Zusammenfassung Produktionswirtschaft
Teil 1: Marktentwicklung; Leistungserstellung-angebot, Integrationsgrad;
Standortentscheidung
2.1 Wirtschaften und Ökonomisches Prinzip
Wirtschaften ist das planmäßige Handeln zur Befriedigung von Bedürfnissen unter Wahl
knapper Mittel. Das ökonomische Prinzip besagt, dass Akteure unter Knappheit eine
Nutzenmaximierung entsprechend ihrer Präferenzen anstreben.
2.2 Abgrenzung Betrieb und Unternehmen
• Betrieb: Kleinste Einheit wirtschaftlicher Handlungen.
• Unternehmen: Betriebe, die vornehmlich fremde Bedürfnisse decken.
• Haushalte: Betriebe, die vornehmlich eigene Bedürfnisse decken.
2.3 Sachziele und Formalziele
• Sachziele (WAS): Definieren, welche Produkte oder Dienstleistungen ein Unternehmen
herstellen und verkaufen möchte (z.B. Art und Menge der Produkte).
o Allgemeines Sachziel: Erzeugung von Gütern und Dienstleistungen zur Deckung
von Bedürfnissen.
o Spezielle Sachziele: Konkrete Festlegung von Produkten nach Art und Menge in
einem bestimmten Zeitraum.
• Formalziele (WIE): Definieren, wie die Sachziele erreicht werden sollen (Erfolgsziele).
o Wirtschaftlich: Gewinnerzielung, Kostendeckung.
o Technisch: Flexibilität in der Produktion.
o Sozial: Gesellschaftliche Verantwortung, humane Arbeitsbedingungen.
o Ökologisch: Umweltschutz.
• Nachhaltiges Wirtschaften: Gemeinsame Verfolgung von wirtschaftlichen, sozialen
und ökologischen Formalzielen.
2.4 Betriebliche Leistungserstellung
• Funktion: Entsteht durch Zusammenfassung gleichartiger Aufgaben.
• Funktionsbereich: Abgegrenzter Bereich zur Aufgabenerfüllung (z.B. Entwicklung,
Produktion, Absatz).
• Organigramm: Stellt die Funktionen als Elemente der Aufbauorganisation dar.
Kernfunktionen:
• Beschaffung: Versorgung des Unternehmens mit allen notwendigen Materialien, Teilen
und Dienstleistungen.
, • Produktion: Erstellung von Produkten/Dienstleistungen durch Kombination von
Produktionsfaktoren (Arbeit, Betriebsmittel, Material, Information).
• Absatz/Vertrieb: Verkauf der Produkte an Kunden.
• Logistik: Querschnittsfunktion, umfasst Transport, Lagerung und Umschlag von Waren
und Informationen zur Abstimmung zwischen Funktionsbereichen.
2.5 Effizienz und Effektivität
• Effizienz: Verhältnis zwischen Nutzen und Aufwand (Ressourcenschonung). Eine
Maßnahme ist effizient, wenn ein Ziel mit möglichst wenig Aufwand erreicht wird.
• Effektivität: Zielerreichungsgrad, Verhältnis von erreichtem zu angestrebtem Ziel
(erreichte Wirkung). Eine Maßnahme ist effektiv, wenn sie zur Zielerreichung beiträgt.
3. Strategische Entscheidungen in der Produktionswirtschaft
Strategische Entscheidungen betreffen das gesamte Unternehmen, sind langfristig bindend und
von höchster Relevanz.
3.1 Strukturentscheidungen
1. Leistungsangebot: Grundlegende Entscheidung über Produkte und Dienstleistungen,
die auf bestimmten Märkten angeboten werden (Nachfrage, Kundennutzen, Potenziale,
Wettbewerb, Gewinnaussichten).
2. Integrationsgrad (Make or Buy): Entscheidung über Eigenfertigung (Make) oder
Fremdbezug (Buy) von Komponenten eines Produkts.
Formel zur Fertigungstiefe:
Die Fertigungstiefe ist der Anteil der Eigenfertigung eines Unternehmens an der gesamten
Fertigung eines Produkts.
Fertigungstiefe(%)=Eigenfertigung : (Eigenfertigung+Fremdbezug)×100% (im Bruch x100)
• Hohe Fertigungstiefe: Hoher Anteil Eigenfertigung (z.B. Ford 1920: ca. 90%).
• Geringe Fertigungstiefe: Geringer Anteil Eigenfertigung (z.B. Smart I, Porsche Cayenne
I: ca. 10%).
Vorteile Eigenfertigung (Make):
• Ausschaltung von Handels- und Gewinnspannen Dritter.
• Direkte Kontrolle über Fertigungsprozess, Termine und Qualität.
• Technologische Unabhängigkeit.
• Sicherung von Kompetenzen im Unternehmen.
Vorteile Fremdbezug (Buy):
• Stückkostendegression spezialisierter Fremdanbieter (Kostensenkung bei
Materialbeschaffung).
• Technischer Kompetenzgewinn durch Spezialisierung.
, • Nutzung fremder Fertigungskapazität ohne eigene Investition (variable Kosten statt
Fixkosten).
• Reduzierter Verwaltungs-, Koordinations- und Entwicklungsaufwand (Kostensenkung
durch reduzierte Komplexität).
Trend in der Industrie: Verringerung der Fertigungstiefe aufgrund von Stückkostendegression,
Kompetenzgewinn bei Fremdanbietern und Konzentration auf Kernkompetenzen.
3.2 Standortentscheidung
Die Standortentscheidung betrifft den geografischen Ort der Produktion.
Analytische Entscheidungsmodelle:
• Ziel: Ermittlung des "optimalen" Standortes, meist eindimensional (z.B. Kosten).
• Einsatz mathematischer Lösungsverfahren (z.B. Methode der kleinsten Quadrate).
o Varignon'scher Apparat: Modell zur Bestimmung eines Lagerstandortes mit den
niedrigsten Gesamtkosten bei Punkt-zu-Punkt-Transporten.
▪ J: potentielle Standorte
▪ I: Auslieferungspunkte
▪ xij: Menge (bzw. Gewichtung) für Punkt i
▪ cij: Kosten für Auslieferung an Punkt i
▪ K: Gesamtkosten
▪ Ziel (Minimierung der Gesamtkosten):
• Bewertung: Geeignet für einfache, überschaubare Situationen, da der mathematische
Aufwand mit Komplexität stark steigt.
Heuristische Entscheidungsmodelle (Punktbewertungsverfahren):
• Ziel: Auswahl zwischen gut geeigneten Standorten.
• Berücksichtigung vieler Entscheidungsfaktoren, mehrdimensionale Zielbetrachtung
möglich.
• Einsatz: Wenn Optimierungsmodelle nicht verfügbar/zu aufwendig sind.
• Schritte des Punktbewertungsverfahrens:
1. Suche und Sammlung: Ermittlung aller relevanten Entscheidungsfaktoren
(vollständig, unstrukturiert).
2. Prüfung und Selektion: Entfernung irrelevanter Faktoren.
3. Strukturierung: Aufbau einer thematisch geordneten Liste der Faktoren.
4. Gewichtung: Gewichtung jedes Entscheidungsfaktors (frei wählbare Gewichte
und Skalierungen, z.B. 1-10).
, 5. Bewertung: Bewertung der Standortalternativen pro Faktor (frei wählbare Werte
und Skalierungen, z.B. 1-10).
6. Berechnung der Punktwerte:
▪ Einzelpunkte pro Faktor und Standort: GewichtFaktor
×WertStandort,Faktor
▪ Gesamtpunktzahl pro Standort: Summe aller Einzelpunkte des
Standorts.
Bewertung des Punktbewertungsverfahrens
• Vorteile: Hochgradig komplexe Standortentscheidungen werden durch heuristische
Modelle handhabbar.
• Nachteile: Verzicht auf die Ermittlung des theoretischen Optimums.
Klassisches Entscheidungsdilemma
• Genauigkeit versus Aufwand
• Genauigkeit versus Zeit
• Genauigkeit versus Komplexität
• Hypothese: Die letzten 10 Prozent Genauigkeit erzeugen 90 Prozent des Aufwandes.
Betriebswirtschaftliche Entscheidungsregel
• Kontrollierter Verzicht auf Genauigkeit bedeutet erheblichen Zeitgewinn.
• Kontrollierter Verzicht auf Genauigkeit reduziert Aufwand erheblich.
• Aber: Verzicht auf Genauigkeit bedeutet Risiko.
Entscheidungsprozesse in der Praxis
Standortentscheidungen in der Praxis sind gekennzeichnet durch:
• Schrittweise, stufenhafte Vorgehensweise
• Anwendung unterschiedlicher Entscheidungsmodelle je Stufe
• Aktiv gestaltende Vorgehensweise
• Prozessorientierte Vorgehensweise
Beispiele für Standortentscheidungen
Teil 1: Marktentwicklung; Leistungserstellung-angebot, Integrationsgrad;
Standortentscheidung
2.1 Wirtschaften und Ökonomisches Prinzip
Wirtschaften ist das planmäßige Handeln zur Befriedigung von Bedürfnissen unter Wahl
knapper Mittel. Das ökonomische Prinzip besagt, dass Akteure unter Knappheit eine
Nutzenmaximierung entsprechend ihrer Präferenzen anstreben.
2.2 Abgrenzung Betrieb und Unternehmen
• Betrieb: Kleinste Einheit wirtschaftlicher Handlungen.
• Unternehmen: Betriebe, die vornehmlich fremde Bedürfnisse decken.
• Haushalte: Betriebe, die vornehmlich eigene Bedürfnisse decken.
2.3 Sachziele und Formalziele
• Sachziele (WAS): Definieren, welche Produkte oder Dienstleistungen ein Unternehmen
herstellen und verkaufen möchte (z.B. Art und Menge der Produkte).
o Allgemeines Sachziel: Erzeugung von Gütern und Dienstleistungen zur Deckung
von Bedürfnissen.
o Spezielle Sachziele: Konkrete Festlegung von Produkten nach Art und Menge in
einem bestimmten Zeitraum.
• Formalziele (WIE): Definieren, wie die Sachziele erreicht werden sollen (Erfolgsziele).
o Wirtschaftlich: Gewinnerzielung, Kostendeckung.
o Technisch: Flexibilität in der Produktion.
o Sozial: Gesellschaftliche Verantwortung, humane Arbeitsbedingungen.
o Ökologisch: Umweltschutz.
• Nachhaltiges Wirtschaften: Gemeinsame Verfolgung von wirtschaftlichen, sozialen
und ökologischen Formalzielen.
2.4 Betriebliche Leistungserstellung
• Funktion: Entsteht durch Zusammenfassung gleichartiger Aufgaben.
• Funktionsbereich: Abgegrenzter Bereich zur Aufgabenerfüllung (z.B. Entwicklung,
Produktion, Absatz).
• Organigramm: Stellt die Funktionen als Elemente der Aufbauorganisation dar.
Kernfunktionen:
• Beschaffung: Versorgung des Unternehmens mit allen notwendigen Materialien, Teilen
und Dienstleistungen.
, • Produktion: Erstellung von Produkten/Dienstleistungen durch Kombination von
Produktionsfaktoren (Arbeit, Betriebsmittel, Material, Information).
• Absatz/Vertrieb: Verkauf der Produkte an Kunden.
• Logistik: Querschnittsfunktion, umfasst Transport, Lagerung und Umschlag von Waren
und Informationen zur Abstimmung zwischen Funktionsbereichen.
2.5 Effizienz und Effektivität
• Effizienz: Verhältnis zwischen Nutzen und Aufwand (Ressourcenschonung). Eine
Maßnahme ist effizient, wenn ein Ziel mit möglichst wenig Aufwand erreicht wird.
• Effektivität: Zielerreichungsgrad, Verhältnis von erreichtem zu angestrebtem Ziel
(erreichte Wirkung). Eine Maßnahme ist effektiv, wenn sie zur Zielerreichung beiträgt.
3. Strategische Entscheidungen in der Produktionswirtschaft
Strategische Entscheidungen betreffen das gesamte Unternehmen, sind langfristig bindend und
von höchster Relevanz.
3.1 Strukturentscheidungen
1. Leistungsangebot: Grundlegende Entscheidung über Produkte und Dienstleistungen,
die auf bestimmten Märkten angeboten werden (Nachfrage, Kundennutzen, Potenziale,
Wettbewerb, Gewinnaussichten).
2. Integrationsgrad (Make or Buy): Entscheidung über Eigenfertigung (Make) oder
Fremdbezug (Buy) von Komponenten eines Produkts.
Formel zur Fertigungstiefe:
Die Fertigungstiefe ist der Anteil der Eigenfertigung eines Unternehmens an der gesamten
Fertigung eines Produkts.
Fertigungstiefe(%)=Eigenfertigung : (Eigenfertigung+Fremdbezug)×100% (im Bruch x100)
• Hohe Fertigungstiefe: Hoher Anteil Eigenfertigung (z.B. Ford 1920: ca. 90%).
• Geringe Fertigungstiefe: Geringer Anteil Eigenfertigung (z.B. Smart I, Porsche Cayenne
I: ca. 10%).
Vorteile Eigenfertigung (Make):
• Ausschaltung von Handels- und Gewinnspannen Dritter.
• Direkte Kontrolle über Fertigungsprozess, Termine und Qualität.
• Technologische Unabhängigkeit.
• Sicherung von Kompetenzen im Unternehmen.
Vorteile Fremdbezug (Buy):
• Stückkostendegression spezialisierter Fremdanbieter (Kostensenkung bei
Materialbeschaffung).
• Technischer Kompetenzgewinn durch Spezialisierung.
, • Nutzung fremder Fertigungskapazität ohne eigene Investition (variable Kosten statt
Fixkosten).
• Reduzierter Verwaltungs-, Koordinations- und Entwicklungsaufwand (Kostensenkung
durch reduzierte Komplexität).
Trend in der Industrie: Verringerung der Fertigungstiefe aufgrund von Stückkostendegression,
Kompetenzgewinn bei Fremdanbietern und Konzentration auf Kernkompetenzen.
3.2 Standortentscheidung
Die Standortentscheidung betrifft den geografischen Ort der Produktion.
Analytische Entscheidungsmodelle:
• Ziel: Ermittlung des "optimalen" Standortes, meist eindimensional (z.B. Kosten).
• Einsatz mathematischer Lösungsverfahren (z.B. Methode der kleinsten Quadrate).
o Varignon'scher Apparat: Modell zur Bestimmung eines Lagerstandortes mit den
niedrigsten Gesamtkosten bei Punkt-zu-Punkt-Transporten.
▪ J: potentielle Standorte
▪ I: Auslieferungspunkte
▪ xij: Menge (bzw. Gewichtung) für Punkt i
▪ cij: Kosten für Auslieferung an Punkt i
▪ K: Gesamtkosten
▪ Ziel (Minimierung der Gesamtkosten):
• Bewertung: Geeignet für einfache, überschaubare Situationen, da der mathematische
Aufwand mit Komplexität stark steigt.
Heuristische Entscheidungsmodelle (Punktbewertungsverfahren):
• Ziel: Auswahl zwischen gut geeigneten Standorten.
• Berücksichtigung vieler Entscheidungsfaktoren, mehrdimensionale Zielbetrachtung
möglich.
• Einsatz: Wenn Optimierungsmodelle nicht verfügbar/zu aufwendig sind.
• Schritte des Punktbewertungsverfahrens:
1. Suche und Sammlung: Ermittlung aller relevanten Entscheidungsfaktoren
(vollständig, unstrukturiert).
2. Prüfung und Selektion: Entfernung irrelevanter Faktoren.
3. Strukturierung: Aufbau einer thematisch geordneten Liste der Faktoren.
4. Gewichtung: Gewichtung jedes Entscheidungsfaktors (frei wählbare Gewichte
und Skalierungen, z.B. 1-10).
, 5. Bewertung: Bewertung der Standortalternativen pro Faktor (frei wählbare Werte
und Skalierungen, z.B. 1-10).
6. Berechnung der Punktwerte:
▪ Einzelpunkte pro Faktor und Standort: GewichtFaktor
×WertStandort,Faktor
▪ Gesamtpunktzahl pro Standort: Summe aller Einzelpunkte des
Standorts.
Bewertung des Punktbewertungsverfahrens
• Vorteile: Hochgradig komplexe Standortentscheidungen werden durch heuristische
Modelle handhabbar.
• Nachteile: Verzicht auf die Ermittlung des theoretischen Optimums.
Klassisches Entscheidungsdilemma
• Genauigkeit versus Aufwand
• Genauigkeit versus Zeit
• Genauigkeit versus Komplexität
• Hypothese: Die letzten 10 Prozent Genauigkeit erzeugen 90 Prozent des Aufwandes.
Betriebswirtschaftliche Entscheidungsregel
• Kontrollierter Verzicht auf Genauigkeit bedeutet erheblichen Zeitgewinn.
• Kontrollierter Verzicht auf Genauigkeit reduziert Aufwand erheblich.
• Aber: Verzicht auf Genauigkeit bedeutet Risiko.
Entscheidungsprozesse in der Praxis
Standortentscheidungen in der Praxis sind gekennzeichnet durch:
• Schrittweise, stufenhafte Vorgehensweise
• Anwendung unterschiedlicher Entscheidungsmodelle je Stufe
• Aktiv gestaltende Vorgehensweise
• Prozessorientierte Vorgehensweise
Beispiele für Standortentscheidungen