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Diagnostische Erhebungsverfahren
FLB 1
1. Anwendungsfelder der Psychologie
Wirtschaft:
Berufseignungsdiagnostik, Personalauswahl, Mitarbeiterbeurteilung
ausbildungs- & berufsbezogene Eignungs- & Rehabilitationsdiagnostik
Bildung:
Leistungs- & Begabungsdiagnostik, Schul- & Studieneignungsdiagnostik
Gesundheit:
Entwicklungsdiagnostik, klinisch-psychologische Diagnostik, neuropsychologische Diagnostik
Recht:
forensische & Verkehrspsychologie
2. Klassifikation, Selektion, Evaluation
Klassifikation:
Zuordnung von Personen zu alternativen Merkmalsklassen
dient der Typisierung einer Person
basiert auf abgesichertem Ordnungssystem
erleichtert Kommunikation zwischen Diagnostikern und Wissenschaftlern
Regeln:
- Klassen müssen genau definiert sein
- Kriterien festlegen, Leistungen abgrenzen, Leistungsbereiche untergliedern (Intervalle)
- Entscheidungsregeln für Zuweisung zu einer Klasse formulieren
Selektion:
Auswahlstrategie: Person wird aufgrund bestimmter Persönlichkeitsmerkmale aus einer
Menge ausgewählt und einer Maßnahme zugeordnet bzw. geeignete Person wird gesucht
für Entscheidungsfindung stehen kritische Trennwerte (cut off Werte) zur Verfügung
Evaluation:
Erfolg von Interventionsmaßnahmen wird untersucht
3. Ziele psychologischer Diagnostik nach Pawlik
1) Statusdiagnostik
a) Leistungs- und Persönlichkeitsdiagnostik
b) Selektionszwecke, Beschränkung auf Bewertung des aktuellen Status
2) Prozessdiagnostik
a) Macht Aussage möglich, ob und in welchem Umfang eine Person und/oder soziale
Verhältnisse (z.B. Familie) durch eine Intervention modifiziert werden können
b) Ziel: Modifikation, NICHT Selektion
3) Normorientierte Diagnostik
a) Aussagen können nur zur Empfehlung herangezogen werden, wenn sie auf eine Skala oder
inhaltlich begründetem Kriterium berufen
4) Kriteriumsorientierte Diagnostik
a) Es wird vorab definiert, ab welchem Grad der Merkmalsausprägung ein Kriterium als erfüllt
gilt
, Diagnostische Erhebungsverfahren Klausurvorbereitung
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5) Diagnostik als Inventarisieren
a) Keine Zuschreibung eines Kennwerts, sondern sammeln von Elementen eines
Verhaltensrepertoires, mit dem man Reaktionen einer Person beschreiben kann
Anzahl der Indikatoren ergibt Diagnose
6) Situationsorientierte Diagnostik
a) Erklärung von Verhalten: Kontext, auslösende Bedingung, aktuelle Befindlichkeit
4. Klassifikation psychologischer Testverfahren
Gruppe 1: Leistungstests
a) Entwicklungstests
b) Intelligenztests
c) Allgemeine Leistungstests (Konzentration, …)
d) Schultests
e) Spezielle Funktionsprüfungs- & Eignungstests
Gruppe 2: Psychometrische Persönlichkeitstests
a) Persönlichkeits-Struktur-Test
b) Einstellungs- & Interessentest
c) Klinische Tests
Gruppe 3: Persönlichkeits-Entfaltungsverfahren
a) Formdeutverfahren (z.B. Tintenkleckse deuten)
b) Verbal-thematische Verfahren
c) Zeichnerische & Gestaltungsverfahren
5. Absicherung der Aussagekraft diagnostischer Informationen
1) Multi-Informanten-Ansatz
Vergleich von Übereinstimmungen verschiedener Informationsquellen, um objektives Urteil
ziehen zu können
2) Multi-Methoden-Ansatz
Vergleich von klinischen Interviews und Verhaltensfragebögen (Fremdbeobachtung), um
tatsächliche Belastung zu bewerten
3) Wiederholte Erhebung
berechnet Variabilität eines Merkmals und mittlere Merkmalsausprägung
breitere Infobasis Absicherung des diagnostischen Urteils
4) Nutzung von Informationen von 3. Seite
Absicherung durch bereits vorliegende Infos z.B. Polizei, Jugendamt, …
Infos, die nicht im diagnostischen Prozess erhoben wurden, öffnen neue Problemsichten
6. Entwicklungspsychologische Grundlagen und Modelle
Erhebung des Entwicklungsstands eines Kindes orientiert sich an:
Sequenzität:
Veränderungen in geordneter Abfolge von Stufen oder Stadien
Irreversibilität:
Abfolge der Schritte ist nicht umkehrbar
Unidirektionalität:
Veränderungen laufen in eine Richtung, End-/Optimalzustand wird angestrebt