Klinische Psychologie I
Vulnerabilitäts-Stress-Modelle
Eine kleine Geschichte…
01 Unsere Ausgangsfrage: Warum sind einige
Menschen anfälliger für psychische Erkrankungen als
andere?
In der Klinischen Psychologie gibt es verschiedene Modellperspektiven, aus deren Sicht wir
diese Frage jeweils beantworten können:
1. (Neuro-)biologische Perspektive
„Geisteskrankheiten sind Gehirnkrankheiten“
Gestörte Funktionsweisen der Gene oder der Stoffwechselvorgänge des Gehirns, des
Nerven- und endokrinen Systems
Bsp.: traditionelles medizinisches Krankheitsmodell und psychobiologisches Modell
2. Psychodynamische Perspektive
„Geisteskrankheiten als Funktionsstörungen psychischer Natur“
intrapsychische, (meist) unbewusste Konflikte
Bsp.: Psychoanalytische Schule
3. Kognitiv-behaviorale Perspektive
„Psychische Störungen als fehlerhafte Wahrnehmung objektiver
Situationswirklichkeiten und/oder fehlerhafter Schlussfolgerungen oder
Problemlösungen“
Falsch erlernte Verhaltens- und Einstellungsmuster einschließlich kognitiver Prozesse
auf Grundlage von Vulnerabilitäten und Stress
Bsp.: Verhaltenstherapie oder kognitive Therapie
, Klinische Psychologie I
Aber: Versuch einer Integration aller drei bisher genannten Perspektiven
4. Integrative Perspektive
Vulnerabilitäts-Stress-Interaktionen, bei denen gleichermaßen biologische, kognitive-
affektive, soziale und umweltbezogene sowie Verhaltensaspekte in ihrer
entwicklungs- und zeitbezogenen Dynamik in Wechselwirkung stehen
Störungsübergreifend
Multifaktoriell-probabilistisch
Bio-psycho-sozial
Kann als grobe Heuristik für individuelle Analyse der Entstehung einer Störung
genutzt werden
Bsp.: Vulnerabilitäts-Stress-Modelle / Diathese-Stress-Modelle
Merke: Es gibt nicht „die eine Theorie“, mit der sich die Entstehung und Aufrechterhaltung
psychischer Störungen im Allgemeinen erklären lassen!
Multifinalität und Äquifinalität
Zusammenspiel von Bedingungsfaktoren und deren systemischen Wirkungen lässt
keine stringente Kausalkette als Erklärungsmodell für die Entstehung von
pathologischen Phänomenen zu
Äquifinalität: es können viele Bedingungen und viele Entwicklungswege zum gleichen
Erscheinungsbild führen
Multifinalität: ein und derselbe Entwicklungsweg bzw. die dabei auftretende
Kombination von Bedingungen kann zu unterschiedlichen
Krankheitsbildern/Störungen führen, je nachdem, wie das System die Bedingungen
verarbeitet
Zusammenfassung
Keine dieser Perspektiven ist statisch, endgültig oder allgemeingültig!
Der Wert einiger Perspektiven besteht darin, dass sie aktuell zur Erklärung
bestimmter psychischer Prozesse und Verhaltensweisen wertvolle
Erkenntnisfortschritte erlauben
Der Wert anderer Perspektiven besteht darin, dass sie in der historischen
Entwicklung eine zentrale Rolle gespielt haben!
Krankheitsbildern/Störungen führen, je nachdem, wie das System die Bedingungen
verarbeitet
Vulnerabilitäts-Stress-Modelle
Eine kleine Geschichte…
01 Unsere Ausgangsfrage: Warum sind einige
Menschen anfälliger für psychische Erkrankungen als
andere?
In der Klinischen Psychologie gibt es verschiedene Modellperspektiven, aus deren Sicht wir
diese Frage jeweils beantworten können:
1. (Neuro-)biologische Perspektive
„Geisteskrankheiten sind Gehirnkrankheiten“
Gestörte Funktionsweisen der Gene oder der Stoffwechselvorgänge des Gehirns, des
Nerven- und endokrinen Systems
Bsp.: traditionelles medizinisches Krankheitsmodell und psychobiologisches Modell
2. Psychodynamische Perspektive
„Geisteskrankheiten als Funktionsstörungen psychischer Natur“
intrapsychische, (meist) unbewusste Konflikte
Bsp.: Psychoanalytische Schule
3. Kognitiv-behaviorale Perspektive
„Psychische Störungen als fehlerhafte Wahrnehmung objektiver
Situationswirklichkeiten und/oder fehlerhafter Schlussfolgerungen oder
Problemlösungen“
Falsch erlernte Verhaltens- und Einstellungsmuster einschließlich kognitiver Prozesse
auf Grundlage von Vulnerabilitäten und Stress
Bsp.: Verhaltenstherapie oder kognitive Therapie
, Klinische Psychologie I
Aber: Versuch einer Integration aller drei bisher genannten Perspektiven
4. Integrative Perspektive
Vulnerabilitäts-Stress-Interaktionen, bei denen gleichermaßen biologische, kognitive-
affektive, soziale und umweltbezogene sowie Verhaltensaspekte in ihrer
entwicklungs- und zeitbezogenen Dynamik in Wechselwirkung stehen
Störungsübergreifend
Multifaktoriell-probabilistisch
Bio-psycho-sozial
Kann als grobe Heuristik für individuelle Analyse der Entstehung einer Störung
genutzt werden
Bsp.: Vulnerabilitäts-Stress-Modelle / Diathese-Stress-Modelle
Merke: Es gibt nicht „die eine Theorie“, mit der sich die Entstehung und Aufrechterhaltung
psychischer Störungen im Allgemeinen erklären lassen!
Multifinalität und Äquifinalität
Zusammenspiel von Bedingungsfaktoren und deren systemischen Wirkungen lässt
keine stringente Kausalkette als Erklärungsmodell für die Entstehung von
pathologischen Phänomenen zu
Äquifinalität: es können viele Bedingungen und viele Entwicklungswege zum gleichen
Erscheinungsbild führen
Multifinalität: ein und derselbe Entwicklungsweg bzw. die dabei auftretende
Kombination von Bedingungen kann zu unterschiedlichen
Krankheitsbildern/Störungen führen, je nachdem, wie das System die Bedingungen
verarbeitet
Zusammenfassung
Keine dieser Perspektiven ist statisch, endgültig oder allgemeingültig!
Der Wert einiger Perspektiven besteht darin, dass sie aktuell zur Erklärung
bestimmter psychischer Prozesse und Verhaltensweisen wertvolle
Erkenntnisfortschritte erlauben
Der Wert anderer Perspektiven besteht darin, dass sie in der historischen
Entwicklung eine zentrale Rolle gespielt haben!
Krankheitsbildern/Störungen führen, je nachdem, wie das System die Bedingungen
verarbeitet