Entwicklungspsychologie
1. Voraussetzungen & Grundlagen
Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit Veränderungen von Menschen.
Definition des Entwicklungsbegriffs
Veränderung, die wir Entwicklung nennen, sind:
1. Auf das Lebensalter bezogen (Abgrenzung z.B. von Lernen, Vergessen, Adaptieren,
Einstellungsänderungen, etc.)
2. Dauerhaft oder nachhaltig wirksam
Wichtig: Lebensalter an sich ist keine Erklärung! Es muss mach den Prozessen gesucht werden, die mit dem
steigenden Alter einhergehen.
Entwicklungspsychologische Fragen
Was verändert sich? Wie verändert es sich? Beobachten, Beschreiben
Warum verändert es sich? Erklären, Vorhersagen
Wie ist Entwicklung beeinflussbar? Fördern, Evaluieren
Wie wird der Erfolg von Entwicklungsmaßnahmen überprüft?
Entwicklungsprinzipien
Die Entwicklung von Menschen ist in einem bestimmten Ausmaß universell/vergleichbar:
Entwicklungsschritte nimmt mit dem Alter ab
Entwicklung ist interindividuell unterschiedlich Allgemeiner Ablauf mit individuellen Unterschieden
Entwicklung ist eine Interaktion von Anlage und Umwelt
Stabilität, Stagnation & Verlust gehören auch zur Entwicklung besonders stark im hohen Alter
Entwicklungsmotoren
Reifung – biologischer Reifungsprozess wachsen
Anpassung an die Umwelt
Reifung
Gengesteuerte Struktur- & Funktionsveränderungen
Die Beschreibung von Reifungsprozessen ist weniger Gebiet der Psychologie, eher der Biologie
Die Auswirkung von Reifungsprozessen und ihr Zusammenspiel mit Anpassungsprozessen sind aber
natürlich Gegenstand der Entwicklungspsychologie wichtig bei Säuglingen & Kleinkindern
Entwicklung durch Reifung
Entwicklungsschritt findet bei allen Kindern zu einem ähnlichen Zeitpunkt statt, wenn er nicht extrem
gestört wird
Entwicklungsschritt kann durch Übung kaum vorverlegt werden
Entwicklungsschritt findet sogar dann statt, bzw. wird nachgeholt, wenn Lernmöglichkeiten stark
eingeschränkt werden starker Schub
Kinder welche wenig Anregung bekommen
Bsp. Selbstständiges Gehen um den 13. Monat
Reifestand
Ein Entwicklungsschritt kann leicht erreicht werden, wenn das Kind „reif“ dafür ist
Versucht man es „zu früh“, wird es mühsam oder scheitert
Sensible Perioden
,Entwicklungspsychologie
kann nicht wissenschaftlich festgemacht werden
Perioden, in denen spezifische Bedingungen maximal nutzen bzw. schaden können
Nach „Schließen des Fensters“ ist eine optimale Entwicklung nicht mehr möglich
Experimentelle Überprüfung an Kinder ethisch nicht vertretbar! Daher stammen Daten v.a. von
deprivierten oder traumatisierten Kindern bzw. von Menschen mit Beeinträchtigungen (Bsp. Sehsinn)
Beispiele:
Spracherwerb bis zum 7.Lebensjahr
Wenn Schwierigkeiten mit der Muttersprache, dann sind andere Sprachen später auch schwierig zu
erlernen
Übernahme von Hirnfunktionen nach Hirnverletzungen durch andere Regionen bei Kindern (später
unwahrscheinlicher)
Entwicklung der visuellen Verarbeitung bei Menschen, die von Anfang an oder sehr früh blind waren
und den Sehsinn später hinzu gewannen (z.B. durch Operation)
Förderprogramme im Vorschulalter sind sinnvoll und wirksam
Effekte bleiben aber nur erhalten, wenn weiter gefördert wird!
Umwelt muss dauerhaft verändert werden!
Die Anlage-Umwelt-Problematik
Gewichtung von Anlage und Umwelteinflüssen bei der Entwicklung einer Eigenschaft bei einem
Individuum Nicht Beantwortbar! Anlage & Umwelt wirken nicht additiv!
Entwicklung
= Interaktion von genetischen Faktoren (z.B. umgängliches Temperament) und Umwelt (z.B.
Interaktionshäufigkeit).
Beispiel:
Genetischer Faktor: umgängliches Temperament
Umweltfaktor: viel Zuwendung durch Betreuungspersonen
Beides führt zu guter sozialer Entwicklung
Aber: umgängliches Temperament beeinflusst Interaktionshäufigkeit mit Betreuungspersonen
einfach addieren ist nicht möglich
WECHSELWIRKUNG da nicht unabhängig von einander
Sinnvoll ist die Frage nach dem Anteil von Anlagen und Umwelt an Merkmalsunterschieden in einer Population.
Deswegen Anlage-Umwelt-Debatte so schwierig!
Annäherung an das Anlage-Umwelt-Problem
1. Erfassung der Entwicklungsumwelt
o Nur in Ausschnitten möglich
o Viele Varianten möglich
o Speziesnormale (Min. damit Kind groß wird) vs. Kulturnormale Entwicklung
o Innerhalb dieser „Normalbereiche“ (sehr groß) breite Varianz an Entwicklungsergebnissen
2. Erfassung von Erbunterschieden
o Erbganganalysen – spielen eher eine Rolle bei „einfachen“ Merkmalen, wie Erbkrankheiten,
kaum bei kontinuierlichen psychologischen Variablen
o Populationsgenetische Analysen
o Psychologische Merkmale werden nicht wie einfache Merkmale vererbt
Populationsgenetische Analysen
Klassische Methode: Stammbaumanalyse
Familiäre Häufung bestimmter Talente z.B. „English Men of Science“ (Francis Galton, 1887)
i.d.R aus Familien, in den es viele Wissenschaftler gab
Problem: Konfundierung von Anlage- & Umweltunterschieden
Aufhebung der Konfundierung:
Zwillingsstudien
Adoptionsstudien
Zwillingsstudien
Vergleich von Eineiigen Zwillingen & Zweieiigen Zwillingen
,Entwicklungspsychologie
Idee:
Zwillingspaare wachsen in extrem ähnlicher Umwelt auf. Sind sich die EZ ähnlicher als die ZZ, deutet
dies auf Einfluss der Erbanlagen hin
Vergleich von EZ & ZZ Früh getrennte Zwillinge anschauen
Problem:
EZ werden ähnlicher behandelt als ZZ
Lösung:
Studien mit früh getrennten Zwillingen
Adoptionsstudien allgemein
Idee:
Adoptivkinder & Adoptiveltern/-geschwister sind nicht genetisch verwandt. Ähnlichkeiten sprechen
für Umwelteinflüsse
Adoptivkinder sind unbeeinflusst von der Umwelt ihrer leiblichen Eltern/Geschwister. Ähnlichkeiten
sprechen für Anlageeinflüsse
Voraussetzung:
Ausschluss selektiver Platzierung
Kinder dürfen nicht im ähnlichen Umfeld bleiben! (Oma, Freunde)
genetisch nicht verwandt, ähneln sie sich, dann Umwelteinfluss
Durchschnittliche Intelligenztestkorrelationen zwischen Eltern & Kindern
Oerter & Montada
Intelligenteste Mutter = intelligentestes Kind (wenn Korrelationsränge gleich)
o Je verwandter, desto höher die Korrelation
o Korrelation zwischen Eltern & Kindern geringer als zwischen Geschwistern
Korrelation sagt nichts über das Niveau aus
Interpretation populationsgenetischer Daten
Vorsicht vor voreiligen Schlüssen:
Aussagen nicht so stark generalisieren
Korrelationen beschreiben nur Zusammenhänge. Das absolute Niveau wird dadurch nicht erfasst und
könnte durchaus von den Adoptiveltern beeinflusst sein!
In Korrelationskoeffizienten spiegelt sich immer nur ein spezifischer Zusammenhang. Adoptiveltern
könnten ihre Kinder durch viele Eigenschaften positiv beeinflussen, die mit der Intelligenz nicht oder
nur zum Teil erfasst werden z.B. liebevolle Zuwendung
Zusammenfassung populationsgenetischer Studien
1. Stammbaumanalysen & Verwandtschaftsähnlichkeit
o Dokumentation physischer, psychischer Erkrankungen, besonderer Begabungen
o Über eine weitverzweigte Verwandtschaft
2. Zwillingsuntersuchungen
o Vergleich eineiiger & zweieiiger Zwillingspaare hinsichtlich ihrer Merkmalsähnlichkeit
o Adoptionsstudien nach der Geburt getrennter EZ
3. Adoptionsstudien allgemein
o Vergleich von Adoptivkindern mit ihren leiblichen bzw. Adoptivfamilien
Der Heritabilitätskoeffizient
genetisch bedingte Varianz
H=
phänotypische Varianz
Kann Werte zwischen 0 & 1 annehmen.
Wert von 0: gesamte Merkmalsvarianz geht auf die Umwelt zurück
Wert von 1: gesamte Merkmalsvarianz geht auf die Anlage zurück
Schätzung des genetischen Einflusses
Doppelte Differenz r EZ – r ZZ
, Entwicklungspsychologie
Doppelte Differenz r Geschwister – r Adoptivgeschwister
Interpretation populationsgenetischer Ergebnisse
3. Nicht auf ein Individuum anwendbar
3. Abhängig von den Varianzen in der Population
3. Abhängig vom Alter der Stichprobe
Gedankenexperiment
Homogene Umweltbedingungen
Alle Kinder gleich gefördert
Restunterschiede gehen allein auf Anlagen zurück
Heritabilitätskoeffizient = 1
Hohe Erblichkeitskoeffizienten bedeuten nicht, dass Förderung nicht möglich oder sinnvoll wäre !!!
„Reinzüchtung“ eines Merkmals
Alle haben die gleiche genetische Ausstattung
Restunterschiede gehen allein auf Umwelt zurück
Heritabilitätskoeffizient = 0
Altersabhängigkeit von Erblichkeitskoeffizienten
Koeffizienten steigen bis ins Jugendalter an
IQ-Korrelationen von Adoptivkindern mit biologischen Müttern steigen
IQ-Korrelationen von Adoptivkindern mit Adoptiveltern & -geschwistern fallen
Anlage-Umwelt-Passung
1. Passive Genotyp-Umwelt-Passung (Eltern gestalten Angebote)
2. Evokative Genotyp-Umwelt-Passung (Eltern reagieren mit Angeboten auf Kind)
3. Aktive Genotyp-Umwelt-Passung (Kind wählt Angebote selbst)
Mit steigendem Alter gewinnen Anlagen an Bedeutung, Milieuunterschiede verlieren an Bedeutung
Geteilte & nicht geteilte Umwelten von Geschwistern
Bisher sind wir von ähnlichen Umweltbedingungen innerhalb einer Familie ausgegangen
Geschwister teilen aber nur einen Ausschnitt ihrer Umweltbedingungen
Das gleiche gilt in noch stärkerem Maß für andere Verwandte
Nicht geteilte Umwelten können in direkt trotzdem einen Einfluss auf das andere Geschwister haben
(z.B. Schwester geht in den Chor, singt dann die Lieder mit ihrem Bruder und beeinflusst damit sein
Interesse an Musik)
Geteilte Umwelten können unterschiedlichen Einfluss auf die Geschwister haben (z.B. Beide
Geschwister gehen in den Chor, der Bruder möchte nun auch Klavierunterricht haben, die Schwester
möchte nie wieder mit Musik zu tun haben)
Objektiv geteilte Umwelt
Effektiv geteilte Umwelt
Individuelle(effektivnichtgeteilte) Umwelteinflüsse haben wahrscheinlich einen sehr großen Einfluss
auf psychologische Merkmale (Relativierung der klassischen Sozialisationsforschung)
Fazit
Anlagen und Umwelt stehen in einem komplexen Wechselspiel.
Anlagen können als Potential interpretiert werden, sie determinieren nicht, wie sich jemand
tatsächlich entwickelt.
Der relative Einfluss von Anlage und Umwelt kann immer nur für Populationen interpretiert werden,
niemals für ein Individuum.
Die gefundene Erblichkeit eines Merkmales ist abhängig von der Umweltvarianz in der Population.
Auch eine hohe Erblichkeit bedeutet nicht, dass Umwelteinflüsse keine Rolle spielen!
Theorien über grundlegende Prozesse der Entwicklung
Die Anlage-Umwelt-Debatte resultierte in Entwicklungstheorien mit unterschiedlichen Schwerpunkten:
Exogenistische Modelle
1. Voraussetzungen & Grundlagen
Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit Veränderungen von Menschen.
Definition des Entwicklungsbegriffs
Veränderung, die wir Entwicklung nennen, sind:
1. Auf das Lebensalter bezogen (Abgrenzung z.B. von Lernen, Vergessen, Adaptieren,
Einstellungsänderungen, etc.)
2. Dauerhaft oder nachhaltig wirksam
Wichtig: Lebensalter an sich ist keine Erklärung! Es muss mach den Prozessen gesucht werden, die mit dem
steigenden Alter einhergehen.
Entwicklungspsychologische Fragen
Was verändert sich? Wie verändert es sich? Beobachten, Beschreiben
Warum verändert es sich? Erklären, Vorhersagen
Wie ist Entwicklung beeinflussbar? Fördern, Evaluieren
Wie wird der Erfolg von Entwicklungsmaßnahmen überprüft?
Entwicklungsprinzipien
Die Entwicklung von Menschen ist in einem bestimmten Ausmaß universell/vergleichbar:
Entwicklungsschritte nimmt mit dem Alter ab
Entwicklung ist interindividuell unterschiedlich Allgemeiner Ablauf mit individuellen Unterschieden
Entwicklung ist eine Interaktion von Anlage und Umwelt
Stabilität, Stagnation & Verlust gehören auch zur Entwicklung besonders stark im hohen Alter
Entwicklungsmotoren
Reifung – biologischer Reifungsprozess wachsen
Anpassung an die Umwelt
Reifung
Gengesteuerte Struktur- & Funktionsveränderungen
Die Beschreibung von Reifungsprozessen ist weniger Gebiet der Psychologie, eher der Biologie
Die Auswirkung von Reifungsprozessen und ihr Zusammenspiel mit Anpassungsprozessen sind aber
natürlich Gegenstand der Entwicklungspsychologie wichtig bei Säuglingen & Kleinkindern
Entwicklung durch Reifung
Entwicklungsschritt findet bei allen Kindern zu einem ähnlichen Zeitpunkt statt, wenn er nicht extrem
gestört wird
Entwicklungsschritt kann durch Übung kaum vorverlegt werden
Entwicklungsschritt findet sogar dann statt, bzw. wird nachgeholt, wenn Lernmöglichkeiten stark
eingeschränkt werden starker Schub
Kinder welche wenig Anregung bekommen
Bsp. Selbstständiges Gehen um den 13. Monat
Reifestand
Ein Entwicklungsschritt kann leicht erreicht werden, wenn das Kind „reif“ dafür ist
Versucht man es „zu früh“, wird es mühsam oder scheitert
Sensible Perioden
,Entwicklungspsychologie
kann nicht wissenschaftlich festgemacht werden
Perioden, in denen spezifische Bedingungen maximal nutzen bzw. schaden können
Nach „Schließen des Fensters“ ist eine optimale Entwicklung nicht mehr möglich
Experimentelle Überprüfung an Kinder ethisch nicht vertretbar! Daher stammen Daten v.a. von
deprivierten oder traumatisierten Kindern bzw. von Menschen mit Beeinträchtigungen (Bsp. Sehsinn)
Beispiele:
Spracherwerb bis zum 7.Lebensjahr
Wenn Schwierigkeiten mit der Muttersprache, dann sind andere Sprachen später auch schwierig zu
erlernen
Übernahme von Hirnfunktionen nach Hirnverletzungen durch andere Regionen bei Kindern (später
unwahrscheinlicher)
Entwicklung der visuellen Verarbeitung bei Menschen, die von Anfang an oder sehr früh blind waren
und den Sehsinn später hinzu gewannen (z.B. durch Operation)
Förderprogramme im Vorschulalter sind sinnvoll und wirksam
Effekte bleiben aber nur erhalten, wenn weiter gefördert wird!
Umwelt muss dauerhaft verändert werden!
Die Anlage-Umwelt-Problematik
Gewichtung von Anlage und Umwelteinflüssen bei der Entwicklung einer Eigenschaft bei einem
Individuum Nicht Beantwortbar! Anlage & Umwelt wirken nicht additiv!
Entwicklung
= Interaktion von genetischen Faktoren (z.B. umgängliches Temperament) und Umwelt (z.B.
Interaktionshäufigkeit).
Beispiel:
Genetischer Faktor: umgängliches Temperament
Umweltfaktor: viel Zuwendung durch Betreuungspersonen
Beides führt zu guter sozialer Entwicklung
Aber: umgängliches Temperament beeinflusst Interaktionshäufigkeit mit Betreuungspersonen
einfach addieren ist nicht möglich
WECHSELWIRKUNG da nicht unabhängig von einander
Sinnvoll ist die Frage nach dem Anteil von Anlagen und Umwelt an Merkmalsunterschieden in einer Population.
Deswegen Anlage-Umwelt-Debatte so schwierig!
Annäherung an das Anlage-Umwelt-Problem
1. Erfassung der Entwicklungsumwelt
o Nur in Ausschnitten möglich
o Viele Varianten möglich
o Speziesnormale (Min. damit Kind groß wird) vs. Kulturnormale Entwicklung
o Innerhalb dieser „Normalbereiche“ (sehr groß) breite Varianz an Entwicklungsergebnissen
2. Erfassung von Erbunterschieden
o Erbganganalysen – spielen eher eine Rolle bei „einfachen“ Merkmalen, wie Erbkrankheiten,
kaum bei kontinuierlichen psychologischen Variablen
o Populationsgenetische Analysen
o Psychologische Merkmale werden nicht wie einfache Merkmale vererbt
Populationsgenetische Analysen
Klassische Methode: Stammbaumanalyse
Familiäre Häufung bestimmter Talente z.B. „English Men of Science“ (Francis Galton, 1887)
i.d.R aus Familien, in den es viele Wissenschaftler gab
Problem: Konfundierung von Anlage- & Umweltunterschieden
Aufhebung der Konfundierung:
Zwillingsstudien
Adoptionsstudien
Zwillingsstudien
Vergleich von Eineiigen Zwillingen & Zweieiigen Zwillingen
,Entwicklungspsychologie
Idee:
Zwillingspaare wachsen in extrem ähnlicher Umwelt auf. Sind sich die EZ ähnlicher als die ZZ, deutet
dies auf Einfluss der Erbanlagen hin
Vergleich von EZ & ZZ Früh getrennte Zwillinge anschauen
Problem:
EZ werden ähnlicher behandelt als ZZ
Lösung:
Studien mit früh getrennten Zwillingen
Adoptionsstudien allgemein
Idee:
Adoptivkinder & Adoptiveltern/-geschwister sind nicht genetisch verwandt. Ähnlichkeiten sprechen
für Umwelteinflüsse
Adoptivkinder sind unbeeinflusst von der Umwelt ihrer leiblichen Eltern/Geschwister. Ähnlichkeiten
sprechen für Anlageeinflüsse
Voraussetzung:
Ausschluss selektiver Platzierung
Kinder dürfen nicht im ähnlichen Umfeld bleiben! (Oma, Freunde)
genetisch nicht verwandt, ähneln sie sich, dann Umwelteinfluss
Durchschnittliche Intelligenztestkorrelationen zwischen Eltern & Kindern
Oerter & Montada
Intelligenteste Mutter = intelligentestes Kind (wenn Korrelationsränge gleich)
o Je verwandter, desto höher die Korrelation
o Korrelation zwischen Eltern & Kindern geringer als zwischen Geschwistern
Korrelation sagt nichts über das Niveau aus
Interpretation populationsgenetischer Daten
Vorsicht vor voreiligen Schlüssen:
Aussagen nicht so stark generalisieren
Korrelationen beschreiben nur Zusammenhänge. Das absolute Niveau wird dadurch nicht erfasst und
könnte durchaus von den Adoptiveltern beeinflusst sein!
In Korrelationskoeffizienten spiegelt sich immer nur ein spezifischer Zusammenhang. Adoptiveltern
könnten ihre Kinder durch viele Eigenschaften positiv beeinflussen, die mit der Intelligenz nicht oder
nur zum Teil erfasst werden z.B. liebevolle Zuwendung
Zusammenfassung populationsgenetischer Studien
1. Stammbaumanalysen & Verwandtschaftsähnlichkeit
o Dokumentation physischer, psychischer Erkrankungen, besonderer Begabungen
o Über eine weitverzweigte Verwandtschaft
2. Zwillingsuntersuchungen
o Vergleich eineiiger & zweieiiger Zwillingspaare hinsichtlich ihrer Merkmalsähnlichkeit
o Adoptionsstudien nach der Geburt getrennter EZ
3. Adoptionsstudien allgemein
o Vergleich von Adoptivkindern mit ihren leiblichen bzw. Adoptivfamilien
Der Heritabilitätskoeffizient
genetisch bedingte Varianz
H=
phänotypische Varianz
Kann Werte zwischen 0 & 1 annehmen.
Wert von 0: gesamte Merkmalsvarianz geht auf die Umwelt zurück
Wert von 1: gesamte Merkmalsvarianz geht auf die Anlage zurück
Schätzung des genetischen Einflusses
Doppelte Differenz r EZ – r ZZ
, Entwicklungspsychologie
Doppelte Differenz r Geschwister – r Adoptivgeschwister
Interpretation populationsgenetischer Ergebnisse
3. Nicht auf ein Individuum anwendbar
3. Abhängig von den Varianzen in der Population
3. Abhängig vom Alter der Stichprobe
Gedankenexperiment
Homogene Umweltbedingungen
Alle Kinder gleich gefördert
Restunterschiede gehen allein auf Anlagen zurück
Heritabilitätskoeffizient = 1
Hohe Erblichkeitskoeffizienten bedeuten nicht, dass Förderung nicht möglich oder sinnvoll wäre !!!
„Reinzüchtung“ eines Merkmals
Alle haben die gleiche genetische Ausstattung
Restunterschiede gehen allein auf Umwelt zurück
Heritabilitätskoeffizient = 0
Altersabhängigkeit von Erblichkeitskoeffizienten
Koeffizienten steigen bis ins Jugendalter an
IQ-Korrelationen von Adoptivkindern mit biologischen Müttern steigen
IQ-Korrelationen von Adoptivkindern mit Adoptiveltern & -geschwistern fallen
Anlage-Umwelt-Passung
1. Passive Genotyp-Umwelt-Passung (Eltern gestalten Angebote)
2. Evokative Genotyp-Umwelt-Passung (Eltern reagieren mit Angeboten auf Kind)
3. Aktive Genotyp-Umwelt-Passung (Kind wählt Angebote selbst)
Mit steigendem Alter gewinnen Anlagen an Bedeutung, Milieuunterschiede verlieren an Bedeutung
Geteilte & nicht geteilte Umwelten von Geschwistern
Bisher sind wir von ähnlichen Umweltbedingungen innerhalb einer Familie ausgegangen
Geschwister teilen aber nur einen Ausschnitt ihrer Umweltbedingungen
Das gleiche gilt in noch stärkerem Maß für andere Verwandte
Nicht geteilte Umwelten können in direkt trotzdem einen Einfluss auf das andere Geschwister haben
(z.B. Schwester geht in den Chor, singt dann die Lieder mit ihrem Bruder und beeinflusst damit sein
Interesse an Musik)
Geteilte Umwelten können unterschiedlichen Einfluss auf die Geschwister haben (z.B. Beide
Geschwister gehen in den Chor, der Bruder möchte nun auch Klavierunterricht haben, die Schwester
möchte nie wieder mit Musik zu tun haben)
Objektiv geteilte Umwelt
Effektiv geteilte Umwelt
Individuelle(effektivnichtgeteilte) Umwelteinflüsse haben wahrscheinlich einen sehr großen Einfluss
auf psychologische Merkmale (Relativierung der klassischen Sozialisationsforschung)
Fazit
Anlagen und Umwelt stehen in einem komplexen Wechselspiel.
Anlagen können als Potential interpretiert werden, sie determinieren nicht, wie sich jemand
tatsächlich entwickelt.
Der relative Einfluss von Anlage und Umwelt kann immer nur für Populationen interpretiert werden,
niemals für ein Individuum.
Die gefundene Erblichkeit eines Merkmales ist abhängig von der Umweltvarianz in der Population.
Auch eine hohe Erblichkeit bedeutet nicht, dass Umwelteinflüsse keine Rolle spielen!
Theorien über grundlegende Prozesse der Entwicklung
Die Anlage-Umwelt-Debatte resultierte in Entwicklungstheorien mit unterschiedlichen Schwerpunkten:
Exogenistische Modelle