Das Marmorbild
Autor: Joseph von Eichendorff | Erschienen: 1818/19 (verfasst 1816/17) | Verlag: SchulLV | Ort: Karlsruhe
(zitiert nach der Ausgabe von 2021)
Die romantische Märchennovelle erzählt von der Wanderreise des jungen, unerfahrenen Florio durch die
italienische Stadt Lucca, wo er zwischen der Zuneigung zu Bianka und der verführerischen, an die antike Venus
erinnernden Erscheinung des Marmorbilds hin- und hergerissen ist. Auf seiner Reise begegnet er einer Reihe
geheimnisvoller Figuren, die ihn vor die Wahl zwischen Gut und Böse stellen und seine Entwicklung
entscheidend prägen.
Inhaltsverzeichnis
– Übersicht
Handlung
– 1. Abschnitt
– 2. Abschnitt
– 3. Abschnitt
– 4. Abschnitt
– 5. Abschnitt
– Aufbau
Charakterisierungen
– Florio
– Bianka
– Fortunato
– Venus
– Donati
– Personenkonstellationen
Stil
– Stilmittel
– Erzählweise
Kontext
– Epoche
– Rezeption
– Venusmotivik
Interpretation
– Naturdarstellungen
– Religiöse Bezüge
– Poetik vs. Psychologie
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,Übersicht
Die Märchennovelle Das Marmorbild wird von ihrem Verfasser, Joseph Freiherr von Eichendorff in den Jahren
1816/17 verfasst, wobei hier Vorarbeiten zum Werk ausgenommen sind. Eine, bereits 1808 entstandene
Erzählung mit dem Titel Zauberei im Herbste stellt aufgrund der inhaltlichen und stilistischen Ähnlichkeiten
zum Marmorbild eine Art Vorlage für letzteres Werk dar. Mitte März 1817 kündigt Eichendorff dann die
zeitnahe Vollendung des Werks beim Herausgeber des Frauentaschenbuchs, Friedrich de la Motte-Fouqué, an.
Am 2. Dezember 1817 sendet der Autor die zu überarbeitende Fassung an den Herausgeber, den er noch von
den Befreiungskriegen um 1815 kennt. In seiner, dem Manuskript beiliegenden Anmerkung schreibt er, „so
habe ich im vorliegenden Märchen versucht, mich in die Vergangenheit und in einen fremden Himmelsstrich zu
flüchten“. Laut Überlieferung bilden die einzigen Stellen, die eine Überarbeitung Fouqués nötig hatten, solche,
die wohl zu freizügig und frivol für das breite Bürgerspektrum gewesen wären. Schließlich erscheint dann die
finale Version von Das Marmorbild 1818 zur Herbstmesse 1819 im Frauentaschenbuch Verlag.
In der romantischen Erzählung geht es um die Wanderreise des Protagonisten Florio durch Italien, der in der
Stadt Lucca auf eine ganze Reihe unterschiedlicher Figuren trifft. Letztere wiederum beeinflussen Florio alle auf
eine unterschiedliche Art und Weise und sind maßgeblich an der Entwicklung seiner Persönlichkeit beteiligt.
Der, bis dato unerfahrene und tendenziell naive Florio wird vor die Wahl zwischen Gut und Böse gestellt,
erfährt das erste Mal in seinem Leben die Liebe und lernt, dass er allein die Verantwortung für sein Handeln
trägt.
Handlung
1. Abschnitt
Im 1. Abschnitt in Das Marmorbild wird die Ankunft Florios im kleinen italienischen Städtchen Lucca
beschrieben, wo er von Anfang an von den Bewohnern des Ortes mit offenen Armen in Empfang genommen
wird. Außerdem beinhaltet dieser Abschnitt im Werk das erste Aufeinandertreffen Biankas und Florios sowie
eine nächtliche Begegnung, welche einen zugleich anziehenden, als auch abschreckenden Eindruck bei der
Hauptfigur hinterlässt.
Infos
Zeile: 2-400
Ort: vor den Toren der Stadt, das Innere eines Festzeltes, die Innenstadt, nächtliche Gassen, die Herberge
im Ort Lucca, der Weiher im Lustgarten eines einsamen Schlosses
Zeit: ein Sommerabend und die darauffolgende Nacht
Personen: Florio, Fortunato, Bianka, eine Feiergesellschaft, Musikanten, mehrere Ballspielerinnen,
Donati, „ein marmornes Venusbild“ (Z. 369)
Inhalt
Florio kommt vor den Toren der Stadt Lucca an und begegnet einem sehr freundlichen, jungen Mann, der
sich später als der Sänger Fortunato herausstellt.
Fortunato führt Florio in ein geschmücktes Zelt, in welchem bereits eine Festgesellschaft zu Musik und
Tanz feiert.
Bianka, die als Ballspielerin die Wege des Protagonisten kreuzt, verzaubert Florio gleich ab dem ersten
Augenblick mit ihrer Schönheit (Z. 127 f.) und als Folge eines Trinkspruchs, den Florio zum Besten gibt,
kommt es zum Kuss zwischen Bianka und ihm.
Der dunkle Ritter Donati taucht plötzlich inmitten der feiernden Menge auf und seine Erscheinung wird
zwar als „schön, aber blass und wüst“ (Z. 239) beschrieben.
Als sich das Fest dem Ende zuneigt, brechen Fortunato und Florio gemeinsam mit Donati auf, welcher
sie jedoch nur bis zu den Toren der Stadt begleitet. Über letzteren Umstand scheint der ansonsten so
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, gutmütige und liebenswürdige Fortunato sehr glücklich. Den Grund für Fortunatos Antipathie gegenüber
Donati kann sich Florio zu dem Zeitpunkt noch nicht erklären.
Nachdem unser Protagonist und der Sänger in eine Herberge eingekehrt sind, zieht es Florio noch einmal
hinaus in die sternenklare Nacht und er erkundet die, in nächtliche Ruhe getauchten Straßen Luccas
alleine.
In dem verlassenen Garten eines „weißglänzenden Schlosses“ (Z. 332) entdeckt er dann an einem
Weiher die Marmorstatue Venus. Doch zunächst verzaubert und hingerissen von der Schönheit und
scheinbaren Lebendigkeit der Statue, wird er jäh aus seiner Schwärmerei gerissen, als der Mond durch
die Wolken bricht und ihm das Angesicht der Venusfigur plötzlich „fürchterlich weiß und regungslos“
(Z. 386 f.) erscheint.
Voller „Grausen“ (Z. 388) macht sich Florio auf den Heimweg und wird in der Nacht von den
„seltsamsten Träumen“ (Z. 400) gequält.
2. Abschnitt
Der 2. Abschnitt in der Märchennovelle handelt davon, dass Florio, getrieben von Neugier, erneut den
verlassenen Schlossgarten aufsucht und abermals auf den dunklen Ritter trifft.
Infos
Zeile: 2-205
Ort: der Weiher im Lustgarten eines einsamen Schlosses, die Herberge, mehrere Gassen und Plätze im
Ort Lucca
Zeit: ein ganzer Tag --> beginnend am Morgen, über einen schwülen Mittag bis in die Nacht Personen:
Florio, Fortunato, Donati, „eine hohe schlanke Dame von wundersamer Schönheit“ (Z. 98 f.), „zwei
weibliche Gestalten“ (Z. 194) an einem Fenster
Inhalt
Morgens hat Florios neuer Gefährte Fortunato bereits vom nächtlichen Ausflug seines Schützlings
erfahren und rät ihm, sich die Liebe nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Fortunato beobachtet, wie
mitgenommen Florio von letzter Nacht zu sein scheint und verabschiedet sich zwar freundlich aber
bestimmt mit den Worten: „Lasst das, die Melancholie, den Mondschein und alle den Plunder; und
geht's auch manchmal wirklich schlimm, nur frisch heraus in Gottes freien Morgen und da draußen sich
recht abgeschüttelt;“ (Z. 38 ff.)
Der Protagonist, welchen die Worte des Sängers nicht unberührt lassen, versinkt daraufhin in ein langes
Nachdenken und entschließt sich dann dazu, noch einmal den Weiher in dem verlassenen Schlossgarten
aufzusuchen, in dem er letzte Nacht die marmorne Venusstatue gesehen hatte Im Lustgarten findet er
zwar nicht die marmorne Venus, jedoch begegnet er einer „schönen Lautenspielerin“ (Z. 132), deren
„langes goldenes Haar“ (Z. 102) im „hellen Sonnenblick“ (Z. 107 f.) glänzt und von der er unbemerkt
bleibt (Z. 111 f.)
In einem abgelegeneren Teil des Gartens stößt Florio dann auf den schlafenden Donati, der „die edle
Herrin“ (Z. 150) der prachtvollen Anlage kennt und anbietet, die beiden miteinander bekannt zu machen
Gegen Abend macht sich Florio noch zu einem Ausritt zu Pferde auf, um der schwülen Hitze der Stadt zu
entkommen, und streift durch die Wiesen und Wälder in der Gegend um Lucca. Auf dem Heimweg hört
er, als er an einem erleuchteten Fenster vorbeikommt, „mehreremal deutlich seinen Namen nennen“ (Z.
195 f.). Als ihn jedoch „die beiden Damen“ (Z. 200), die sich unterhalten, bemerken, verstummt das
Zwiegespräch und Florio reitet verwirrt weiter heimwärts
3. Abschnitt
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