In diesem Modell geht es um erfolgreiche Lerner. Strategische Lernen verfügen hiernach über ein
breites und vernetztes Fachwissen. Sie kennen zahlreiche effektive Strategien des Wissenserwerbs,
sind sich bewusst, wann sie diese Strategien sinnvoll einsetzen können und reflektieren fortlaufend
die Wirksamkeit ihres Lernens. Sie vertrauen darauf, dass sie neue Fähigkeiten erwerben können,
verfolgen Ziele, welche auf den Zuwachs eigener Kompetenzen ausgerichtet sind, glauben an die
Nützlichkeit eigener Anstrengung und interpretieren Fehler „angstfrei“ als willkommene Gelegenheit,
etwas dazuzulernen. Entsprechend positiv und differenziert sind ihre Fähigkeitsselbstkonzepte
ausgeprägt.
Zum guten Lernen gehören zusätzlich aber auch bestimmte motivationale Überzeugungen. Gute
Lerner zeichnen sich nach Pressley dadurch aus, dass sie:
- Davon überzeugt sind, etwas erlernen zu können, und sich die dafür erforderlichen Fähigkeiten
nicht einfach absprechen
- Fehler und Schwierigkeiten als natürlichen Bestandteil des Lernens betrachten und fest daran
glauben, durch Anstrengung zum Erfolg zu gelangen
- Keine Angst davor haben, beim Lernen zu versagen
- Das, was sie lernen, mit persönlichen Interessen und Zukunftsvorstellungen verbinden.
Das modell geht davon aus, dass lernstörungen durch mangelnde bzw ungeeignete lernaktivität
entsteht. Demnach verfügen lerngestörte Kinder kaum über wirksame Strategien, wissen wenig über
deren Anwendungsbedingungen, überwachen ihr Lernen kaum und bemerken daher auch nicht,
wenn sie Fehler machen oder sich beim Lernen „auf dem Holzweg“ befinden. Es findet kein
vertiefender Lernprozess statt. Und ihr lernen ist eher misserfolgsorientiert. Sie sind gewissermaßen
das Gegenteil eines Good Strategy users.
Underachievement: Was versteht man darunter? Welche Attribu tionsmuster werden beobachtet?
Diskrepanz zwischen Potential und Leistung? 3 Wege zur Erfassung der Diskrepanz zwischen
Fähigkeit und Leistung
Als Underachiever werden Schüler bezeichnet, die in ihren schulischen Leistungen (Noten und
Schulleistungstests) weit hinter dem Niveau ihrer intellektuellen Grundfähigkeiten (Intelligenz)
zurückbleiben. In der Schule schöpfen sie ihr Lernpotenzial nicht annähernd aus. Underachievement
ist in der Regel bereichsübergreifend: Relativ zur Intelligenz liegen zumeist Einbußen im Lesen und
Schreiben vor, die dann auch Beeinträchtigungen in anderen Schulfächern nach sich ziehen.
Weder ICD noch DSM führen Underachievement als eigenständige Lernstörung auf. In beiden
Verzeichnissen taucht Underachievment lediglich als Unterkategorie auf. Bei Underachievement
handelt es sich um eine Auffälligkeit, die Anlass zur Beobachtung und Beratung gibt. Die Kodierung
„Underachievement“ schließt die Diagnose einer Entwicklungsstörung aus.
Jungen sind hier häufiger als Mädchen betroffen und zeigen die Symptome vergleichsweise früher.
Eine Häufung findet sich bei Kindern der sozialen Grundschicht.
Ungünstige Attributionsmuster, welche beobachtbar sind, dass Misserfolge auf Fähigkeitsmangel und
Erfolge auf glückliche Umstände zurückgeführt werden. Es wird kein Zusammenhang zwischen
eigenem Lernverhalten (strategischen Vorgehen, Anstrengung) und Lernerfolg hergestellt.