Der Biscaya-Glattwal (Eubalaena glacialis): Monografie des Nordkapers und am stärksten bedrohten
Großwals des Atlantiks
Kapitel 1: Einleitung, Taxonomie und Systematik
Der Biscaya-Glattwal (Eubalaena glacialis) – im deutschen Sprachraum überwiegend als Nordkaper oder
Nordatlantischer Glattwal bezeichnet – ist eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten
Großwalarten des Planeten. Als Vertreter der Familie der Echten Glattwale (Balaenidae) innerhalb der
Unterordnung der Bartenwale (Mysticeti) teilt er eine enge evolutionäre Verwandtschaft mit dem
Grönlandwal (Balaena mysticetus) sowie den beiden anderen Echten Glattwalarten: dem Pazifischen
Nordkaper (Eubalaena japonica) und dem Südkaper (Eubalaena australis).
Taxonomische Historie: Über lange Zeit wurden die drei Glattwalarten der Gattung Eubalaena
fälschlicherweise als eine einzige zirkumpolare Art zusammengefasst. Erst durch hochauflösende
genetische Analysen des Zellkerns und der mitochondrialen DNA um die Jahrtausendwende konnte
unzweifelhaft nachgewiesen werden, dass es sich beim Biscaya-Glattwal, dem Pazifischen Nordkaper
und dem Südkaper um drei eigenständige, seit Jahrmillionen genetisch getrennte Arten handelt.
Etymologie und Namensgebung: Der deutsche Name „Biscaya-Glattwal“ geht auf den Golf von Biscaya
zurück – das Seegebiet zwischen der Westküste Frankreichs und der Nordküste Spaniens. Hier betrieben
baskische Walfänger ab dem Frühmittelalter die erste industrielle Jagd auf diese Art. Der englische
Name North Atlantic Right Whale nimmt Bezug auf die tragische Einstufung der Seefahrer, es handle
sich um den „richtigen“ (right) Wal zum Jagen, da er träge schwimmt, sich nah an der Küste aufhält und
nach dem Harpunieren aufgrund seiner dicken Speckschicht an der Wasseroberfläche treibt.
Kapitel 2: Morphologie, Anatomie und Aussehen
Der Biscaya-Glattwal zeichnet sich durch einen massiven, außergewöhnlich gedrungenen Körperbau aus,
der ihn optisch deutlich von den schnittigen Furchenwalen (Balaenopteridae) abgrenzt.
Körpermaße und Masse: Ausgewachsene Nordkaper erreichen eine Körperlänge von 13 bis 16 Metern.
Wie bei den meisten Bartenwalen sind die Weibchen geringfügig größer und schwerer als die
Männchen. Das Gesamtkörpergewicht schwankt zwischen 40 und 70 Tonnen. Der Körper ist extrem
korpulenter Natur, wobei der maximale Umfang oft mehr als die Hälfte der Gesamtlänge ausmacht.
Der Schädel und die Hautwucherungen (Callosities): Fast ein Drittel der Gesamtlänge entfällt auf den
gewaltigen, stark aufgewölbten Schädel. Das markanteste Identifikationsmerkmal der Art sind die
sogenannten Callosities (Hautwucherungen). Dabei handelt es sich um dicke, verhornte Epidermisfelder
an der Oberseite des Unterkiefers, über den Augen, am Blasloch und an der Schnauzenspitze (der
sogenannte „Motorhauben-Fleck“ oder Bonnet). Diese Wucherungen sind von Natur aus dunkelgrau,
erscheinen jedoch strahlend weiß, gelblich oder rosa, da sie dicht von Kolonien spezialisierter Walläuse
(Cyamus ovalis) und Seepocken besiedelt sind. Das Muster dieser Callosities ist bei jedem Individuum
absolut einzigartig und dient der Wissenschaft als biologischer Fingerabdruck zur Foto-Identifikation.
, Fehlen der Dorsalfinne: Wie alle Mitglieder der Glattwal-Familie besitzt der Biscaya-Glattwal keinerlei
Rückenflosse. Der Rücken präsentiert sich als völlig glatte, extrem breite Fläche. Die Pektoralfinnen
(Brustflossen) sind sehr groß, paddelförmig und an den Enden stumpf abgerundet. Die mächtige
Schwanzflosse (Fluke) besitzt tief eingekerbte, geschwungene Ränder und spitz zulaufende Enden.
Das Bartensystem: Der geschwungene Oberkiefer trägt pro Seite zwischen 200 und 270 schmale,
elastische Bartenplatten. Diese erreichen Längen von bis zu 2,5 Metern und sind dunkelgrau bis
tiefschwarz gefärbt. Die feinen Bartenborsten an der Innenseite sind perfekt darauf ausgelegt,
mikroskopisch kleine Krebstiere aus der Wassersäule zu filtern.
Blubberschicht: Nordkaper besitzen eine gigantische Specksicht, die bis zu 30 bis 40 Prozent des
Gesamtgewichts ausmacht. Diese isoliert das Tier nicht nur vor den kühlen atlantischen
Wassertemperaturen, sondern liefert auch die nötige Energie für monatelange Wanderungen ohne
Nahrungsaufnahme.
Kapitel 3: Verbreitung, Migrationsmuster und Lebensraum
Der Biscaya-Glattwal war ursprünglich im gesamten Nordatlantik verbreitet. Heute ist sein Areal auf
einen schmalen Streifen entlang der ostnordamerikanischen Küste zusammengeschrumpft.
Historischer Lebensraum (Ost- und Westatlantik): Historisch erstreckte sich das Verbreitungsgebiet von
den Küsten Westeuropas (Golf von Biscaya, Britische Inseln, Norwegen, Island) über Grönland bis zur
Ostküste Nordamerikas (von Labrador bis Florida). Im östlichen Nordatlantik ist die Art heute nahezu
vollständig ausgerottet. Vereinzelte Sichtungen vor Irland, den Hebriden oder im Golf von Biscaya
betreffen fast ausnahmslos Irrgäste aus dem westatlantischen Bestand.
Das westatlantische Wanderungsmuster: Der verbliebene Restbestand vollzieht ausgeprägte saisonale
Migrationen zwischen den Nahrungs- und den Kalbgebieten:
Frühjahr, Sommer und Herbst (Nahrungsgründe): Die Tiere halten sich in den kühlen, nährstoffreichen
Gewässern vor der Nordostküste der USA und Ostkanadas auf. Zu den Schlüsselhabitaten gehören der
Golf von Maine, die Georges Bank, die Bay of Fundy, der Scotian Shelf und vermehrt seit Mitte der
2010er Jahre der Golf von St. Lorenz.
Winter (Kalbgebiete): Die trächtigen Weibchen wandern im Spätherbst flussabwärts nach Süden in die
seichten, wärmeren Küstengewässer vor den US-Bundesstaaten Georgia und Florida, um dort ihre
Kälber zur Welt zu bringen.
Kapitel 4: Ernährungsbiologie, Verhalten und Reproduktion
Skim-Feeding: Der Nordkaper ist wie der Grönlandwal ein spezialisierter Passiv-Filterer (Skim-Feeder).
Anstatt wie die Furchenwale sturzartig große Wasserblasen einzusaugen, schwimmt der Biscaya-
Glattwal mit leicht geöffnetem Maul langsam durch dichte Planktonfelder an der Wasseroberfläche oder
in mittleren Wassertiefen. Das Wasser strömt kontinuierlich durch die Barten nach außen, während die
Beute an den Keratinborsten hängen bleibt.
Großwals des Atlantiks
Kapitel 1: Einleitung, Taxonomie und Systematik
Der Biscaya-Glattwal (Eubalaena glacialis) – im deutschen Sprachraum überwiegend als Nordkaper oder
Nordatlantischer Glattwal bezeichnet – ist eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten
Großwalarten des Planeten. Als Vertreter der Familie der Echten Glattwale (Balaenidae) innerhalb der
Unterordnung der Bartenwale (Mysticeti) teilt er eine enge evolutionäre Verwandtschaft mit dem
Grönlandwal (Balaena mysticetus) sowie den beiden anderen Echten Glattwalarten: dem Pazifischen
Nordkaper (Eubalaena japonica) und dem Südkaper (Eubalaena australis).
Taxonomische Historie: Über lange Zeit wurden die drei Glattwalarten der Gattung Eubalaena
fälschlicherweise als eine einzige zirkumpolare Art zusammengefasst. Erst durch hochauflösende
genetische Analysen des Zellkerns und der mitochondrialen DNA um die Jahrtausendwende konnte
unzweifelhaft nachgewiesen werden, dass es sich beim Biscaya-Glattwal, dem Pazifischen Nordkaper
und dem Südkaper um drei eigenständige, seit Jahrmillionen genetisch getrennte Arten handelt.
Etymologie und Namensgebung: Der deutsche Name „Biscaya-Glattwal“ geht auf den Golf von Biscaya
zurück – das Seegebiet zwischen der Westküste Frankreichs und der Nordküste Spaniens. Hier betrieben
baskische Walfänger ab dem Frühmittelalter die erste industrielle Jagd auf diese Art. Der englische
Name North Atlantic Right Whale nimmt Bezug auf die tragische Einstufung der Seefahrer, es handle
sich um den „richtigen“ (right) Wal zum Jagen, da er träge schwimmt, sich nah an der Küste aufhält und
nach dem Harpunieren aufgrund seiner dicken Speckschicht an der Wasseroberfläche treibt.
Kapitel 2: Morphologie, Anatomie und Aussehen
Der Biscaya-Glattwal zeichnet sich durch einen massiven, außergewöhnlich gedrungenen Körperbau aus,
der ihn optisch deutlich von den schnittigen Furchenwalen (Balaenopteridae) abgrenzt.
Körpermaße und Masse: Ausgewachsene Nordkaper erreichen eine Körperlänge von 13 bis 16 Metern.
Wie bei den meisten Bartenwalen sind die Weibchen geringfügig größer und schwerer als die
Männchen. Das Gesamtkörpergewicht schwankt zwischen 40 und 70 Tonnen. Der Körper ist extrem
korpulenter Natur, wobei der maximale Umfang oft mehr als die Hälfte der Gesamtlänge ausmacht.
Der Schädel und die Hautwucherungen (Callosities): Fast ein Drittel der Gesamtlänge entfällt auf den
gewaltigen, stark aufgewölbten Schädel. Das markanteste Identifikationsmerkmal der Art sind die
sogenannten Callosities (Hautwucherungen). Dabei handelt es sich um dicke, verhornte Epidermisfelder
an der Oberseite des Unterkiefers, über den Augen, am Blasloch und an der Schnauzenspitze (der
sogenannte „Motorhauben-Fleck“ oder Bonnet). Diese Wucherungen sind von Natur aus dunkelgrau,
erscheinen jedoch strahlend weiß, gelblich oder rosa, da sie dicht von Kolonien spezialisierter Walläuse
(Cyamus ovalis) und Seepocken besiedelt sind. Das Muster dieser Callosities ist bei jedem Individuum
absolut einzigartig und dient der Wissenschaft als biologischer Fingerabdruck zur Foto-Identifikation.
, Fehlen der Dorsalfinne: Wie alle Mitglieder der Glattwal-Familie besitzt der Biscaya-Glattwal keinerlei
Rückenflosse. Der Rücken präsentiert sich als völlig glatte, extrem breite Fläche. Die Pektoralfinnen
(Brustflossen) sind sehr groß, paddelförmig und an den Enden stumpf abgerundet. Die mächtige
Schwanzflosse (Fluke) besitzt tief eingekerbte, geschwungene Ränder und spitz zulaufende Enden.
Das Bartensystem: Der geschwungene Oberkiefer trägt pro Seite zwischen 200 und 270 schmale,
elastische Bartenplatten. Diese erreichen Längen von bis zu 2,5 Metern und sind dunkelgrau bis
tiefschwarz gefärbt. Die feinen Bartenborsten an der Innenseite sind perfekt darauf ausgelegt,
mikroskopisch kleine Krebstiere aus der Wassersäule zu filtern.
Blubberschicht: Nordkaper besitzen eine gigantische Specksicht, die bis zu 30 bis 40 Prozent des
Gesamtgewichts ausmacht. Diese isoliert das Tier nicht nur vor den kühlen atlantischen
Wassertemperaturen, sondern liefert auch die nötige Energie für monatelange Wanderungen ohne
Nahrungsaufnahme.
Kapitel 3: Verbreitung, Migrationsmuster und Lebensraum
Der Biscaya-Glattwal war ursprünglich im gesamten Nordatlantik verbreitet. Heute ist sein Areal auf
einen schmalen Streifen entlang der ostnordamerikanischen Küste zusammengeschrumpft.
Historischer Lebensraum (Ost- und Westatlantik): Historisch erstreckte sich das Verbreitungsgebiet von
den Küsten Westeuropas (Golf von Biscaya, Britische Inseln, Norwegen, Island) über Grönland bis zur
Ostküste Nordamerikas (von Labrador bis Florida). Im östlichen Nordatlantik ist die Art heute nahezu
vollständig ausgerottet. Vereinzelte Sichtungen vor Irland, den Hebriden oder im Golf von Biscaya
betreffen fast ausnahmslos Irrgäste aus dem westatlantischen Bestand.
Das westatlantische Wanderungsmuster: Der verbliebene Restbestand vollzieht ausgeprägte saisonale
Migrationen zwischen den Nahrungs- und den Kalbgebieten:
Frühjahr, Sommer und Herbst (Nahrungsgründe): Die Tiere halten sich in den kühlen, nährstoffreichen
Gewässern vor der Nordostküste der USA und Ostkanadas auf. Zu den Schlüsselhabitaten gehören der
Golf von Maine, die Georges Bank, die Bay of Fundy, der Scotian Shelf und vermehrt seit Mitte der
2010er Jahre der Golf von St. Lorenz.
Winter (Kalbgebiete): Die trächtigen Weibchen wandern im Spätherbst flussabwärts nach Süden in die
seichten, wärmeren Küstengewässer vor den US-Bundesstaaten Georgia und Florida, um dort ihre
Kälber zur Welt zu bringen.
Kapitel 4: Ernährungsbiologie, Verhalten und Reproduktion
Skim-Feeding: Der Nordkaper ist wie der Grönlandwal ein spezialisierter Passiv-Filterer (Skim-Feeder).
Anstatt wie die Furchenwale sturzartig große Wasserblasen einzusaugen, schwimmt der Biscaya-
Glattwal mit leicht geöffnetem Maul langsam durch dichte Planktonfelder an der Wasseroberfläche oder
in mittleren Wassertiefen. Das Wasser strömt kontinuierlich durch die Barten nach außen, während die
Beute an den Keratinborsten hängen bleibt.