Weimarer Republik – 1. Erblast der Monarchie
Die Weimarer Republik (Gesamtdeutsche Geschichte)
Inhalt
1) Die Erblast der Monarchie ................................................................................................ 2
2) Aufbau der parlamentarischen Demokratie ....................................................................... 7
3) Die Weimarer Verfassung §......................................................................................... 15
4) Der Versailler Vertrag ............................................................................................... 20
5) Die politischen Parteien der WR ........................................................................... 28
6) Reichskanzler und Reichspräsidenten der WR ...................................................... 40
7) Der Schwierige Republikanische Anfang (1918/19-1923).................................................. 43
8) Das Krisenjahr 1923 ........................................................................................................ 51
9) Die „goldenen Zwanziger“ – 1924-1929 ........................................................................... 58
9.1) Außenpolitik & Reparationsfrage ......................................................................................... 60
9.2) Innenpolitik in der Phase der „relativen Konsolidierung“ ................................................... 64
10) Der Niedergang der Weimarer Republik ............................................................................ 70
10.1) Beginn der Präsidialkabinette - Die Regierung Brünings .................................................... 71
10.2) Die Regierung von Papen (Zentrum, rechter Flügel) .......................................................... 77
11) Chancen & Potenziale der WR ......................................................................................... 83
12) Ursachen für das Scheitern der WR ................................................................................. 84
1
, Weimarer Republik – 1. Erblast der Monarchie
1) Die Erblast der Monarchie
Kriegswirtschaftliche Ausgangslage der Nachkriegsordnung
Wirtschaftl. Lage
- Krieg überforderte die Leistungsfähigkeit der dt. Wirtschaft
- Arbeitskräftemangel durch Militärdienst
o V.a. in mittelständischen Wirtschaft
o 1915: 7,2% Arbeitslosenquote – 5 mio. männl. Arbeitskräfte fehlten bis Ende 1914 →
Arbeitskräftemangel in jedem wirtschaftl. Sektor
o Großbetriebe nun auf Fremdarbeitskräfte angewiesen
o Im Ländlichen Bereich: vermehrt Frauen & Kinder am arbeiten
o Produktionslücken im Handwerk für Güter des tägl. Bedarfs verstärkten Pessimismus
der Bevölkerung
o Junge Fachkräfte wechselten von Klein- in Großbetriebe, da diese stärker mit
Rüstungsindustrie verzahnt → bessere Arbeitsverhältnisse & Aufstiegschancen
- Importlücke von 20% → Ernährungsprobleme
o V.a. fehlten: Getreide, Ölfrüchte & Futtermittel → Einheimische Futtermittelproduktion
nicht ausreichend
o Öffentl. Versorgung durch Streckung der Vorräte mit Ersatzstoffen,
Lebensmittelverteilung
o Gesetze gegen hohe Preissteigerungen unwirksam
o 1915: Schweinemord → staatl. Angeordnet Massenschlachtung von Schweinen im dt. KR
→ Tierproduktion erholte sich davon nicht mehr → Tierische Eiweiße & Fette wurden
zu Mangelware (keine ausreichenden Konservierungsmöglichkeiten nach Schlachtungen,
da Metall fehlte -> Fleisch verdarb)
o Lebensmittelkarten ab 1915
o Hamsterfahrten von Stadt ins Dorf
- Keine Deckung des Rohstoffbedarfs aus Ausland möglich
- Überbürokratisierung
o Interessenskooperation zw. Staatsverwaltung, Unternehmungsorgan. & Gewerkschaften
→ Chance für organisierte Arbeiterschaft in sozialökonom. Beziehungsgeflecht
integriert zu werden
o Traditionelle Spannungsverhältnisse zw. organisierten Unternehmer- & Arbeiterschaft
→ ließen unter politischen „Burgfrieden“ & Kriegswirtschaft 1914/15 deutlich nach
2
, Weimarer Republik – 1. Erblast der Monarchie
Negative Wirtschaftsbilanz
Kriegsschulden als Erbmasse
- Neue Regierung übernahm eine stark in Auflösung befindliche Währung
- Erblast der Monarchie: enorme Staatsschulden, die Finanz- und Wirtschaftskraft der Republik an
schwächten
- Kriegsfinanzierung führte zu mehr Schulden und höherer Inflation
- Geldvolumen von 13 au 60 Milliarden Mark, Güterangebot schrumpfte um 1/3
- Preiskontrollen blieben effektlos
- Oktober 1918: Mark hatte gegenüber dem Dollar 40% des Friedenswertes verloren
- Kriegsschulden überstiegen mehr als das Dreifache des gesamten Volkeinkommens von 1913
Inflationsgefahr
- Preisauftrieb hielt unvermindert an, auch als Preisvorschriften aufgehoben wurden
- Hinzu kamen: Sachreparationen, Kriegsopferversorgung, Demobilisierungskosten
- 1919 noch nicht absehbar, wie hoch alliierte Reparationskosten sein würden
Kriegswirtschaftl. Ausgangslage und Nachkriegsordnung:
Staat & Finanzen
- Militär gewann Oberhand → Kräfte der staatl. Verwaltung dienten immer mehr der militär.
Versorgung mit Gütern aller Art, v.a. Arbeitskräfte & Rohstoffe, weniger der zivilen
Gesellschaft
- In Extremzeiten: private Vorteilsnahme, Korruption, behördlicher Amtsmissbrauch nicht
ungewöhnlich
- Weniger Steuereinnahmen (Zoll, Verbrauchssteuern)
- Künstlich aufgeblähte Geldmange ließ in Kriegsjahren schon Inflationsgefahr aufkommen →
Krieg nur zu 6% aus Steuern finanziert → aber jede Steuererhöhung bedeutete erzwungenen
Konsumverzicht → dämpfte anfängliche Kriegsbegeisterung
- Gestiegene Rüstungsproduktion → Produktion von Konsumgütern für Zivilbevölk.
Vernachlässigt
- Finanzierung der Kriegsausgaben schädigte Kern des Währungssystems
o 1914: 5 mill. Mark Staatsdezifit – 1918: 114 Mill. Mark Staatsdefizit
o Geldzufluss über Krefire
o Reichsbank zur Kriegsbank → Wechsel durch Änderung der Bundesverfassung
- Warenknappheit → Geldüberhang → allg. Preisanstieg
3
, Weimarer Republik – 1. Erblast der Monarchie
Kriegswirtschaftl. Ausgangslage und Nachkriegsordnung:
Gesellschaftl. & soziale Problematik
- Hunger & Kriegsmüdigkeit 1917/18
o Schleichhandel als Folge der Mangelwirtschaft
o 1/3 der verfügbaren Lebensmittel wurde auf dem Schwarzmarkt gehandelt
o Hunger, Krankheiten, Proteste, Streiks beherrschten Alltag
o Ohnmacht der Bevölkerung, gegen offene Ungleichheit zu opponieren
o Aus Protesten gg. Unterversorgung wurde Kriegsmüdigkeit & Widerstand gg. die Fortsetzung des Krieges
o Widerstand gg. polit. Systems war kurz & schnell
- Lage bei Kriegsende
o Monarchie am Boden
o Träger des alten Systems waren moralisch diskreditiert
o Aktuelle Notsituation drängte auf Neubeginn → problematisch
o Kriegswirtschaft hinterließ nichts, was einen Entwicklungsschub vermitteln konnte
o Schatten der Mangelsituation & -verwaltung lag auf Bevölk. & Wirtschaft
o Preissystem befand sich in Auflösung → ließ keinen Rückschluss auf reale Kaufkraft der Währungen zu
o Ab 1917: massive Unruhen unter den Arbeitern (teilw. Lahmlegen der Wirtschaft)
o Mangelnde Lebensmittelqualität führte zu Gesundheitsproblemen (Lungentuberkulose, Rachitis, Magen-
Dram- & Hautkrankheiten in epidemischer Ausbreitung)
o 1000-1200 kcl/p.P. pro Tag (statt 23000)
o Steigende Fehlgeburtenrate durch Hunger
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Die Weimarer Republik (Gesamtdeutsche Geschichte)
Inhalt
1) Die Erblast der Monarchie ................................................................................................ 2
2) Aufbau der parlamentarischen Demokratie ....................................................................... 7
3) Die Weimarer Verfassung §......................................................................................... 15
4) Der Versailler Vertrag ............................................................................................... 20
5) Die politischen Parteien der WR ........................................................................... 28
6) Reichskanzler und Reichspräsidenten der WR ...................................................... 40
7) Der Schwierige Republikanische Anfang (1918/19-1923).................................................. 43
8) Das Krisenjahr 1923 ........................................................................................................ 51
9) Die „goldenen Zwanziger“ – 1924-1929 ........................................................................... 58
9.1) Außenpolitik & Reparationsfrage ......................................................................................... 60
9.2) Innenpolitik in der Phase der „relativen Konsolidierung“ ................................................... 64
10) Der Niedergang der Weimarer Republik ............................................................................ 70
10.1) Beginn der Präsidialkabinette - Die Regierung Brünings .................................................... 71
10.2) Die Regierung von Papen (Zentrum, rechter Flügel) .......................................................... 77
11) Chancen & Potenziale der WR ......................................................................................... 83
12) Ursachen für das Scheitern der WR ................................................................................. 84
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, Weimarer Republik – 1. Erblast der Monarchie
1) Die Erblast der Monarchie
Kriegswirtschaftliche Ausgangslage der Nachkriegsordnung
Wirtschaftl. Lage
- Krieg überforderte die Leistungsfähigkeit der dt. Wirtschaft
- Arbeitskräftemangel durch Militärdienst
o V.a. in mittelständischen Wirtschaft
o 1915: 7,2% Arbeitslosenquote – 5 mio. männl. Arbeitskräfte fehlten bis Ende 1914 →
Arbeitskräftemangel in jedem wirtschaftl. Sektor
o Großbetriebe nun auf Fremdarbeitskräfte angewiesen
o Im Ländlichen Bereich: vermehrt Frauen & Kinder am arbeiten
o Produktionslücken im Handwerk für Güter des tägl. Bedarfs verstärkten Pessimismus
der Bevölkerung
o Junge Fachkräfte wechselten von Klein- in Großbetriebe, da diese stärker mit
Rüstungsindustrie verzahnt → bessere Arbeitsverhältnisse & Aufstiegschancen
- Importlücke von 20% → Ernährungsprobleme
o V.a. fehlten: Getreide, Ölfrüchte & Futtermittel → Einheimische Futtermittelproduktion
nicht ausreichend
o Öffentl. Versorgung durch Streckung der Vorräte mit Ersatzstoffen,
Lebensmittelverteilung
o Gesetze gegen hohe Preissteigerungen unwirksam
o 1915: Schweinemord → staatl. Angeordnet Massenschlachtung von Schweinen im dt. KR
→ Tierproduktion erholte sich davon nicht mehr → Tierische Eiweiße & Fette wurden
zu Mangelware (keine ausreichenden Konservierungsmöglichkeiten nach Schlachtungen,
da Metall fehlte -> Fleisch verdarb)
o Lebensmittelkarten ab 1915
o Hamsterfahrten von Stadt ins Dorf
- Keine Deckung des Rohstoffbedarfs aus Ausland möglich
- Überbürokratisierung
o Interessenskooperation zw. Staatsverwaltung, Unternehmungsorgan. & Gewerkschaften
→ Chance für organisierte Arbeiterschaft in sozialökonom. Beziehungsgeflecht
integriert zu werden
o Traditionelle Spannungsverhältnisse zw. organisierten Unternehmer- & Arbeiterschaft
→ ließen unter politischen „Burgfrieden“ & Kriegswirtschaft 1914/15 deutlich nach
2
, Weimarer Republik – 1. Erblast der Monarchie
Negative Wirtschaftsbilanz
Kriegsschulden als Erbmasse
- Neue Regierung übernahm eine stark in Auflösung befindliche Währung
- Erblast der Monarchie: enorme Staatsschulden, die Finanz- und Wirtschaftskraft der Republik an
schwächten
- Kriegsfinanzierung führte zu mehr Schulden und höherer Inflation
- Geldvolumen von 13 au 60 Milliarden Mark, Güterangebot schrumpfte um 1/3
- Preiskontrollen blieben effektlos
- Oktober 1918: Mark hatte gegenüber dem Dollar 40% des Friedenswertes verloren
- Kriegsschulden überstiegen mehr als das Dreifache des gesamten Volkeinkommens von 1913
Inflationsgefahr
- Preisauftrieb hielt unvermindert an, auch als Preisvorschriften aufgehoben wurden
- Hinzu kamen: Sachreparationen, Kriegsopferversorgung, Demobilisierungskosten
- 1919 noch nicht absehbar, wie hoch alliierte Reparationskosten sein würden
Kriegswirtschaftl. Ausgangslage und Nachkriegsordnung:
Staat & Finanzen
- Militär gewann Oberhand → Kräfte der staatl. Verwaltung dienten immer mehr der militär.
Versorgung mit Gütern aller Art, v.a. Arbeitskräfte & Rohstoffe, weniger der zivilen
Gesellschaft
- In Extremzeiten: private Vorteilsnahme, Korruption, behördlicher Amtsmissbrauch nicht
ungewöhnlich
- Weniger Steuereinnahmen (Zoll, Verbrauchssteuern)
- Künstlich aufgeblähte Geldmange ließ in Kriegsjahren schon Inflationsgefahr aufkommen →
Krieg nur zu 6% aus Steuern finanziert → aber jede Steuererhöhung bedeutete erzwungenen
Konsumverzicht → dämpfte anfängliche Kriegsbegeisterung
- Gestiegene Rüstungsproduktion → Produktion von Konsumgütern für Zivilbevölk.
Vernachlässigt
- Finanzierung der Kriegsausgaben schädigte Kern des Währungssystems
o 1914: 5 mill. Mark Staatsdezifit – 1918: 114 Mill. Mark Staatsdefizit
o Geldzufluss über Krefire
o Reichsbank zur Kriegsbank → Wechsel durch Änderung der Bundesverfassung
- Warenknappheit → Geldüberhang → allg. Preisanstieg
3
, Weimarer Republik – 1. Erblast der Monarchie
Kriegswirtschaftl. Ausgangslage und Nachkriegsordnung:
Gesellschaftl. & soziale Problematik
- Hunger & Kriegsmüdigkeit 1917/18
o Schleichhandel als Folge der Mangelwirtschaft
o 1/3 der verfügbaren Lebensmittel wurde auf dem Schwarzmarkt gehandelt
o Hunger, Krankheiten, Proteste, Streiks beherrschten Alltag
o Ohnmacht der Bevölkerung, gegen offene Ungleichheit zu opponieren
o Aus Protesten gg. Unterversorgung wurde Kriegsmüdigkeit & Widerstand gg. die Fortsetzung des Krieges
o Widerstand gg. polit. Systems war kurz & schnell
- Lage bei Kriegsende
o Monarchie am Boden
o Träger des alten Systems waren moralisch diskreditiert
o Aktuelle Notsituation drängte auf Neubeginn → problematisch
o Kriegswirtschaft hinterließ nichts, was einen Entwicklungsschub vermitteln konnte
o Schatten der Mangelsituation & -verwaltung lag auf Bevölk. & Wirtschaft
o Preissystem befand sich in Auflösung → ließ keinen Rückschluss auf reale Kaufkraft der Währungen zu
o Ab 1917: massive Unruhen unter den Arbeitern (teilw. Lahmlegen der Wirtschaft)
o Mangelnde Lebensmittelqualität führte zu Gesundheitsproblemen (Lungentuberkulose, Rachitis, Magen-
Dram- & Hautkrankheiten in epidemischer Ausbreitung)
o 1000-1200 kcl/p.P. pro Tag (statt 23000)
o Steigende Fehlgeburtenrate durch Hunger
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