● Doktor Heinrich Faust; Allwissenschaftler; relativ alt (Mitte 50)
● genießt höchstes Ansehen und die Bevölkerung verehrt ihn
● Lebenskrise: Er konnte mit den Mitteln der Wissenschaft nicht zum Kern der
menschlichen Erkenntnis- und Erfahrungsmöglichkeiten vorstoßen und ist nun ein
einsamer Buchgelehrter.
● Seine Gelehrtenstube (Mittelpunkt seiner bisherigen Existenz) ist ihm zum
beengender Kerker geworden, in dessen Mauer er sich keine höhere Erkenntnis
mehr erhofft.
● Für Faust steht fest, dass man nur im direkten Kontakt zur “lebenden Natur” einen
Zugang zu den Geheimnissen der menschlichen Existenz finden und das Streben,
die materiellen Beschränkungen seines Menschseins zu überschreiten und den
höchsten Dingen nahezukommen, erfüllen kann.
● Lebenssinn: Sollte das innere Streben Fausts tatsächlich vollständige Befriedigung
finden, dann hat er das wahre Glück gefunden (lat. “Faustus” = der Glückliche).
● Faust ist bereit, die Beschränkungen radikal und aktiv zu durchbrechen, sei es um
den Preis seines Lebens.
● Selbst wenn er dabei Fehler macht, erfüllt er die Definition Gottes vom Menschen:
"Es irrt der Mensch, solang er strebt”.
● Außerordentliches Selbstbewusstsein im Sinne des Sturm und Drangs; fürchtet sich
weder vor “Hölle noch Teufel” → Faust entspricht der Schöpfungsidee Gottes, weil er
trotz aller Rückschläge nicht die Überzeugung verliert, in seinem Streben niemals
müde zu werden.
● Die Überheblichkeit im Umgang mit anderen Menschen, die Ichbezogenheit und der
Egoismus machen es Faust schwer, auf andere Menschen einzugehen: bei ihrem
ersten Aufeinandertreffen nimmt Faust Gretchen ausschließlich als Objekt seines
eigenen sinnlichen Begehrens wahr.
, ● Auch bezeichnet sich Faust selbstbewusst als “Ebenbild der Gottheit” und setzt sich
gleich mit dem Erdgeist.
● Faust steht nicht zu seiner Verantwortung, Gretchen in eine schlechte Lage
hineinversetzt zu haben, sondern schiebt die Schuld ganz einfach auf Mephisto.
● Seine oftmals sehr leidenschaftliche Sprache verrät einen stets vorwärtsdrängenden
Charakter.
Stoffgeschichte:
● Der Name Faust leitet sich von lat. "Faustus", der Glückliche, her.
● Georgius Faust zog als geschäftstüchtiger Magier und Wahrsager durch die Lande.
● Die Geschichte Fausts wurde in der Volkssage als moralische Warnung erzählt: der
Mensch, der übersinnliche Erkenntnis gewinnen will und mit dem Teufelspakt
hochmütig seine Grenzen überschreitet, ist leichte Beute für den Teufel →
hysterische Teufelsfrucht als Angst vor dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit →
Verunsicherung der Masse in ihren bisherigen religiösen Gewissheiten.
● Faust repräsentierte in seinem Streben nach unbeschränktem Weltgenuss das
Selbstbewusstsein der Neuzeit und galt somit als Befürworter der Neuzeit.
● Auch der Dramatiker Lessing interpretierte den Protagonisten seines "Faust"-Stücks
im Lichte der Aufklärung.