Frühjahr 2026
Inhaltsverzeichnis
1.Zweitspracherwerb ................................................................................................................................ 2
2.Mehrsprachigkeit .................................................................................................................................. 5
3.Interkulturelle/Transkulturelle Bildung ................................................................................................... 8
4.Fehleranalyse ...................................................................................................................................... 12
5.Sprachstandserhebung ....................................................................................................................... 16
6.Sprachsystem und Sprachgebrauch ..................................................................................................... 22
7.Wortschatz .......................................................................................................................................... 25
8.Schriftspracherwerb ............................................................................................................................ 30
9.Sprechen ............................................................................................................................................. 35
10.Hören, Hörverstehen ......................................................................................................................... 39
11.Grammatik ........................................................................................................................................ 43
12.Schreiben .......................................................................................................................................... 48
13.Lesen ................................................................................................................................................ 54
14.Texte und Medien ............................................................................................................................. 63
15.Lehrwerke ......................................................................................................................................... 76
16.Theorie und Praxis im DaZ-Unterricht ................................................................................................ 77
1
, 1.Zweitspracherwerb
nach L1 gelernt, min. das 3. Lebensjahr beendet, befindet sich im Land der Zielsprache, eher
ungesteuert (Boysen 2022) à Früher L2-Erwerb
Erstspracherwerb
Dittmann (2012):
Von-außen-nach-innen (outside-in) = Von-innen-nach-außen (inside-out) =
Sprachstrukturen existieren in der Umwelt angeborene sprachspezifische Fähigkeiten
z.B. Piaget & Bruner z.B. Chomsky
4 Spracherwerbstheorien
1. Behaviorismus (Skinner 1957): Reiz-Reaktions-Prozesse
2. Nativistischer Ansatz/Reifungstheorie (Chomsky 1957): angeborene Strukturen als wesentliche
Triebfelder, angeborener Spracherwerbsmechanismus LAD = Universalgrammatik, Input (Umwelt)
spielt geringe Rolle, anlagebedingte Reifung à Phasenmodelle
3. Kognitive Theorie (Piaget 1972): sprachliche Entwicklung à Folge kognitive Entwicklung, Kind =
aktiv handelndes Individuum à Selbstkonstruktion
4. Interaktionistische Theorien (Bruner, Tomasello): Kind & Umwelt sind Teilsysteme, die wechselseitig
aufeinander einwirken
Erklärungshypothesen
Kontrastivhypothese (Lado 1957 & Identitätshypothese (Dulay/Burt 1974)
Richards 1974) - Erstsprachl. Vorwissen ist für L2-Erwerb nicht
- Kenntnisse in L1 prägen L2- relevant à folgen denselben Prinzipien à
Erwerb entscheidend und Entwicklungs-verläufe = identisch
systematisch, indem - Universalgrammatik
Eigenschaften/Strukturen - Fehlleistungen = produktive Zwischenschritte
übertragen werden Übergeneralisierung, Simplifizierung, Regularisierung
Positiver Transfer & Interferenzfehler
Interlanguage-Hypothese (Selinker Interdependenz/Schwellenhypothese (Cummins
1972) 1979/2000)
- Lerner bilden ihre eigene - Gut ausgebildete L1 wirkt sich positiv auf L2-
Lernersprache, die Elemente aus Erwerb aus,
L1 & L2 + Elemente keiner der - Kompetenz in L2 ist vom Stand der
beiden Sprachen Kompetenzenwicklung in L1 abhängig
- Fehler = notwendige
Lernstadien 1. Schwelle = Semilingualismus
- Fossilierung = Verbleib auf 2. Schwelle = dominanter Bilingualismus
Entwicklungsstufe 3. Schwelle = additiver Bilingualismus
Þ BICS = alltagssprachliche mündliche Kompetenzen
Þ CALP = kognitiv schulbezogene Sprachfertigkeiten
(Bildungssprache), konzeptionelle Schriftlichkeit
Processability-Hypothese (Pienemann 1989)
- Spracherwerb folgt bestimmten Regeln/Erwerbsstadien, „höherrangige“ Regel kann nur
gelernt werden, wenn vorrangige bereits beherrscht wird
- UR muss auf Entwicklungsstand der Interlanguage abgestimmt sein (Teachability-H.)
- Sprachstandsindikatoren
- Erwerbssequenzen z.B. Grießhaber
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,Einflussfaktoren (Klein 1992)
1. (Lern-)Gelegenheit/Zugang
…dazu gehören: Zeit, Energie, Kommunikations/Kontaktmöglichkeiten, Qualität & Quantität
…schul. Einflussfaktoren: Einstellung LK, Integration/Segregation, Förderorientierung,
Berücksichtigung, Sprachlernbiografien
2. Fähigkeiten & individuelle Merkmale
…dazu gehören: Intelligenz, Sprachwissen, Lernerfahrungen/Strategien, Alter, Geschlecht,
Lernstile, Vorwissen
3. Motivation
…dazu gehören: Interessen, Leistungsbereitschaft,
Integrative Motivation
unmittelbare Lernmotivation, emotionale Beziehung,
(Gardner/Lambert 1972): bezieht
individuelle Lernerfahrungen
sich auf Wunsch am Leben einer
…bestimmt durch: soziale und schulische Interaktion,
bestimmten Gruppe teilhaben zu
kommunikative Bedürfnisse/Notwendigkeit, kulturelle
wollen
Dispositionen in Familie, besuchte Bildungs-
/Erziehungseinrichtungen
Spracherwerb: verweist auf die menschliche Veranlagung zur Sprachfähigkeit, wobei Verhältnis
zwischen Sprachfähigkeit & Input, also Anlage und Umwelt nicht vollständig geklärt ist
Þ Sprachaneignung: hebt die aktive Rolle des Individuums in diesem Prozess hervor (Dettki 2025)
Sprachentwicklung = lebenslanger Prozess
Typen von Zweitsprachenlernern (Boysen 2022)
Typ I: Der zweitsprachenlernende Typ II: Der in Deutschland geborene
Seiteneinsteiger Zweitsprachenlernende
- Nicht in DE geboren/erst zu Beginn - In DE geboren & gehören zu 1./2.
oder später hergekommen Einwanderungsgeneration (PISA 2006)
- Ggf. in L1 alphabetisiert - Schneiden in Schule schlechter ab
- Sind älter: kognitiv & affektiv bereits - Eltern legen großen Wert auf Deutsch à selbst nur
weiterentwickelt rudimentäres Deutsch
- IGLU (2006): schneiden nach 2/3 - Nie Alphabetisierung in L1 bzw. selten
Jahren deutlich besser ab - Kontakt mit L2 i.d.R. außerhalb der Familie mit peer-
group/schulischen Kontext
Aufgaben für Zweitsprachenlerner (Klein 2000): Analyse-, Synthese-, Einbettungs-, Vergleichsproblem à
mündlicher Spracherwerb/gebrauch
Einflussfaktoren auf schulische L2-Kompetenz (Kuhs 2020)
- Bilinguale Unterrichtsmodelle: positiv, weil Sprachbewusstsein, Motivation, WS-Entwicklung
↯ geringere schulische Lernzeit im Deutschen
- Segregierend: spezifisch, auf Lerngruppe zugeschnittene (Sprach-)Förderung
↯ direkte Diskriminierung unter Deckmantel individueller Förderung (Gomolla 2003), separat: Gefahr
von „Schonraum“-Beschulung (Oomen-Welke 1985)
- Integrativ: positivere Bewertung der Regelklassenbeschulung à Kontaktvariable: „Sprachbad“
unterstützt schul. L2-Erwerb; höheres Anregungspotential in Regelklasse/Orientierung an anderen
↯ bloße körperliche Anwesenheit führ nicht automatisch zu sozialen/sprachlichen Kontakt
Þ Gewisse Organisationsform ist noch keine Garantie für positive Lerneffekte
Annahme: bestimmte Zusammensetzung von SuS bedingt schulisches/unterrichtliches
Anspruchsniveau/Beschaffenheit des Lernangebots à indirekter Einfluss auf Schulerfolg
3
, Lehrkraft:
- Einfluss auf schulische Leistungen (Hattie 2009)
- „Erwartungseffekt“ (Kronig 2000)
- Positive Korrelation der Sprachkompetenz in DaZ mit Fähigkeit der LK auf sprachliche Fortschritte
zu achten und diese positiv rückzumelden (Müller 1997)
Qualifikationen sprachlicher Teilhabe (Ehlich 2007)
Phonetische/lautliche Grundlage, um Wörter & ihre Bedeutung differenzieren zu können
Qualifikation
Semantische Wortschatz und Bedeutungserwerb
Qualifikation
Morphosyntaktische Satzstellung (Syntax) und Wörter (Morphologie)
Qualifikation Grießhaber (2010): Profilanalyse
Pragmatische/ diskursive Grundlegende Fähigkeit zur Kommunikation
Qualifikation z.B. auch Mimik/Gestik und Ausrichtung an Kommunikationspartner
Literale Qualifikation Bezieht sich auf alle anderen Qualifikationen, orthografische Ebene,
Fähigkeit schriftliche Texte zu verfassen
↯ viele DaZ-SuS müssen in eine Sprache Lesen & Schreiben lernen, die sie u.U. nicht vollständig
beherrschen
Sprachunterricht/vermittlung
Monitor/Inputhypothese (Krashen 1985) Interaktionshypothese (Lang 1985)
- Fähigkeit zu Sprachproduktion entwickelt sich - Input allein ist förderlich, aber
automatisch und wird nicht gelehrt reicht nicht, weil Lerner mit Input
- Input soll verstehbar sein etwas anfangen muss damit er zu
Affektiver Filter: positive Einstellung zur Sprache, Intake (Besitzstand) wird
Selbstvertrauen
Organizer: angeborenes Sprachmodul + Universalgrammatik
Monitor: Prüfung von Äußerungen auf Richtigkeit/
Angemessenheit
Output-Hypothese (Swain 1997) Noticing-Hypothese (Schmidt 2001)
- Input ist gut für rezeptive Kompetenz (Semantik), aber - Nicht jeder Input hat gleichen
Output braucht es für produktive Kompetenz Stellenwert, Lerner müssen
(Grammatik) Aufmerksamkeit auf Input richten
à Intake à Aufnahme des
Lernwissens
Explizite vs. implizite Sprachförderung (Rösch 2011)
Explizit Implizit
Induktive Erschließung von Regeln aus systematischen Sprachintensive
Sprachlernkontext Situationen, ungesteuerter
Nur Regeln vermitteln, die lernbar sind, häufig vorkommen, zuverlässig Lernprozess
sind und große Reichweite aufweisen (Schlak 2003)
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