Persönlichkeitspsychologie
Wissenschaft
➔ Psychologie ist die Wissenschaft vom menschlichen Erleben & Verhalten
➔ Hauptaufgaben:
o Beschreiben, Verstehen, Erklären, Vorhersagen & Änderung menschlichen
Erlebens & Verhaltens
Nutzen
• Individuelle Besonderheiten z.B. im Kindes- & Jugendalter werden analysiert &
systematisiert
• Untersuchung der Entwicklung von Persönlichkeiten hinsichtlich Kulturen,
Geschlechter, Entwicklungsbiografien, usw.
Abgrenzungen:
Differenzielle Psychologie: Unterschiede von Menschen
Klinische Psych.: pathologischen Besonderheiten von Menschen
Allgemeine Psych.: zeigt Gemeinsamkeiten von Menschen auf
Skript 2: Einführung Differentielle Psychologie &
Persönlichkeitspsychologie
1/9: Psychodynamisch
Begriffsbestimmung:
Individuum: Jung, 2013, Absatz 749
„Individuum ist Einzelwesen; das psychologische Individuum ist charakterisiert durch
seine eigenartige und in gewisser Hinsicht einmalige Psychologie. Die Eigenart der
individuellen Psyche erscheint weniger an ihren Elementen als vielmehr an ihren
komplexen Gebilden, das heißt, an deren eigenartiger und einzigartiger Gruppierung und
Kombination“
• Einzelwesen: biologisch = der Körper vs. psychologisches Individuum
• Einmalige Psychologie: Wie dein Innenleben beschaffen ist durch
spezifische Gewichtung (Jung sagt, dass Psyche aus vielen Teilfunktionen
besteht, die bei jedem unterschiedlich zusammengesetzt & ausgeprägt ist
, o Person A: logisches Denken dominiert & Gefühle eher im Hintergrund
o Person B: Mischung aus starker Intuition & tiefsitzender
Kindheitserfahrung
• Eigenartige Psychologie: Charakteristische Struktur die durch
Mischverhältnis und Vernetzung entsteht
• Elemente: Psychologische Grundbausteine die alle teilen (Grundbedürfnisse,
Angst, Freude usw.)
• Komplexe Gebilde: Einzigartigkeit entsteht nicht durch völlig neue Bausteine,
sondern durch spezifische Art & Weise wie diese zusammengesetzt sind
EB: Legosteine -> Jeder bekommt die gleichen Teile aber baut
unterschiedliches daraus
➔ Praxisanwendung: Um einen Menschen zu verstehen, reicht es nicht aus
einzelnen Eigenschaften zu testen. Das Gesamtbild aus Erfahrungen, Trieben
und Verhaltensweisen muss betrachtet werden.
Temperament:
a) Verhaltensstil => wie jemand etwas tut, nicht was er tut (Lebhaftigkeit, Aktivität,
Emotionalität
b) Kern der Persönlichkeit => Einstellungen, Wertehaltungen, Überzeugungen, Motive,
Bedürfnisse in Abgrenzung zu Fähigkeiten (wie Intelligenz)
Charakter:
Person handelt moralisch integer & verantwortungsvoll (Wertefundament
was gelebt wird)
„Charakteristisch“ => Verhaltensweisen, die eine Person öfter zeigt
Persönlichkeit: Asendorpf, 2007
„Persönlichkeit ist die nichtpathologische Individualität eines Menschen in körperlicher
Erscheinung, Verhalten und Erleben im Vergleich zu einer Referenzpopulation von
Menschen gleichen Alters und gleicher Kultur."
• Nichtpathologische Individualität: „normale“ Unterschiede zwischen
Menschen die nicht mit psychischen Krankheiten einhergehen (= gesunde
Vielfalt)
• Erleben: Was im Inneren passiert (Gedanken, Gefühle usw.)
• Referenzpopulation: Laut Asendorpf ist man nicht „an sich“ mutig oder
schüchtern, sondern immer nur im Vergleich zu anderen, z.B.:
o Alter: Unterschied, ob ein 5-jähriger ständig weint (normal) oder ein 20-
jähriger in der Vorlesung (Persönlichkeitsbesonderheit)
, o Kultur: In manchen ist es normal, laut zu diskutieren in anderen ist es
unhöflich
Disposition (Trait): Asendorpf, 2015
„Disposition ist ein Merkmal einer Person, das eine mittelfristige zeitliche Stabilität
aufweist, d.h. zumindest Wochen oder Monate überdauert. Eine Disposition veranlasst
die Person dazu, in bestimmten Situationen ein bestimmtes Verhalten zu zeigen“
• Bspw.: generell eine Person, die schnell reizbar ist
• Trait (Zimbardo & Gerrig, 2004): „Trait ist eine überdauernde persönliche
Eigenschaft oder ein Attribut, das das Verhalten über verschiedene Situationen
hinweg beeinflusst
o Stabilität des Verhaltens & Erlebens in weitgehend identischen
Situationen
Psychologische Züge: Körperliche Erscheinungen & Typen
Bedürfnisse: Motive & Triebe
Interessen: Sportliche, musikalische oder fachliche Präferenzen
Eignungen: Intelligenz, Qualifikation & Fähigkeiten
Einstellungen: Religiöse, politische
Temperamente: Impulsivität, Extraversion, Emotionalität
Zustand (State):
„States sind situations- oder zeitbedingte (aktuelle) Unterschiede im Verhalten &
Erleben einer Person, die sich ändern können. Es handelt sich hierbei um temporäre
Zustände von Aktivation, Entspannung, positiver & negativer Affektivität.“
Stimmung: negative und positive Affekte
Episoden von Erlebenszuständen: Depressive Episoden, Angst, akute
Erschöpfung
Temporäre Verhaltensmuster: Unpünktlichkeit, unzuverlässig,
zuvorkommend
Motivationale Tendenzen: Aktivierung vs. Deaktivierung, Aufmerksamkeit
Differenzierung States vs. Traits: häufig konzeptuell nicht klar gegeben, da sich Traits
unter Umständen mathematisch als Kumulierung von States bestimmen lassen & die
zeitlichen Übergänge zwischen aktuellen & habituellen Zuständen fließend sind.
Alltagspsychologie vs. Wissenschaft:
Persönlichkeitstheorien
Alltagspsychologie:
, • Nutzung: schnelle & möglichst genaue Einschätzung einer Person
• Besetzung: differenziert & emotional
• Inhalt: enthält Meinungen, die wir schnell ändern können & viele tiefsitzende
Überzeugungen, die wir nur schwer aufgeben.
Naive Prozesstheorie vs. Dispositionstheorie: Prof. Dr. Uwe
Laucken, 1974
➔ Erklärungsmuster schließen sich nicht aus, sondern können sich auch
kombinieren
➔ Zur Erklärung/Charakterisierung der Persönlichkeit werden häufig (vermeintliche
& tatsächliche) Dispositionen herangezogen, als auch leicht beobachtbare
(körperliche) Merkmale (Gesichtsform, Größe, Schlankheit…)
Naive Prozesstheorie: besteht aus Vorstellungen über aktuell ablaufende Prozesse
der Informationsverarbeitung
Wahrnehmungsprozesse, kognitive, motivationsnahe & emotionale
Prozesse bis hin zu Prozessen der Verhaltensaktivierung
Bsp.: Warum fiel X durch die Prüfung? – Er hatte (in diesem Moment!)
einen emotionalen Block
Naive Dispositionstheorie: besteht aus Vorstellungen über Dispositionen
Überdauernde Merkmale der Person, die für ihr Verhalten verantwortlich
gemacht werden (z.B. Wissensbestände, Fähigkeiten,
Temperamentsmerkmale, Interessen)
Bsp.: Warum fiel X durch die Prüfung? – weil er (immer!) prüfungsängstlich
ist
Horizontale vs. vertikale Kopplungen:
Horizontale: kommt durch den Glauben zustande, dass bestimmte Dispositionen
gekoppelt auftreten
• Schöne Menschen = intelligenter
• Dicke Menschen = undisziplinierter
• Rechte politische Gesinnung = Ausländerfeindlichkeit
Vertikale: kommt durch den Glauben zustande, dass bestimmte Dispositionen
Spezialfälle umfassenderer Dispositionen sind
• Prüfungsängstlichkeit, Ängstlichkeit bei Blutentnahme & beim Sprechen vor
großen Gruppen => hängen zusammen, weil sie Spezialfälle der übergeordneten
Eigenschaft „Ängstlichkeit“ sind.