Simon Remus
2021
Orthopädie – Seite 02
Unfallchirurgie – Seite 18
Untersuchungsmethoden – Seite 34
Pathologie – Seite 43
Anästhesiologie und Notfallmedizin – Seite 46
Statistik – Seite 52
Klinische Chemie – Seite 57
Radiologie – Seite 60
Pharmakologie – Seite 61
Physiologie – Seite 68
Rechtsmedizin – Seite 72
Gesammelte Krankheiten und Extras – Seite 73
, Orthopädie – Alles, was nicht Fraktur ist
Rückenschmerzen
Grundlegend
- Prävalenz: 80 %
- Akute Prävalenz: 30 %
- Unterscheidung
- Einfacher: in den meisten Fällen ist die Ursache in der Wirbelsäule, allerdings
entweder ohne klaren Auslöser oder mit klarer, aber ungefährlicher Ursache. Nur ein
winziger Teil ist tatsächlich gefährlich und Bedarf einer Therapie: die komplizierten,
spezifischen Rückenschmerzen
- Akut: < 6 Wochen
- Chronisch > 3 Monate
- Man sucht nach RED FLAGS, in Anamnese und Untersuchung = Indikation für
weiteres Vorgehen, deuten auf folgendes hin:
• Frakturen
• Entzündungen
• Tumoren
• Neurologische Erkrankungen
Anamnese
- B-Symptomatik
- Bagatelltraumata
- Vorhergegangene Infektion
- Rücken-Bein-Quotient (Je mehr Bein, desto gefährlicher), Leitsymptom bei lumbalem
Bandscheibenvorfall!
- i.v. Drogenabusus
- Höheres Alter
- Bekanntes Tumorleiden
- Wo sind die Schmerzen genau? (Dermatome usw.)
Untersuchung
- Palpation der Knochen UND Muskeln
- Alle angrenzenden Gelenke anschauen
- Besonders Sensitivität der Beine
, - Dermatome:
• C6: Daumen
• C7: Mittelfinger
• C8: Kleinfinger
• Th4: Mamille
• Th10: Bauchnabel
• L4: Schienbein/Innenknöchel
• L5: Fußrücken
• S1: Fußaußenrand
• Sakralwurzeln: Perianal
- Kennmuskulatur:
• C6: Ellenbogenbeuger
• C7: Handgelenksstrecker
• C8: Fingerbeuger
• Th1: Kleinfingerabduktion
• L2: Hüftbeuger (ACHTUNG: bei Th-Querschnitt meist hier früh Schwäche!)
• L3 (L2 – L4): Kniestrecker
• L4 (- L5): Fußheber
• L5: Großzehenheber
• S1: Fußsenker
- Kraftgrade nach Janda:
• 0: Keine Kontraktion
• 1: Muskelkontraktion ohne Bewegung
• 2: Bewegung ohne Schwerkraft
• 3: Bewegung gegen Schwerkraft
• 4: Bewegung gegen leichten Widerstand
• 5: volle Kraft
- Nervendehnungszeichen
• Lasegue/Bragard
Diagnostik:
- Bildgebend
• Röntgen oder am liebsten MRT
- Laboruntersuchung
• Bei Hinweis auf Entzündung immer Blutkultur nehmen, für Suche nach Keim
• CRP und Leukozyten!
Mögliche Therapien:
- Erstmal beruhigen, Schmerzmittel, Wärme, Bewegung
• Wenn nach 6 Wochen nicht weg: Bildgebung
- Schmerzmittel:
• Ibu, Diclo, Metamizol (Novalgin! Ist wohl sehr gut)
• IMMER mit Pantoprazol, auch wenn nur 3 Tage
- Chronifizierung individuell unterschiedlich wahrscheinlich
• Einschätzen und zur Not früh gegensteuern
• Nicht vergessen, dass psychosoziale Faktoren auch Grund und Verstärker sein
können
, - Bei lumbalem Bandscheibenvorfall:
• Konservative Therapie mit Stärkung der Muskulatur
• 60 % gehen von selbst wieder weg
• OP-Indikation nur bei: cauda equina Kompression mit Gefahr einer
dauerhaften Myelonkompression und -schädigung, Mastdarm-
/Blasenlähmung, Paresen unterhalb von Janda 3
→ relative Indikation bei ganz langem Verlauf, trotz konservativer Therapie
→ Große Vorfrälle
- Bei Red-Flags: Je nach Ursache Therapieren
• Wirbelersatz
• Immobilisierung
• Konservativ
• Chemo (meist jedoch nur Metastase)
Zusätzliche Red-Flags:
- Cauda-Symptomatik: Blasen und Mastdarmstörungen! Können nach 6 Stunden
bereits irreversibel sein → Stellen Notfall dar, sofortige OP geraten
- Bei Diagnostizierter Pathologie der Wirbelsäule und radikulärem Schmerz: wenn
Schmerz langsam weg geht ACHTUNG: Wurzelschaden! (Absterben)
Pathologien der Wirbelsäule
Wirbelkörperfraktur
- Bei Hinterkantenbeteiligung → OP-Indikation
- Sinterungsfraktur: durch stark osteoporotisch veränderte Knochen entstanden
- Klassifikation
→ A: Kompressionsfrakturen
• besonders die vordere Säule ist betroffen (vorderes 1/3)
• meist stabil
• dorsale Bewegungselemente + dorsaler Bandapparat i.d.R. intakt
→ B: Distraktionsfraktur
• Zerreißung der vordere und/oder der hinteren Bewegungssegmente
• Vorderes und mittleres 1/3 der Wirbelkörper betroffen
• Meist noch stabil, kann aber auch instabil sein
• OP kann sinnvoll sein
→ C: Rotationsverletzungen
• Betreffen den gesamten Wirbel, insbesondere das hintere 1/3 und die Bögen
• Instabil
• Immer OP
Bandscheibe
- Häufige degenerative Erkrankung der Wirbelsäule
- Häufigste klinische Symptomatik: „discogenes Lumbalsyndrom“
- Ursachen:
• Alter und Übergewicht: Belastung verschiebt sich nach vorne → Nucleus
Pulposus fällt nach hinten aus Anulus Fibrosus