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Klausurzusammenfassung - Sozialpsychologie

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Klausurzusammenfassungen von Sozialpsychologie, mit allen Altklausurfragen.

Inhaltsvorschau

Sozialpsychologie – 10.2019
Aufgabe 1
a) Grenzen Sie Selbstkonzept und Selbstwertgefühl voneinander ab.

➔ Selbstkonzept = „Wer bin ich?“, „Was kann ich?“.= Beschreibung der Annahmen von Personen bzgl. ihrer
eigenen Eigenschaften
und Fähigkeiten (z.B. intelligent, sportlich, körperlich attraktiv). Diese Selbsteinschätzungen in ihrer Gesamtheit
bilden das Selbst bzw. das Selbstkonzept einer Person.
➔ Selbstwertgefühl = „Was bin ich wert?“ und ergibt sich aus den positiven/negativen subjektiven Bewertungen
dieser Selbsteinschätzungen (z.B. „Es ist gut, dass ich intelligent bin.“ und „Es ist nicht so gut, dass ich so
unsportlich bin.“).

Das Selbstkonzept und das Selbstwertgefühl resultieren aus einer Vielzahl von Ereignissen und Gegebenheiten.

b) Beschreiben Sie die Selbstwahrnehmungstheorie nach Bem und nennen Sie Beispiele.

Selbstwahrnehmungstheorie = Personen haben oftmals nicht genügend Informationen, um eigene Gefühle und
andere interne Zustände genau benennen zu können. Sie sind daher in der gleichen Lage wie ein
außenstehender Beobachter, der aus Verhaltensbeobachtungen auf die internen Zustände von Personen
schließen muss. Beispiel: Person, die ihre Vorlesungsmitschriften immer ordentlich abheftet,
ihren Abwasch jeden Abend angeht und ihre CD-Sammlung alphabetisch geordnet im Regal stehen hat, z. B.
daraus schließen, dass sie sowohl eine selbstdisziplinierte als auch ordnungsliebende Person ist

c) Nennen Sie mindestens drei Strategien zum Selbstwertschutz und Selbstwerterhöhung.

1. self-serving bias = selbstwertdienliche Attributionsasymmetrie
Eigene Leistungserfolge werden vorwiegend auf interne Faktoren wie Fähigkeiten und Anstrengung. Eigene
Misserfolge dagegen auf externe Faktoren zurückgeführt, wie Aufgabenschwierigkeit und Pech.

2. self-handicapping = selbstwertdienlichen Attributionen quasi aktiv vorzubereiten
Um eine defensive (selbstwertdienliche, Attribution) vorzubereiten, legt Person ein „Handicap“ zu (z.B.
unausgeschlafen in eine Prüfung gehen). Nach erbrachter Leistung kann es für möglichen Misserfolg
verantwortlich gemacht werden oder den Erfolg noch aufwerten.

3. sandbagging = selbstwertschützende bzw. selbstwerterhöhende Attributionen vorzubereiten
schwere Umstände für die eigene Leistungserbringung erzeugen/betonen und damit die Erwartungshaltung
anderer Personen gering zu halten.

4. above average effect = eigene Fähigkeiten als überdurchschnittlich wahrnehmen
Aufgrund dieser Strategien können Selbsteinschätzungen von Personen über ihr Verhalten in bestimmten
positiver ausfallen als die Einschätzungen von Beobachtern. Personen bewerten Fähigkeiten als
überdurchschnittlich und in ihren Stärken einmalig wahrzunehmen.

5. false consensus effect = Annahme, verbreitete und akzeptierte Meinungen zu besitzen
Personen gehen davon aus, verbreitete/akzeptierte Meinungen zu vertreten + überschätzen, inwieweit
andere Personen ihre Meinung wirklich teilen.


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, 6. Downward comparison = Auswahl von Vergleichspersonen die schlechter abschneiden als man selbst

7. Selektive Informationssuche = Aktive Suche nach selbstwertdienlichen Informationen über die eigene Person

d) Warum stellen sich Menschen manchmal negativ dar? Nennen Sie Beispiele für verbale/nonverbale
Selbstdarstellung.

Positive Darstellung:
Verbal → auf eigene Vorzüge hinweisen (self-promotion/-enhancement/-appreciation), z.B. Kompetenz,
Expertise, Leistungsstärke, Vertrauenswürdigkeit, Sympathie, etc.
Non-verbal → durch Kleidung, Statussymbole, Umgangsformen einen positiven Eindruck (z.B. Expertise)
erzeugen bzw. unterstreichen

Negative Darstellung:
Verbal → eigene Leistung abwerten bzw. absichtlich schlechte Leistung erbringen (self-depreciation),
hinderliche Umstände für die eigene Leistungserbringung erzeugen/betonen (self-handicapping), eigene Leistung
unterbewerten (understatement), sich hilfsbedürftig, unfähig etc. darstellen (supplication), persönliche
Einschränkungen, z.B. Erkrankungen, und Unzulänglichkeiten betonen (broadcasting limitations)
Non-verbal → durch Kleidung, Statussymbole, Umgangsformen einen negativen Eindruck (z.B. Hilflosigkeit)
erzeugen bzw. unterstreichen


Aufgabe 2
a) Welche psychologischen Nutzen haben Einstellungen?

Neben der Verhaltensregulation und der Erleichterung der Umweltbewältigung sind Einstellungen auch auf
andere Weise von psychologischem Nutzen. Die Abwertung der Fremdgruppe und die Aufwertung der
Eigengruppe dienen z.B. dem Selbstwert.
Auf allgemeinerer Ebene vermitteln positive und negative Einstellungen Identität und Zugehörigkeit und
erleichtern die Selbstdefinition (z.B. „ich bin Feministin“; „mir ist Umweltschutz wichtig“). Dabei geht es aber
nicht nur um die Funktion, eine bestimmte Einstellung zu haben, sondern auch um die Funktion, eine Einstellung
auszudrücken. Gerade bei Einstellungen, die der sozialen Identität dienen, spielt das öffentliche Ausdrücken und
Ausleben der Einstellung eine wichtige Rolle und trägt dazu bei, die soziale Identität und Zugehörigkeit zu
stärken.

b) Erklären Sie das Verfahren zur Ermittlung von Einstellungen und dessen Vor- und Nachteile

Der Implicit Association Test (IAT) ist ein verbreitetes Verfahren zur Messung impliziter Einstellungen. Er
funktioniert durch Kategorisierungsaufgaben am Computer, bei denen Probanden Reize bestimmten
Zielkategorien zuordnen. Der Test misst die Reaktionszeiten bei der Assoziation von Konzepten, was
Rückschlüsse auf implizite Vorurteile ermöglicht.

Vorteile des IAT:
1. Indirekte Messung: Er erfasst Einstellungen, die nicht bewusst sind.
2. Schnelle Durchführung: Er liefert in kurzer Zeit Ergebnisse.
3. Breites Anwendungsfeld: Einsatz in verschiedenen Bereichen wie Vorurteilsforschung.

Nachteile des IAT:
1. Kritik an Validität: Ergebnisse können durch andere Faktoren beeinflusst werden.
2. Sensibilität der Stimuli: Die Auswahl der Reize erfordert große Sorgfalt.
3. Interpretationsschwierigkeiten: Unterschiede in Reaktionszeiten sind nicht immer eindeutig interpretierbar.
2

, Insgesamt ist der IAT ein nützliches, aber auch umstrittenes Instrument zur Messung impliziter Einstellungen.




c) Erklären und erläutern Sie das „elaboration-likelihood-Modell“.

Das Elaboration-Likelihood-Modell (ELM) beschreibt, wie Menschen Informationen verarbeiten und ihre
Einstellungen ändern. Es unterscheidet zwei Hauptwege der Verarbeitung: die zentrale und die periphere Route.

Bei der zentralen Route sind die Empfänger hoch motiviert und verfügen über die Fähigkeit, sich intensiv mit den
Argumenten auseinanderzusetzen. Hier führt die Qualität der Argumente zu stabilen und langanhaltenden
Einstellungsänderungen. Diese Route wird gewählt, wenn das Thema persönlich relevant ist und genügend
kognitive Ressourcen zur Verfügung stehen.

Die periphere Route hingegen kommt zum Einsatz, wenn Motivation oder Fähigkeit zur tiefgehenden
Verarbeitung fehlen. In diesem Fall beeinflussen eher oberflächliche Merkmale, wie die Attraktivität des
Sprechers oder emotionale Appelle, die Einstellungen. Die Veränderungen, die über diese Route entstehen, sind
meist weniger stabil und anfälliger für Gegenargumente.

In der Praxis, etwa in der Werbung oder in der politischen Kommunikation, nutzen Akteure das ELM, um ihre
Botschaften effektiver zu gestalten. Sie passen ihre Strategien entsprechend der erwarteten Verarbeitung der
Zielgruppe an, um maximale Überzeugungskraft zu erzielen.



Aufgabe 3
a) Was sagt die Empathie-Altruismus-Hypothese aus?

Die Empathie-Altruismus-Hypothese von C. Daniel Batson besagt, dass Mitgefühl gegenüber einer in Not
geratenen Person altruistisches Verhalten fördert. Dies bedeutet, dass Menschen, die starkes Mitgefühl
empfinden, eher geneigt sind, zu helfen, unabhängig davon, ob sie der Situation entfliehen können oder nicht.
Im Gegensatz dazu führt persönliches Unbehagen eher zu egoistischer Motivation, um das eigene Unwohlsein zu
verringern, wobei Hilfe eher geleistet wird, wenn die Flucht vor der Situation schwierig ist.
Obwohl kontrovers diskutiert wird, ob altruistisches Verhalten ausschließlich durch Mitgefühl motiviert ist oder
auch egoistische Aspekte beinhaltet, unterstützen viele Studien die Grundannahme, dass Mitgefühl ein
wesentlicher Antrieb für prosoziales Verhalten ist, das oft als Kontinuum zwischen rein altruistisch und egoistisch
motivierten Handlungen verstanden wird.

b) Beschreiben Sie das 5-Stufen-Modell der Hilfeleistung

Das 5-Stufen-Modell der Hilfeleistung beschreibt die verschiedenen Phasen, die eine Person durchläuft, bevor sie
Hilfe leistet.

1. Wahrnehmung des Vorfalls: Die erste Phase beginnt mit der Wahrnehmung eines Vorfalls oder einer Notlage
durch die Person. Dies umfasst die Erkennung eines Problems oder einer Gefahr, die Hilfe erfordert.

2. Einordnung als Notfall: In der zweiten Phase entscheidet die Person, ob es sich tatsächlich um einen Notfall
handelt, der eine Handlung erfordert. Diese Einschätzung erfolgt unter Berücksichtigung persönlicher
Normen und Standards.
3

, 3. Verantwortung übernehmen: Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, wird durch mehrere
Faktoren beeinflusst. Beispielsweise spielen Verhaltensvorbilder und Normen eine Rolle: Wenn andere in
ähnlichen Situationen Verantwortung übernehmen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch die betreffende
Person dies tut.

4. Wahrnehmung der eigenen Handlungskompetenzen: Die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und
Handlungskompetenzen ist entscheidend dafür, ob die Person sich in der Lage fühlt, Hilfe zu leisten.
Trainings zur Förderung von Zivilcourage zeigen, dass Menschen eher bereit sind, Verantwortung zu
übernehmen, wenn sie wissen, wie sie effektiv handeln können.

5. Identifikation mit beteiligten Gruppen: Die Identifikation mit der verantwortlichen oder betroffenen Gruppe
beeinflusst ebenfalls die Bereitschaft zur Hilfeleistung. Menschen neigen dazu, Verantwortung zu
übernehmen, wenn sie sich als Teil einer Gruppe fühlen, die traditionell für das Wohl anderer sorgt oder
stark von einer Situation betroffen ist.

Diese Phasen verdeutlichen, wie komplexe soziale und psychologische Faktoren die Entscheidung zur
Hilfeleistung beeinflussen können, wobei persönliche Überzeugungen, emotionale Reaktionen und situative
Einflüsse eine bedeutende Rolle spielen.


Aufgabe 4
a) Welche Funktionen haben soziale Vergleiche?

Soziale Vergleiche erfüllen mehrere Funktionen in der psychologischen und sozialen Entwicklung einer Person.
Zum einen dienen sie als Quelle selbstbezogener Informationen, indem Individuen ihre eigenen Fähigkeiten und
Eigenschaften durch den Vergleich mit anderen bewerten können. Dieser Prozess ermöglicht es, Einschätzungen
über die eigene Leistungsfähigkeit in verschiedenen Bereichen wie Schule oder Arbeit zu gewinnen. Soziale
Vergleiche sind auch ein wesentlicher Bestandteil der Selbstwerterhaltung und -verbesserung, da sie helfen
können, das Selbstwertgefühl zu stärken. Indem Personen sich mit anderen vergleichen, die schlechter
abschneiden (downward comparison) oder durch Abwertung der Vergleichspersonen, können sie ihr eigenes
Selbstwertgefühl aufrechterhalten oder steigern.

Darüber hinaus bilden soziale Vergleiche die Grundlage für persönliche Standards und Ziele. Indem Menschen
sich mit anderen messen, die ein Ideal verkörpern, wie etwa extrem schlanken Körpern bei Topmodels, setzen
sie sich Ziele und entwickeln Standards für sich selbst. Die Erfüllung oder Nichterfüllung dieser Standards kann
wiederum das Selbstwertgefühl beeinflussen, indem es zu positiven oder negativen Bewertungen der eigenen
Leistung führt. Insgesamt spielen soziale Vergleiche eine komplexe Rolle bei der Selbstwahrnehmung und
Selbstbewertung einer Person, wobei sowohl kognitive Prozesse als auch soziale Einflüsse eine wichtige Rolle
spielen.

b) Erklären Sie die Theorie der sozialen Identität.
Die Theorie der sozialen Identität, entwickelt von Henri Tajfel und John Turner (1979), basiert auf
Untersuchungen im Minimalgruppen-Paradigma. Dieses Paradigma wurde entwickelt, um
Intergruppenbeziehungen unter Bedingungen zu untersuchen, die eine minimale Gruppenzugehörigkeit
simulieren, ohne persönliche Interaktion oder rationale Verbindung zu bestehendem Verhalten. In diesem
experimentellen Setup bleiben die Gruppenmitgliedschaften anonym, und es gibt keine persönlichen Interessen,
die durch die Entscheidungen der Teilnehmer beeinflusst werden können.



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Dokument Information

Hochgeladen auf
8. september 2026
Anzahl der Seiten
33
geschrieben in
2026/2027
Typ
Prüfung
Enthält
Fragen & antworten
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