Szene mit Kreon, der von Ödipus mit falschen Vorurteilen und Hass konfrontiert
wird, einen entscheidenden Wendepunkt der Handlung dar. Sie thematisiert den Beginn
der Entwicklung, die in den folgenden Szenen Ödipus’ wahres Schicksal
unausweichlich erkennbar macht.
Vor der Ankunft Kreons beschuldigt Ödipus bereits den Seher Teiresias, gemeinsam
mit Kreon einen Plan geschmiedet zu haben, um ihn vom Thron zu stürzen. In der
vorliegenden Szene tritt Kreon auf, um sich gegenüber Ödipus zu rechtfertigen.
Dieser wirft ihm jedoch Verrat vor und bezichtigt ihn der Illoyalität, ohne auf
seine Erklärungen einzugehen. Ödipus beharrt darauf, Kreon vernichten zu wollen,
während Kreon versucht, seine Unschuld und seine wahren Absichten darzulegen.
Ödipus wirkt in der Szene äußerst stur und uneinsichtig. Während des gesamten
Gesprächs besteht er darauf, im Recht zu sein, obwohl Kreon mehrfach versucht, ihm
die Wahrheit klarzumachen. In den Zeilen 71–74 äußert Ödipus beispielsweise, dass
Verschwörer im Verborgenen schnell handeln würden, was seine tief sitzenden
Verdächtigungen verdeutlicht. Obwohl Kreon ihn mit mehreren Argumenten zu
überzeugen versucht, bleibt Ödipus bei seiner Meinung. Daran erkennt man, wie
hasserfüllt er handelt und wie sehr er Kreon verabscheut. In Zeile 77 bekräftigt
Ödipus seine Anschuldigungen erneut und äußert sogar offen seinen Wunsch nach
Kreons Tod. Insgesamt erscheint er stark vorurteilend. Bereits in Zeile 3 wirft er
Kreon schamlos Verrat vor, noch bevor dieser sich überhaupt rechtfertigen kann.
Kreon hingegen wirkt in der Szene darauf bedacht, auf sein Recht zu bestehen. Dies
zeigt sich unter anderem in den Zeilen 13 und 19, in denen er seine Unschuld
betont. Gleichzeitig verwendet er stellenweise eine leicht arrogante Wortwahl. In
Zeile 36 präsentiert er sich Ödipus gegenüber überlegen, und in Zeile 49 erklärt
er, dass viele Menschen sich an ihn wenden, wenn sie etwas von Ödipus wollen.
Dadurch macht er seine Beliebtheit deutlich und versucht Ödipus zu vermitteln, dass
ihm zusätzliche Macht nicht erstrebenswert erscheint.
Obwohl die beiden durch ihre Verwandtschaft eng miteinander verbunden sind – Kreon
ist sowohl Onkel als auch Schwager Ödipus’ –, ist ihr Gespräch stark von Arroganz
und Überheblichkeit geprägt. Zu Beginn dominiert Ödipus den Dialog, doch im Verlauf
der Szene übernimmt Kreon zunehmend die Gesprächsführung und wirkt selbstbewusster.
Ödipus hingegen beginnt, sich mehrfach zu wiederholen, etwa in den Zeilen 81 und
84, was als Zeichen von Unsicherheit und Schwäche gedeutet werden kann.
Rhetorische Mittel treten in der Szene besonders häufig auf. Bereits die erste
Zeile beginnt mit einer rhetorischen Frage („Du hier, der wagt es?“), mit der
Ödipus Kreon einschüchtern möchte, ohne eine tatsächliche Antwort zu erwarten. In
den Zeilen 4 bis 6 verwendet Ödipus eine Aneinanderreihung, indem er Kreon
unterstellt, ihn für schwach und töricht zu halten. Durch diese Wiederholung
versucht er, seine Vorwürfe zu verstärken und Kreon schuldig erscheinen zu lassen.
Kreon nutzt in Zeile 39 ebenfalls ein rhetorisches Bild, indem er davon spricht,
„in großer Ruhe schlafen“ zu können. Diese Metapher verdeutlicht, dass ihn kein
schlechtes Gewissen plagt und er frei von Angst lebt. In den Zeilen 57–58
bezeichnet Kreon Teiresias als „Zeichendeuter“, was als indirekte Bezeichnung
verstanden werden kann. Dadurch distanziert er sich von ihm und macht deutlich,
dass er keinen engen Kontakt zu Teiresias pflegt, weshalb eine gemeinsame
Verschwörung unwahrscheinlich erscheint.
Der Wendepunkt der Szene besteht darin, dass Ödipus und Kreon zu keinem Kompromiss
gelangen. Ödipus hält an seinen Anschuldigungen fest und ist nicht bereit
nachzugeben, wodurch die Situation angespannter endet als zuvor. Beide beharren auf
ihrem Standpunkt, und Ödipus bleibt bei seinem Wunsch, Kreon zu bestrafen. Dennoch
ist die Szene für den weiteren Verlauf des Dramas von großer Bedeutung, da Kreons
Aussagen später erneut aufgegriffen werden und mit den Worten Teiresias’