Medizinisches Staatsexamen – Universität Bonn
Modul 1: Theorien der Persönlichkeit
Eysencks Dimensionen der Persönlichkeit (E-N-P-I)
Eysenck beschreibt vier Persönlichkeitsdimensionen, die bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt
sind:
Akron Dimension Ausprägungen
ym
E Extraversion – Introversion Extrovertiert: kontaktfreudig, offen
Introvertiert: zurückhaltend, distanziert
N Emotionale Stabilität – Labilität Stabil: höhere Erregungsschwelle
(Neurotizismus) Labit: leichter aus der Ruhe zu bringen, Angstzustände,
Stimmungsschwankungen, körperliche Beschwerden
P Realismus – Psychotizismus Psychotizismus: gefühlskalt, abweisend, aggressiv
Realismus: angepasst, gute Impulskontrolle
I Intelligenz Hat in Eysencks Modell eher nebensächliche Bedeutung
Big-Five-Modell (VOGEL)
Das bedeutendste aktuelle Persönlichkeitsmodell, entwickelt aus Persönlichkeitstests in verschiedenen
Kulturen. Merkhilfe: VOGEL
Akron Dimension Hoch ausgeprägt Niedrig ausgeprägt
ym
V Verträglichkeit Mitfühlend, empathisch, hilfsbereit Unfreundlich, streitsüchtig, ichbezogen
O Offenheit für Neugierig, kreativ, interessiert an Konservativ, wenig
Erfahrungen Neuem experimentierfreudig
G Gewissenhaftigkeit Verantwortungsbewusst, Nachlässig, unzuverlässig
zuverlässig, diszipliniert
→ korreliert am stärksten mit
höherer Bildung, besserem
Gesundheitsverhalten und
niedrigerer Sterblichkeit!
E Extra- vs. Kontaktfreudig, offen (wie Eysenck) Zurückhaltend, distanziert
Introversion
L Labilität vs. Stabilität Emotional instabil, Emotional stabil, ausgeglichen
(Neurotizismus) Stimmungsschwankungen
, ■ Merksatz: Big Five = VOGEL: Verträglichkeit – Offenheit – Gewissenhaftigkeit – Extra-/Introversion –
Labilität/Stabilität
Vererbung: Persönlichkeitsmerkmale sind teilweise genetisch bedingt (~45%) und teilweise durch individuelle
Umwelt (~39%). Die geteilte Umwelt (Familiengröße, Lebensstandard) hat nur geringen Einfluss.
Faktorenanalyse
Methode zur Messung von Persönlichkeitsdimensionen: Fragebogenaussagen, die stark miteinander
korrelieren, werden zu unabhängigen Faktoren (= Persönlichkeitsdimensionen) zusammengefasst. Alle
Faktoren zusammen bilden die Persönlichkeitsstruktur.
Trait- vs. State-Merkmale
Merkmal Trait State
Stabilität Zeitlich stabil Zeitlich instabil, situationsabhängig
Bedeutung Eigenschaft einer Person Kein Persönlichkeitsmerkmal
(Persönlichkeitsmerkmal)
Beispiel Ängstliche Persönlichkeit Angst als Reaktion auf eine bedrohliche
Situation; Stimmungsschwankungen
■ Merksatz: Trait = stabil = Persönlichkeitsmerkmal. State = instabil = situationsabhängiger Zustand, KEIN
Persönlichkeitsmerkmal.
Selbstkonzept
Das Selbstkonzept ist das Verständnis, das Menschen von sich selbst haben (Selbstbild und Wunschbild). Es
ist über die Zeit annähernd stabil und wird geprägt durch:
• Erziehung
• Den eigenen Wunsch, wie man sein möchte
• Rückmeldung der Mitmenschen
Das Selbstkonzept weicht häufig davon ab, wie andere einen tatsächlich wahrnehmen.
Persönlichkeitsstörungen
Verhaltensmuster, die deutlich von gesellschaftlichen Normen abweichen. Kaum beeinflussbar und schwer
therapierbar. Therapie nur notwendig bei starkem Leidensdruck oder erheblichen sozialen/beruflichen
Beeinträchtigungen.
Allgemeine Kriterien Details
Subjektiver Leidensdruck Beeinträchtigungen im sozialen und beruflichen Leben
Verhaltensmuster Tief verwurzelt, unflexibel, mehrere Lebensbereiche betreffend
Beginn Spätes Kindesalter oder Adoleszenz
Beispiele Abhängige, zwanghafte, histrionische, paranoide Persönlichkeitsstörung
,Modul 2: Verhaltensstile & Erlernte Hilflosigkeit
Verhaltensstile des Menschen
Verhaltensstil Definition / Beschreibung
Feldabhängigkeit Beeinflussbarkeit des Verhaltens durch das Umfeld
Interferenzneigung Leichte Ablenkbarkeit durch äußere, eigentlich unwichtige Reize
Sensation Seeking Verlangen nach aufregenden Sinneseindrücken und Situationen, oft mit Risiken
verbunden (z.B. Fallschirmspringen, Drogenkonsum)
Sensitization Aktive Auseinandersetzung mit unangenehmen Ereignissen; sucht nach Erklärungen
(Sensitizer) und Lösungen; toleriert bedrohliche Informationen eher
Repression Leugnen, Ignorieren oder Herunterspielen unangenehmer Ereignisse; vermeidet
(Represser) bedrohliche Informationen
■ Merksatz: Sensitizer = aktiv mit Problem auseinandersetzen. Represser = Problem leugnen/ignorieren.
Im klinischen Alltag wichtig: Wie viel bedrohliche Information kann der Patient tolerieren?
Erlernte Hilflosigkeit (Seligman)
Verhaltenspsychologische Grundlage für die Entstehung einer Depression. Erklärt, warum depressiv Erkrankte
nicht mehr in der Lage sind, objektiv kontrollierbare Ereignisse zu bewältigen.
Aspekt Inhalt
Definition Phänomen, bei dem Lebewesen die gefühlte Hilflosigkeit einer ausweglos
erscheinenden Situation auf ihr allgemeines Verhalten übertragen
Auslöser Erfahrungen in ausweglos erscheinenden Situationen: Traumata, wiederholtes
Versagen, unkontrollierbare negative Ereignisse
Folge Übertragung der erlernten Passivität auf andere (objektiv kontrollierbare)
Lebensbereiche → depressives Verhalten
Klinische Relevanz Erklärt die Entstehung und Aufrechterhaltung von Depressionen; Betroffene glauben,
keine Kontrolle über ihre Situation zu haben, auch wenn diese objektiv kontrollierbar
wäre
■ Merksatz: Erlernte Hilflosigkeit (Seligman) = Hilflosigkeit aus unkontrollierbaren Situationen wird
generalisiert → Grundlage der Depression!
Zusammenfassung erstellt für das Medizinische Staatsexamen – Universität Bonn | Themen: Persönlichkeit & Verhalten
, Zusammenfassung: Lerntheorien, Kognition &
Sozialisation
Medizinisches Staatsexamen – Universität Bonn
1. Lernformen – Überblick
Verhalten wird zu einem großen Teil im Laufe des Lebens erlernt. Lerntheorien sind besonders relevant für die
Verhaltenstherapie.
Lernform Definition Beispiele
Assoziatives Lernen Reiz und Reaktion werden durch zeitnahe Klassische Konditionierung,
Präsentation verknüpft Operante Konditionierung
Nicht-assoziatives Reaktion wird durch Art der Reizdarbietung Habituation, Dishabituation,
Lernen beeinflusst; keine Verknüpfung erlernt Sensitivierung
Lernen am Modell Komplexe Verhaltensweisen durch Nachahmung von Eltern, Freunden,
Beobachtung von Vorbildern erlernen TV-Figuren
Kognitives Lernen Wissen wird durch kognitive Prozesse aktiv Lernen durch Einsicht, Lernen
erlernt durch Eigensteuerung
2. Klassische Konditionierung (Pawlow)
Ein unkonditionierter Reiz (UCS) löst eine unkonditionierte Reaktion (UCR) aus. Durch wiederholte
Kopplung mit einem neutralen Reiz wird dieser zum konditionierten Reiz (CS), der allein die konditionierte
Reaktion (CR) auslöst. Ziel: Aufbau stabiler Erwartungen.
Zeitpunkt Stimulus Reaktion
Vor dem Training Neutraler Reiz (z.B. Glockenläuten) Keine spezifische Reaktion
Unkonditionierter Reiz (z.B. Essensduft) UCR: Speichelfluss
Beim Training Neutraler Reiz + Unkonditionierter Reiz (gemeinsam UCR: Speichelfluss
präsentiert)
Nach dem Training Konditionierter Reiz (ehem. neutraler Reiz, z.B. Glocke) CR: Speichelfluss
■ Merksatz: Klassische Konditionierung = erfolgreiche Kopplung eines unkonditionierten mit einem
neutralen Reiz!
Einflussfaktoren
• Interstimulusintervall: zeitlicher Abstand zwischen neutralem und unkonditioniertem Reiz
• Reihenfolge der Reizdarbietung (neutraler Reiz sollte vor unkonditioniertem erscheinen)
Grundbegriffe