Der Verlorene
Hans-Ulrich Treichel
Arnold als Dreh- und Angelpunkt der Familie
• Bild des erstgeborenen Sohn Arnold ganz vorne im Familienalbum, vor Hochzeitsbild
• Namenlose Ich-Erzähler spielt nur eine Nebenrolle
Seine Identität bleibt bruchstückhaft
• Wahrheit über Arnold wird Ich-Erzähler erst vorenthalten
Mutter behauptet erst Arnold sei auf der Flucht verhungert
• Gefühle des Ich-Erzählers zu Arnold schwanken zwischen Neid und Stolz
Unerwartete Aussprache – Die Wahrheit über Arnold
• Kaum längere Gespräche zwischen Ich-Erzähler und Eltern
• Mutter ist erst spät der Ansicht, der Protagonist sei alt genug, um Wahrheit zu erfahren
• Arnold ist nicht tot, er wurde auf dem Flüchtlingstreck einer fremden Frau übergeben
Arnold ist verloren
• Mutter wurde von russischen Soldaten vergewaltigt
Traumatisches Schlüsselerlebnis auf dem Flüchtlingstreck
Atmosphäre aus Schuld und Scham
Gesellschaftlicher Aufstieg in den 1950er Jahren
• Protestantische Arbeitsethik der meisten Vertriebenen
Verbietet den Eltern Freizeit zu genießen
• Ich-Erzähler erbricht sich auf sonntäglichen Ausflügen -> Eltern lassen ihn zu Hause
Anfangs: Freiheitsgefühlt, weicht Langeweile und Beklemmung
• Vater baut neue Existenz aus: Leihbücherei -> Großhandel für Fleisch- und Wurstwaren
• Gesellschaftlicher Aufstieg der Familie -> Erwerb von Konsumgütern
• Fernsehen: zwiespältiger Genuss für Protagonist -> Intimitäten im TV führen zu Scham IRL
• Vater kommuniziert kaum mit Sohn, aber hat immer offenes Ohr für seine Kunden
Das Schweinekopfessen – Erinnerungen an die Heimat
• Zweimal jährlich
• Ritueller Höhepunkt -> nostalgische Rückwärtsgewandtheit der Vertriebenen
• Ausgelassene Stimmung ≠ bedrückte Atmosphäre im Haus
• Mutter bleibt still und in sich gekehrt
• Präferenzen beim Essen -> latenter Generationenkonflikt
• Komik: Teile des Schweinekopfs stehen für Lebensbereiche, die der Vater freudig
abschneidet, Vater spricht Schwein Individualität zu, seinem Sohn aber nicht -> Widerspruch,
grotesk
Das Ende des Kindheitslabyrinths
• Fachwerkhaus: natürliche Materialien, verwinkelt
Wird entkernt und modernisiert
• Moderne Bau macht Kindheitslabyrinth mit Winkeln, langen Korridoren und angstbesetztem
Dachboden zunichte
Tilgung/ Verdrängung der Vergangenheit der Familie
, • Mutter erleidet Nervenzusammenbruch nach Umbau -> Kuraufenthalt
Unerfreuliche Aussprache mit dem Vater
• Vater berichtet, dass Mutter nicht über Verlust des Erstgeborenen hinwegkommt
• Eltern suchen seit Jahren nach Arnold
Glauben, dass sie ihn gefunden haben
Ich-Erzähler wird übel
• Findelkind 2307 sei Ich-Erzähler wie aus dem Gesicht geschnitten
• Ich-Erzähler wünscht, dass Arnold verhungert sein
Der Bildervergleich – mögliche, aber nicht wahrscheinliche Übereinstimmung
• Prüfung möglicher Identität des Findelkinds 2307 -> Fingerabdrücke und Blutbilder werden
verglichen
Zurückhaltende Stellungnahme des gerichtsmedizinischen Instituts: mögliche, aber
nicht positiv wahrscheinliche Identität
Eltern hören nur „mögliche Identität“
• Weitere Untersuchung: Fotografien der Familienmitglieder werden verglichen
Hinterkopfaufnahme des Ich-Erzählers
Kurzhaarfrisur eines „Lagerinsassen“
Ernüchterndes Gutachten
• Familienzugehörigkeit des fraglichen Kindes in hohem Maße unwahrscheinlich
Schock für die Mutter
Erzähler empfindet gewisse Schadenfreude
Suche nach Arnold kommt zu vorläufigem Ende
Typographisch: Absatz mit Leerzeile
Verarbeitungsstrategien
• Erzähler ist beruhigt, Arnold scheint endgültig verlorengegangen
• Mutter ist verzweifelt -> drückt Erzähler so stark, als ob sie ihn in ihren Bauch hineindrücken
will
• Vater findet sich mit der Situation ab
Streit zwischen den Eltern
• Zweiter Umbau: Vater tilgt alle Spuren der Vergangenheit
• Vater will sich Opel Admiral kaufen -> Mutter verbrennt das Geld
Sie will kein Auto, sie will ihr Kind
Der Leichenwagenfahrer
• Familie trifft Leichenwagenfahrer in Kantine
• Er ist sehr redselig, erzählt ihnen von den unterschiedlichen Kantinen und von seiner Arbeit
• Erzähler sieht Spuren des Todes im Gesicht des Leichenwagenfahrers
• Fahrer spricht mit Vokabular des Nationalsozialismus
Erschreckende Kontinuität der NS-Ideologie bis in die 1960er Jahre
Professor Liebstedt – Heimatvertriebener mit rassistischen Vorurteilen
• Professor kommt, wie der Vater aus Rakowiec
Hans-Ulrich Treichel
Arnold als Dreh- und Angelpunkt der Familie
• Bild des erstgeborenen Sohn Arnold ganz vorne im Familienalbum, vor Hochzeitsbild
• Namenlose Ich-Erzähler spielt nur eine Nebenrolle
Seine Identität bleibt bruchstückhaft
• Wahrheit über Arnold wird Ich-Erzähler erst vorenthalten
Mutter behauptet erst Arnold sei auf der Flucht verhungert
• Gefühle des Ich-Erzählers zu Arnold schwanken zwischen Neid und Stolz
Unerwartete Aussprache – Die Wahrheit über Arnold
• Kaum längere Gespräche zwischen Ich-Erzähler und Eltern
• Mutter ist erst spät der Ansicht, der Protagonist sei alt genug, um Wahrheit zu erfahren
• Arnold ist nicht tot, er wurde auf dem Flüchtlingstreck einer fremden Frau übergeben
Arnold ist verloren
• Mutter wurde von russischen Soldaten vergewaltigt
Traumatisches Schlüsselerlebnis auf dem Flüchtlingstreck
Atmosphäre aus Schuld und Scham
Gesellschaftlicher Aufstieg in den 1950er Jahren
• Protestantische Arbeitsethik der meisten Vertriebenen
Verbietet den Eltern Freizeit zu genießen
• Ich-Erzähler erbricht sich auf sonntäglichen Ausflügen -> Eltern lassen ihn zu Hause
Anfangs: Freiheitsgefühlt, weicht Langeweile und Beklemmung
• Vater baut neue Existenz aus: Leihbücherei -> Großhandel für Fleisch- und Wurstwaren
• Gesellschaftlicher Aufstieg der Familie -> Erwerb von Konsumgütern
• Fernsehen: zwiespältiger Genuss für Protagonist -> Intimitäten im TV führen zu Scham IRL
• Vater kommuniziert kaum mit Sohn, aber hat immer offenes Ohr für seine Kunden
Das Schweinekopfessen – Erinnerungen an die Heimat
• Zweimal jährlich
• Ritueller Höhepunkt -> nostalgische Rückwärtsgewandtheit der Vertriebenen
• Ausgelassene Stimmung ≠ bedrückte Atmosphäre im Haus
• Mutter bleibt still und in sich gekehrt
• Präferenzen beim Essen -> latenter Generationenkonflikt
• Komik: Teile des Schweinekopfs stehen für Lebensbereiche, die der Vater freudig
abschneidet, Vater spricht Schwein Individualität zu, seinem Sohn aber nicht -> Widerspruch,
grotesk
Das Ende des Kindheitslabyrinths
• Fachwerkhaus: natürliche Materialien, verwinkelt
Wird entkernt und modernisiert
• Moderne Bau macht Kindheitslabyrinth mit Winkeln, langen Korridoren und angstbesetztem
Dachboden zunichte
Tilgung/ Verdrängung der Vergangenheit der Familie
, • Mutter erleidet Nervenzusammenbruch nach Umbau -> Kuraufenthalt
Unerfreuliche Aussprache mit dem Vater
• Vater berichtet, dass Mutter nicht über Verlust des Erstgeborenen hinwegkommt
• Eltern suchen seit Jahren nach Arnold
Glauben, dass sie ihn gefunden haben
Ich-Erzähler wird übel
• Findelkind 2307 sei Ich-Erzähler wie aus dem Gesicht geschnitten
• Ich-Erzähler wünscht, dass Arnold verhungert sein
Der Bildervergleich – mögliche, aber nicht wahrscheinliche Übereinstimmung
• Prüfung möglicher Identität des Findelkinds 2307 -> Fingerabdrücke und Blutbilder werden
verglichen
Zurückhaltende Stellungnahme des gerichtsmedizinischen Instituts: mögliche, aber
nicht positiv wahrscheinliche Identität
Eltern hören nur „mögliche Identität“
• Weitere Untersuchung: Fotografien der Familienmitglieder werden verglichen
Hinterkopfaufnahme des Ich-Erzählers
Kurzhaarfrisur eines „Lagerinsassen“
Ernüchterndes Gutachten
• Familienzugehörigkeit des fraglichen Kindes in hohem Maße unwahrscheinlich
Schock für die Mutter
Erzähler empfindet gewisse Schadenfreude
Suche nach Arnold kommt zu vorläufigem Ende
Typographisch: Absatz mit Leerzeile
Verarbeitungsstrategien
• Erzähler ist beruhigt, Arnold scheint endgültig verlorengegangen
• Mutter ist verzweifelt -> drückt Erzähler so stark, als ob sie ihn in ihren Bauch hineindrücken
will
• Vater findet sich mit der Situation ab
Streit zwischen den Eltern
• Zweiter Umbau: Vater tilgt alle Spuren der Vergangenheit
• Vater will sich Opel Admiral kaufen -> Mutter verbrennt das Geld
Sie will kein Auto, sie will ihr Kind
Der Leichenwagenfahrer
• Familie trifft Leichenwagenfahrer in Kantine
• Er ist sehr redselig, erzählt ihnen von den unterschiedlichen Kantinen und von seiner Arbeit
• Erzähler sieht Spuren des Todes im Gesicht des Leichenwagenfahrers
• Fahrer spricht mit Vokabular des Nationalsozialismus
Erschreckende Kontinuität der NS-Ideologie bis in die 1960er Jahre
Professor Liebstedt – Heimatvertriebener mit rassistischen Vorurteilen
• Professor kommt, wie der Vater aus Rakowiec