Der goldne Topf
Autor: E.T.A. Hoffmann | Erschienen: 1814 (in: Fantasiestücke in Callots Manier) | Verlag: Reclam | Ort:
Stuttgart
Die in zwölf „Vigilien“ (Nachtwachen) gegliederte romantische Erzählung schildert den tollpatschigen
Studenten Anselmus, der zwischen der bürgerlichen Welt und dem magischen Reich des Archivarius Lindhorst
hin- und hergerissen ist. Zwischen seiner realen Verlobten Veronika und der geheimnisvollen Schlangenfrau
Serpentina muss er sich schließlich für eine der beiden Welten entscheiden. Hoffmann verbindet Märchenhaftes
mit Ironie und gilt mit dem Werk als Begründer des modernen Kunstmärchens.
Inhaltsverzeichnis
Handlung
– 1. Vigilie
– 2. Vigilie
– 3. Vigilie
– 4. Vigilie
– 5. Vigilie
– 6. Vigilie
– 7. Vigilie
– 8. Vigilie
– 9. Vigilie
– 10. Vigilie
– 11. Vigilie
– 12. Vigilie
Kontext
– Epoche
– Entstehung und Rezeption
– Modernes Märchen
– Personen
Aufbau
– Antithetik
– Erzähltechnik
Stil und Sprache
– Sprache
– Mythen
– Interpretation
1
, Handlung
1. Vigilie
Die Novelle Der goldne Topf spielt in Dresden im frühen 19. Jahrhundert.
Die erste Vigilie beginnt am Himmelfahrtstag. Nachmittags stolperte der Student Anselmus vor dem schwarzen
Tor über die Waren einer alten Marktfrau. Nachdem er ihr seinen nicht besonders gut gefüllten Geldbeutel als
Entschädigung hinhielt, rannte der Student davon. Er hörte nur noch ihren grächzenden, unheimlichen Ruf: „Ja
renne - renne nur zu, Satanskind - ins Kristall bald dein Fall - ins Kristall!“ (S. 5, Z. 19-20) Aus Angst vor
schadenfrohem Gelächter rannte Anselmus so schnell er konnte bis zum Eingang des Linkischen Bades. Dort
wollte er eigentlich an den Feierlichkeiten zum Himmelfahrtstag teilnehmen, was er nun ohne Geld nicht mehr
konnte.
So legte er sich am Elbufer unter einen Holunderbaum und ließ seinem Unmut freien Lauf. „Wahr ist es doch,
ich bin zu allem möglichen Kreuz und Elend geboren!“, klagte er und sinnierte über sein Pech und Unglück (S.
7, Z.15-16). Nach einiger Zeit aber wurde sein Selbstgespräch von einem seltsamen Rascheln und Geflüster in
den Ästen über ihm unterbrochen. Plötzlich entdeckte er drei in grünem gold erglänzende Schlangen, hörte ihre
Stimmen und war völlig verzückt von den dunkelblauen Augen einer der drei Schlangen. Und so lag der Student
stundenlang voller Verlangen und Sehnsucht unter dem Baum. Doch als die Dämmerung hereinbrach,
verschwanden die drei Schlangen, stürzten sich in die Elbe und hinterließen auf den Wogen ein grünes Feuer.
2. Vigilie
Als die drei Schlangen verschwunden waren, umarmte Anselmus verzweifelt den Stamm des Holunderbaumes,
seufzte und flehte in Richtung der Blätter, dass die Schlangen sich noch einmal zeigen sollen. Passanten
beobachteten dieses seltsame Zwiegespräche und taten ihn als verrückt und betrunken ab. Bei diesen Worten
erwachte der Student plötzlich aus seinem Wahn und hielt alles, was er zuvor gesehen hatte, für irrsinnige
Einbildung.
Auf seiner Flucht traf Anselmus schließlich seinen alten Freund, Konrektor Paulmann. Dieser lud ihn ein
gemeinsam mit ihm, seinen beiden Töchtern und dem Registrator Heerbrand eine Gondelfahrt auf der Elbe zu
unternehmen. In der Hoffnung, dass er in Gesellschaft das böse Verhängnis vergessen könne, welches ihm
passiert ist, nahm Anselmus die Einladung an.
Als sie über die Elbe schipperten, wurde am gegenüberliegenden Ufer ein Feuerwerk abgebrannt, dessen
Raketen sich funkelnd im Wasser spiegelten. Anselmus, der bisher in sich gekehrt in der Gondel saß, meinte
plötzlich die drei Schlangen im Wasser zu sehen. Die Sehnsucht und das Verlangen erwachte wieder in seinem
Inneren. Er rief laut aus: „Ach, seid ihr es denn wieder, ihr goldenen Schlänglein, singt nur, singt! In eurem
Gesange erscheinen ja wieder die holden lieblichen dunkelblauen Augen - ach, seid ihr denn unter den Fluten!“
(S. 14, Z. 31-35) Mit diesen Worten wollte er sich sogar ins Wasser stürzen, wovon der Schiffer ihn gerade noch
so abhalten konnte. Im Boot herrschte Aufregung, Heerbrand und Paulmann sorgten sich wegen Anselmus‘
Anfall. Er selbst wurde währendessen von einem inneren Zwiespalt gequält. Einerseits erkannte er das Leuchten
im Wasser als die Spiegelungen des Feuerwerks, andererseits hörte er weiterhin die Stimmen der Schlangen. Als
Paulmann ihn deshalb für einen Narren abtat, verteidigte dessen Tochter Veronika Anselmus liebevoll, er habe
vielleicht einfach geträumt. Und zum ersten Mal bemerkte der Student die schönen dunkelblauen Augen des
Mädchens.
Ganz verzückt von Veronika vergaß Anselmus seinen Wahn, fühlte sich heiter. Beim gemeinsamen Musizieren
bemühte er sich um die junge Dame, obgleich er wieder kurz an die kristallklaren Stimmen der Schlangen
denken musste. Kurz darauf bot Registrator Heerbrand ihm eine Anstellung bei Archivar Lindhorst an, welche
Anselmus voller Freude annahm.
Schon am nächsten Tag sollte Anselmus bei dem Archivar mit dem Kopieren von wertvollen Schriften
beginnen. Anselmus richtete sich, ohne auch nur einmal Pech zu haben. So trank er freudig zwei Magenlikör
und machte sich dann auf den Weg zu Lindhorst. Doch als er pünktlich um zwölf Uhr klopfen wollte,
verwandelte sich der Türklopfer plötzlich in das schreckliche Gesicht der alten Marktfrau und verhöhnte ihn:
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