor die Zwangsheirat vollzogen werden kann, flieht die
Protagonistin gemeinsam mit ihrem Cousin Ali nach Istanbul. Um
einen Menschenhändler bezahlen zu können, verkaufen sie zunächst
den Familienschmuck, doch der Erlös reicht nicht aus. Deshalb
verschwindet Ali für zwei Wochen und kehrt mit dem benötigten
Geld, aber dem Verlust einer Niere zurück. Infolgedessen kann seine
Cousine schließlich auf der Ladefläche eines Lastwagens fliehen und
Wien erreichen.
Die Geschichte wird von einem personalen Erzähler vermittelt, der
die Perspektive des Mädchens einnimmt. Im Mittelpunkt steht die
Flucht der jungen Frau, ergänzt durch die Rolle Alis, der sich
uneigennützig für sie opfert. Wichtige Wendepunkte der
Kurzgeschichte sind der Aufbruch, der Verkauf von Alis Niere, die
Trennung der Protagonistin von ihrem Cousin und ihre Ankunft in
Wien. Die Handlung wird zeitraffend in der Vergangenheit erzählt.
Gespräche zwischen den Personen sind selten, vielmehr dominieren
die inneren Monologe und Reflexionen der Hauptfigur. Der Titel
symbolisiert Hoffnung und Neubeginn, steht jedoch im Kontrast zur
harten Realität.
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