Der Verschollene
Autor: Franz Kafka | Erschienen: 1927 (postum, herausgegeben von Max Brod; entstanden ab 1911) | Verlag:
Reclam | Ort: Ditzingen (zitiert nach der Ausgabe von 1997)
Der als Fragment hinterlassene und postum veröffentlichte Roman erzählt vom sechzehnjährigen Karl
Roßmann, der nach einer Verführungsaffäre von seinen Eltern nach Amerika geschickt wird. Dort durchlebt er
eine Kette entwürdigender Abhängigkeiten und Verstrickungen, unter anderem bei seinem Onkel und bei den
zwielichtigen Delamarche und Robinson. Kafka verarbeitet darin seine literarische Vorstellung Amerikas als
Sehnsuchts- und zugleich Bedrohungsort.
Inhaltsverzeichnis
– Übersicht
Handlung
Kapitel
– 1. Kapitel: Der Heizer
– 2. Kapitel: Der Onkel
– 3. Kapitel: Ein Landhaus bei New York
– 4. Kapitel: Der Marsch nach Ramses
– 5. Kapitel: Im Hotel occidental
– 6. Kapitel: Der Fall Robinson
– 7. Kapitel
– 8. Kapitel
Fragmente
– (I) Ausreise Bruneldas
– (II)
– (III)
– Aufbau
Stil
– Stilmittel
– Erzählweise
Charakterisierung
– Karl Rossmann
– Edward Jakob
– Pollunder
– Green
– Der Heizer
– Delamarche & Robinson
– Personenkonstellation
Kontext
– Epoche
– Rezeption
– Motive
Interpretation
– Frauenfiguren im Werk
1
,– Religiöse Symbole
2
, Übersicht
Bei Der Verschollene von Franz Kafka handelt es sich um ein fragmentartiges Werk, welches nach seinem
Ableben wie zahlreiche andere seiner Werke durch seinen Freund Max Brod an die Öffentlichkeit gelangt. Das
Verb verschollen ist das 2. Partizip des Verbs verschallen und heißt so viel wie verhallt (vgl. Schall, mhd. schal
„lauter Ton, Geräusch; Gesang, Geschrei.“ Aus: Duden – Das Herkunftswörterbuch, 3. Aufl. Mannheim 2001).
Im 18. Jahrhundert etabliert sich der Gebrauch des Verbs verschollen dann in juristischem Kontext und unter
einem Verschollenen versteht man allgemeingültig jemanden, welcher seit geraumer Zeit vermisst wird und der
ebenso wenig von sich hören lassen hat.
In seinem Werk verleiht der aus Prag stammende Autor seiner Vorstellung vom entfernten Kontinent Amerika
Ausdruck. Die Assoziation Amerikas mit einem sehnsüchtigen, verheißungs- und hoffnungsvollen Ort teilt
Kafka mit zahlreichen Autoren des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Kafka selbst setzt zeit seines Lebens
nie Fuß nach Amerika.
Max Brod, welcher ehemals Amerika und heute Der Verschollene im Jahr 1927 publiziert, ordnet den Roman
denjenigen Werken zu, welche den American Dream verbreiteten. Da sich das Werk zweifellos im
amerikanischen Raum abspielt, entscheidet sich Brod zunächst für den Titel Amerika. Da der Roman jedoch in
Kafkas Aufzeichnungen als Der Verschollene betitelt ist, ändert man den Titel wieder um.
Gerade einmal drei Tage, nachdem Kafka sein vorheriges Werk Das Urteil beendet hat, soll er am vorliegenden
Buch zwei Jahre geschrieben haben, wobei er seinen Schreibprozess Ende 1911 begann. Die erste Version
seines Werks bezeichnet Kafka selbst als „gänzlich unbrauchbar“ (Aus: Franz Kafka: Briefe und andere
Korrespondenz aus der Verlobungszeit, Hrsg. Michael Müller. Stuttgart: Reclam, 1995, S. 36) und zerstörte
daraufhin seine bisherigen Aufzeichnungen (vgl. S. 300).
Heute zählt Der Verschollene zu den wichtigsten Romanen des 20. Jahrhunderts und zweifellos zur
Weltliteratur. Das vorliegende Werk ist der Epoche des Expressionismus sowie der literarischen Moderne
zuzuordnen.
Handlung
Kapitel
1. Kapitel: Der Heizer
Infos Seite: 7-38 Ort: Schiff im Hafen New Yorks Zeit: Zeitraum über mehrere Stunden Personen: Karl
Rossmann, ein junger Mann, der Heizer Butterbaum, Bedienstete, Schiffskapelle, der Schiffsoffizier, Beamte
der Hafenbehörde, der Oberkassierer, der Kapitän, Senator Edward Jakob, Schubal
Inhalt Der siebzehnjährige Karl Rossmann wird von seinen Eltern mit einem Passagierschiff nach Amerika
geschickt, da er daheim in Prag eine Affäre mit einem Dienstmädchen hatte und sie infolgedessen schwängerte
Eben ist das Schiff mit Karl an Bord in den Hafen New York eingelaufen, als dem jungen Mann einfällt, dass er
seinen Regenschirm an Deck vergessen hat Der Protagonist bittet einen weiteren Passagier, für einen Moment
auf seinen Koffer achtzugeben und begibt sich auf die Suche nach seinem Regenschirm Allerdings verirrt sich
Karl in den kafkaesken Gängen des Schiffs und trifft auf den Heizer Butterbaum, welcher ihn sofort in seine
Kabine hereinlässt und ihm im Vertrauen von seinem Plan erzählt, sich beim Kapitän über seinen Vorgesetzten
Schubal zu beschweren Karl, welcher über einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit verfügt, erklärt sich direkt
bereit, den Heizer bei seiner Beschwerde zu unterstützen, und so machen sich beide auf den Weg zum
Schiffskapitän Während der Heizer dem Kapitän sein Anliegen vorträgt und Karl sich für den Heizer einsetzt,
erkundigt sich der anwesende Senator Edward Jakob nach Karls Namen, woraufhin beide entdecken, dass sie
verwandt sind und es sich beim Senator um Karls Onkel handelt Nachdem Butterbaum sich beim Kapitän über
Schubal beschwert hat, schildert Schubal den Sachverhalt von seiner Seite und zudem dienen ihm zahlreiche
Schiffsmitarbeiter als Zeugen Die Einreichung der Beschwerde des Heizers endet höchstwahrscheinlich in
dessen Tod, jedoch wird darauf nicht weiter eingegangen. Karls Onkel „[weicht den] Blicke[n]“ (S. 38, Z. 33)
seines Neffen aus, als Karl bei ihm nach einer Auskunft darüber sucht, wie man nun in der Angelegenheit des
Heizers weiter verfahren würde
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