Emilia Galotti
Autor: Gotthold Ephraim Lessing | Erschienen: 1772 | Verlag: SchulLV | Ort: Karlsruhe (zitiert nach der
Ausgabe von 2021)
Das fünfaktige bürgerliche Trauerspiel erzählt, wie der despotische Prinz Hettore Gonzaga in Emilia Galotti, die
Verlobte des Grafen Appiani, verliebt ist und dessen Ermordung veranlassen lässt, um sie für sich zu gewinnen.
Um ihre Ehre vor dem drohenden Zugriff des Prinzen zu bewahren, bittet Emilia ihren Vater Odoardo
schließlich, sie zu töten. Lessing übt mit dem an Livius' Virginia-Erzählung angelehnten Stoff scharfe Kritik am
Machtmissbrauch des Adels gegenüber dem Bürgertum.
Inhaltsverzeichnis
– Übersicht
Handlung
– 1. Aufzug
– 2. Aufzug
– 3. Aufzug
– 4. Aufzug
– 5. Aufzug
– Aufbau
Charakterisierung
– Emilia Galotti
– Odoardo Galotti
– Claudia Galotti
– Prinz Hettore Gonzaga
– Graf Appiani
– Gräfin Orsina
– Personenkonstellation
Stil
– Stilmittel
– Erzählweise
Kontext
– Epoche
– Rezeption
– Motive
Interpretation
– Moral und Tugend des Bürgertums
– Konflikt zwischen Adel und Bürgertum
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,Übersicht
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Emilia Galotti entsteht unter der Feder Gotthold Ephraim Lessings, der als Bibliothekar am Hofe des Herzogs
Karl I. von Braunschweig arbeitet. Es handelt sich bei dem vorliegenden Werk um ein 5-aktiges Trauerspiel,
welches der Literaturepoche der Aufklärung zugeordnet werden kann. Die Entstehungsgeschichte des Dramas
ist bereits bis in das Jahr 1753 zurückzudatieren, in welchem der Autor beginnt, Emilia Galotti zu Papier zu
bringen. Fünf Jahre später ist die erste Fassung fertiggestellt, die damals allerdings lediglich drei Akte
beinhaltet. Im Jahr 1771 nimmt Lessing dann das Schreiben an dem Werk abermals auf und ein Jahr darauf steht
die finale Fassung mit fünf Akten. Am 13. März 1772 findet dann die Uraufführung des Theaterstücks mit fünf
Aufzügen im Hoftheater in Braunschweig statt.
Vorlage für das Drama um Galottis Schicksal bildet die Virginia-Erzählung von Titus Livius in seinem Werk
Ab urbe condita, Buch III S. 44-58. Die Handlung der Geschichte um Virginia spielt sich um 450 v. Chr. in
Rom ab. Die schöne Tochter eines Plebejers, Virginia, kann sich vor Verehrern kaum retten, und obwohl sie
bereits mit dem Beamten Lucius Icilius verlobt ist, macht ihr dennoch der Decemvirn (Mitglied einer
Gruppierung von zehn Männern mit Sondervollmachten im Römischen Reich) Appius Claudius den Hof. Als
Virginia seine Annäherungen ablehnt, veranlasst Appius seinen Vertrauten Marcus dazu, in der Öffentlichkeit
das Gerücht zu verbreiten, Virginia sei in Wahrheit keine Plebejertochter, sondern die Sklavin von Marcus.
Virginias Vater sieht keinen anderen Ausweg, die Ehre seiner Tochter zu retten, als diese zu töten. Dieses
tragische Geschehnis führt zu einem Massenvolksaufstand und als Konsequenz verliert Appius seine Position
als Decemvirn und Marcus wird zum Tode verurteilt. Auch wenn thematische Parallelen der Erzählung zu
Emilia Galotti zu ziehen sind, so ändert Lessing Lokalität und Tempus der Handlung sowie partiell den Stoff
von Titus' Werk ab.
Emilia Galotti stellt als bürgerliches Trauerspiel eines der bedeutendesten Werke der Aufklärung und
gleichzeitig eine herausragende Leistung des Autors Gotthold Ephraim Lessing dar. Bis zum heutigen Tag
gehört das Stück zu den wichtigsten Büchern der deutschen Literaturgeschichte und ist nicht mehr wegzudenken
aus dem Repertoire der Abiturlektüren im Fach Deutsch.
Handlung
1. Aufzug
1. Auftritt
Infos
Zeile: 2-47
Ort: Das Kabinett des Prinzen
Zeit: Am Morgen
Personen: Prinz Hettore Gonzaga, der Kammerdiener
Inhalt
Der Prinz liest sich in seinem Arbeitszimmer die Anträge seiner Bittsteller durch. Währenddessen fällt
Hettore das Antragsschreiben einer gewissen Emilia Bruneschi in die Hände. Dass ihre Bittstellung
außergewöhnlich hoch ist (Aufz. 1, Auft. 1, Z. 11) hindert ihn nicht daran, den Antrag dennoch zu
bewilligen
Der Name Emilia scheint den Prinzen aufzuwühlen, da er kurz darauf seine Arbeit unterbricht und nach
dem Marchesen Marinelli ruft, damit ihn dieser bei einem Ausflug begleitet
Einen Brief der Gräfin Orsina lässt Hettore Gonzaga ungeöffnet zurück
Bevor der Prinz letztendlich aufbricht, bittet der Maler Conti, eintreten zu dürfen
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,2. Auftritt
Infos
Zeile: 2-33
Ort: Das Kabinett des Prinzen
Zeit: Am Morgen - vormittags
Personen: Prinz Hettore Gonzaga, Conti
Inhalt
Nach Eintreten in das prinzliche Zimmer beklagt sich Conti zunächst über das Ungleichgewicht von
Aufwand und Entlohnung seiner Arbeit als Künstler
Der Maler führt ein Gemälde für den Prinzen mit sich, welches die Gräfin Orsina darstellt und welches
Hettore noch zum Zeitpunkt der Beziehung mit der Gräfin in Auftrag gegeben hatte
Außerdem bringt Conti ein Werk, welches eine Überraschung für den Prinzen darstellen soll Der
Künstler verlässt das Kabinett, um die Porträts aus dem Vorzimmer hereinzutragen
3. Auftritt
Infos
Zeile: 2-11
Ort: Das Kabinett des Prinzen
Zeit: Vormittags
Personen: Prinz Hettore Gonzaga
Inhalt
Versunken in Gedanken an seine vergangene Beziehung mit Orsina, betrachtet Hettore das Werk,
welches die Gräfin zeigt
Obwohl der Prinz froh wäre, seine Verflossene noch zu lieben, so erachtet er ihre Trennung doch
letztendlich als guten und besten Entschluss
4. Auftritt
Infos
Zeile: 2-167
Ort: Das Kabinett des Prinzen
Zeit: Vormittags
Personen: Prinz Hettore Gonzaga, Conti
Inhalt
Beim gemeinsamen Betrachten des Porträts der Gräfin äußert der Prinz seine Anerkennung an Contis
künstlerischem Talent. Im selben Atemzug spricht Hettore abfällig über seine ehemalige Geliebte und
findet, der Maler habe sie schöner gemalt, als sie eigentlich sei
Das zweite Bild zeigt Emilia Galotti, deren Bekanntschaft der Prinz bereits machte
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, Es bleibt dem Maler nicht verborgen, dass sein Herr großes Interesse und Wohlgefallen an der Schönheit
der porträtierten Emilia zeigt
Während das Gemälde der Gräfin „in der Galerie“ (Aufz. 1, Auft. 4, Z. 154) platziert werden soll,
besteht der Prinz darauf, Emilias Porträt für den persönlichen Gebrauch zu behalten (vgl. Aufz. 1, Auft.
4, Z. 156)
Der Auftritt endet damit, dass der Prinz gegenüber Conti beteuert, er zahle ihm für die Bilder „so viel
[dieser] wolle“ (Aufz. 1, Auft. 4, Z. 160 f.) und der Maler sich empfiehlt
5. Auftritt
Infos
Zeile: 2-11
Ort: Das Kabinett des Prinzen
Zeit: Vormittags
Personen: Prinz Hettore Gonzaga
Inhalt
Als der Prinz alleine mit dem Gemälde Emilias ist, stellt Hettore in einem erneuten Monolog fest, dass er
jeden Preis der Welt bezahlen würde, um „das schöne Werk der Kunst“ (Aufz. 1, Auft. 5, Z. 3) sein Eigen
nennen zu dürfen
Auch merkt er an, Emilias Eltern alle Wünsche zu erfüllen, solange diese ihm nur ihre Tochter
anvertrauten
Da Hettore den Anblick der schönen Galotti vorerst nur sich selbst vorbehalten möchte, versteckt er das
Porträt, als sich Marinelli ankündigt
Der Prinz bereut es inzwischen, sich mit dem Marchese verabredet zu haben. Er würde es vorziehen,
Emilias Antlitz noch länger in Ruhe zu betrachten
6. Auftritt
Infos
Zeile: 2-239
Ort: Das Kabinett des Prinzen
Zeit: Vormittags
Personen: Prinz Hettore Gonzaga, Kammerherr Marchese Marinelli
Inhalt
Als Marinelli erscheint, teilt ihm der Prinz mit, dass er sich in der Zwischenzeit gegen eine Ausfahrt
entschieden habe
Der Kammerherr berichtet Hettore von einem Gespräch mit Orsina. Die Gräfin leidet laut Marinelli sehr
unter der Trennung von dem Prinzen
Hettore hingegen interessiert sich weniger für den emotionalen Zustand seiner ehemaligen Geliebten als
für den aktuellen Klatsch und Tratsch der Stadt
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