Einleitung
- Hinführender Gedanke (historischer Bezug, moderne Parallelen, andere literarische Werke, …)
- Basissatz mit Text und Autor: „Dieses Thema spricht auch schon … in seinem Drama … an, welches …
erschienen ist und … uraufgeführt wurde.“
- Deutungshypothese (Benennung des zentralen Themas und Abstrahierung in größeren Zusammenhang): „In
dem Textausschnitt wird kritisiert/ die Frage aufgeworfen/ reflektiert der Autor …“
Hauptteil
- Keine Überleitung, sondern evtl. kurze Gesamtzusammenfassung des Inhalts in 1-2 Sätzen
- Einteilung in Sinnabschnitte (möglichst kleinschrittig; Angabe der Verse/ Zeilen!) und Wiedergabe des Inhalts
dieses Abschnitts in einem Satz
- ggf. Einordnung des Ausschnitts in den Gesamtzusammenhang des klassischen Dramas (nur bei
aristotelischem Drama!) Aufbauschema eines klassischen Dramas nach Gustav Freytag
(I) Exposition: Einführung in die Situation und Vorstellung der handelnden Figuren
(II) steigende Handlung mit erregendem Moment (Konfliktentwicklung)
(III) Höhepunkt des Geschehens und evtl. Peripetie (unerwarteter Wendepunkt)
(IV) fallende Handlung mit retardierendem Moment: Verzögerung des scheinbar unaufhaltbaren Schlusses
(V) Auflösung/ Katastrophe mit Katharsis (Läuterung der Seele von Leidenschaften als Wirkung des antiken
Trauerspiels)
Dann Argumentative Ausbreitung der Deutungshypothese durch Verknüpfen folgender Analyseaspekte (chronologisch
Analyse des Szenenausschnitts) und Belegen durch Zitate:
Handlung
Handlungsarten: äußere, innere, offene oder verdeckte Handlung?
Ort: Schauplatz (Antike nach Winckelmann als edle Einfalt und stille Größe, Umgehen von Zensur, Verfremdung),
sozialer Raum, symbolischer Raum
Zeit: historischer Kontext oder Gegenwart; Zeitgestaltung
Dramatischer Konflikt (literarische Vorbilder?) und Art des Konflikts (innerer/ äußerer Konflikt) sowie Konfliktverlauf
Analyse des Gesprächs
Gesprächsverlauf:
- Art des Gesprächs: Enthüllungsdialog, Bekenntnis, Eskalation, Streitgespräch und Gesprächssituation
- Redeanteile und deren Aussage über die Hierarchie
- Gesprächsende – Erfolg oder Misserfolg hinsichtlich der Sprechabsicht?
Gesprächsverhalten:
- Sprechabsicht (Überzeugen, Streiten, Verhören, formales Begegnen); Sprechhandlungen (Frage, Bitte, Befehl,
Drohung); Sprechhaltung (liebevoll, nüchtern, kalt) analysieren
- Nonverbale Äußerungen und Regieanweisungen!
Rhetorische Stilmittel und deren Wirkung (Einbringen an passender Stelle):
- Blankvers (ungereimter jambischer Fünfheber; v.a. Aufklärung und Klassik)?
, Figurenanalyse
Figurencharakterisierung:
- Verhalten, Handlungsmotive, Ziele, Denkweise, gesellschaftlicher Stand, Prägungen und Einstellungen
Sympathielenkung und Protagonist/ Antagonist
- Darstellung eines bestimmten Typus? schöne Seele, Philister, femme fragile/fatale, homme a femmes/
Dandy, …
- Entwicklungsfähigkeit der Figuren über den Verlauf der Handlung?
- Sprache der Figuren (formell, edel oder vulgär, umgangssprachlich) Kunstsprache (alle Figuren sprechen
auf gleich hoher Ebene) oder Umgangssprache?
- „Besonders auffällig an … ist/ Diese Äußerung lässt seine grundlegenden Gefühle/ Gedanken/
Wertvorstellungen erkennen/ ...“
Figurenkonstellation:
- Beziehung und Hierarchie zu anderen Figuren (Beleg mit Zitaten oder Gesprächsanteilen)
- Kommunikationsmodell nach Friedemann Schulz von Thun: jede Nachricht enthält Sachinhalt,
Selbstoffenbarung, Beziehungshinweis und Apell
Figurenrede:
- Unterscheidung zwischen Monologen (keine inneren Monologe!) und Dialogen
- Botenbericht: Schilderung vergangener Ereignisse, die auf der Bühne nicht dargestellt werden können
- Teichoskopie/ Mauerschau: Bericht eines Beobachters von gleichzeitig ablaufenden Ereignissen
- Beiseitesprechen: nur das Publikum hört das Gesagte
- Direkte Publikumsansprache (episches Theater) Verfremdungseffekt
- Chor (v.a. im antiken Drama): Gruppe von Figuren, die durch Sprechgesänge die Handlung kommentiert
- Stichomythie: Zeilenrede, d.h. mit jeder Zeile zwischen den Personen wechselnde Rede
- Subtext: Gedanken, die die Figur in einem Moment haben könnte, aber nicht ausspricht
Dramaturgische Fachbegriffe:
- Dramatische Ironie: Zuschauer weiß mehr als die handelnden Figuren
- Deus ex machina (Euripides): göttliche Intervention führt zur Auflösung
- Enthüllungsdrama/ Analytisches Drama oder Entfaltungsdrama? Absurdes Theater (ab 1950)?
- Theatrum mundi (Verständnis der Welt als Theater mit Gott als Betrachter)
Geschlossenes Drama (Drei Einheiten):
- lineare Haupthandlung und Nebenhandlungen auf die Haupthandlung bezogen (Einheit der Handlung)
- wenige Personen und Kunstsprache (oft Verssprache)
- kurzer Handlungszeitraum (Einheit der Zeit)
- wenige Schauplätze (Einheit der Handlung)
- eindeutige Struktur und Bühnenwelt als idealisiertes Bild der Wirklichkeit
Offenes Drama:
- oft mehrere gleichgewichtige Handlungsstränge mit Zusammenhang über Figuren/ Leitmotive
- Vielzahl von Personen und realistische Alltagssprache
- Langer Handlungszeitraum, zahlreiche Schauplätze und oft offener Schluss
- Bühnenbild als Abbild der Wirklichkeit
Episches Theater (Bertolt Brecht):
- Verfremdungseffekte durch direkte Publikumsanreden, Lieder/Gedichte, Zwischenspiele, Kommentator oder
Simultanbühnen
- Durchbrechen der vierten Wand/ Illusionszerstörung keine Identifikation/ Einfühlung des Zuschauers,
sondern bewusster Gestus des Zeigens (Schauspieler als solche kenntlich)
- Offener Schluss und Dramen als Lehrstücke/ Parabeln
- Ziel: Schaffung eines kritischen Bewusstseins durch Reflexion der kritisch, distanzierten Zuschauer