Erzählen mit Bildern: Bilderbuch, Comic, Graphic Novel
Multimodale Texte: (Bsp. Bilderbuch)
- Multimodale Texte/Sprach-Bild-Texte: Modalitäten Sprache (Text), Bild und Typografie
→ in diesem Zusammenspiel wird Bedeutung hervorgebracht
- Definition: Bilderbuch ist „eine spezielle Untergattung der Kinderliteratur, die in der Regal 30 Buchseiten nicht überschreitet und sich durch
eine enge Wechselbeziehung von Bild und Text auszeichnet“ (Thiele 2003)
- Formen der Text-Bild-Interdependenzen nach Thiele (2021)
- Parallelität
- Geflochtener Zopf
- Kontrapunktische Beziehung
Entwicklung des Bilderbuchs
- Vorläufer im 16. Jh. starke Zweckgebundenheit: Bücher mit theologischem Inhalt, Abc-Büchlein, Fabelbücher
- 18. Jh.: Entstehung der spezifischen KJL
- 19. Jh.: Drei Bilderbuchformen: 1. Bilderbogen, 2. Poetisches Bilderbuch, 3. Genrebilderbuch → Erziehungsmedium, das Kindern aus
bürgerlichen Familien Tugenden vermitteln soll; der kommerzielle Markt entdeckt das Bilderbuch als Unterhaltungsmedium
- „Struwwelpeter“ als Erziehungsmedium und kein Abschreckung; Kinder fanden überspitzte Handlung unterhaltsam → heute eher als
Abschreckung, da Kinder „zu behütet“ sind
- Das kindsgemäße Bilderbuch (1890-1920): Einfluss durch Kunsterziehungsbewegung und Jugendstil
- „Das eindeutige, klar konturierte Bildmotiv, das alles Mehrdeutige verbannen sollte, wurde zu einer das ganze 20. Jh. durchziehenden
(kunstpädagogischen) Forderung und prägt noch immer unsere Beurteilung von Bilderbüchern.“ (Thiele 2000)
- Kunstpädagogische Forderung für kindgemäße Bilderbuch:
, - Klare Bildstruktur
- Deutliche Umrisse
- Ruhige, nicht zu gegensätzliche farbige Flächen
- Einsatz der Primärfarben
- Allgemeines und Typisches (Einfachheit)
- Keine Perspektiven (nebeneinander oder übereinander statt hintereinander)
- Vereinfachte, stilisierte Formen
- Großer Maßstab
- „Bis in 50er Jahre hinein spiegelte Bilderbuch weniger die kindliche Perspektive als vielmehr wünschenswerte Verhaltensweisen, die die
Erwachsenen den Kindern zuschrieben.“ (Thiele 2021)
→Traditionelle Normen des Bilderbuchmarktes: Kurze, bildnerische Einheit, kindlicher Adressat-Entwurf, Bundfarbigkeit, Fröhlichkeit
- 1933-45: Das „deutsche“ Bilderbuch wird zum Erziehungsmittel funktionalisiert, ästhetische Kriterien der Bildgestaltung spielen keine Rollen
mehr; Bilderbücher vermitteln nationalsozialistisch-rassistische Vorstellungen, sind ideologisch angepasst oder ideologisch unverfänglich
- 1950-60er: Massenhafte Trivialität: Konzentration auf Bekanntes und Bewährtes, heile Welt: Naturräume fern von zeitlichen und
gesellschaftlichen Bezug; innovative Standards setzen aber Bilderbücher aus dem Ausland
- Ab 1990: Emanzipation des Bilderbuches → postmodernes Bilderbuch
- Neue Themen
- Neue Erzählformen
- Neue Bildsprache
- Bilderbuch heute:
- Komplexes, offenes und vielsichtiges Medium
- Wechselbezug zu Comics, Film, Fotografie, Theater, Computer
- Offener Adressaten-Entwurf
- Experimentierfeld
→ Verweigerung gegen das Klischee des Kindgemäßen, anspruchsvollen Werks (allerdings gibt es noch immer einen großen Anteil
konventionell gestalteter Bilderbücher auf dem Markt)
Neue Themen: Tabubrüche
- Meine Mutter, die Fee (Nikola Huppertz) Depression
- Planet Willi (Birte Müller) Down-Syndrom
- Böse Mann (Gro Dahle) häusliche Gewalt
- Ente, Tod und Tulpe (Wolf Erlbruch) Tod
Multimodale Texte: (Bsp. Bilderbuch)
- Multimodale Texte/Sprach-Bild-Texte: Modalitäten Sprache (Text), Bild und Typografie
→ in diesem Zusammenspiel wird Bedeutung hervorgebracht
- Definition: Bilderbuch ist „eine spezielle Untergattung der Kinderliteratur, die in der Regal 30 Buchseiten nicht überschreitet und sich durch
eine enge Wechselbeziehung von Bild und Text auszeichnet“ (Thiele 2003)
- Formen der Text-Bild-Interdependenzen nach Thiele (2021)
- Parallelität
- Geflochtener Zopf
- Kontrapunktische Beziehung
Entwicklung des Bilderbuchs
- Vorläufer im 16. Jh. starke Zweckgebundenheit: Bücher mit theologischem Inhalt, Abc-Büchlein, Fabelbücher
- 18. Jh.: Entstehung der spezifischen KJL
- 19. Jh.: Drei Bilderbuchformen: 1. Bilderbogen, 2. Poetisches Bilderbuch, 3. Genrebilderbuch → Erziehungsmedium, das Kindern aus
bürgerlichen Familien Tugenden vermitteln soll; der kommerzielle Markt entdeckt das Bilderbuch als Unterhaltungsmedium
- „Struwwelpeter“ als Erziehungsmedium und kein Abschreckung; Kinder fanden überspitzte Handlung unterhaltsam → heute eher als
Abschreckung, da Kinder „zu behütet“ sind
- Das kindsgemäße Bilderbuch (1890-1920): Einfluss durch Kunsterziehungsbewegung und Jugendstil
- „Das eindeutige, klar konturierte Bildmotiv, das alles Mehrdeutige verbannen sollte, wurde zu einer das ganze 20. Jh. durchziehenden
(kunstpädagogischen) Forderung und prägt noch immer unsere Beurteilung von Bilderbüchern.“ (Thiele 2000)
- Kunstpädagogische Forderung für kindgemäße Bilderbuch:
, - Klare Bildstruktur
- Deutliche Umrisse
- Ruhige, nicht zu gegensätzliche farbige Flächen
- Einsatz der Primärfarben
- Allgemeines und Typisches (Einfachheit)
- Keine Perspektiven (nebeneinander oder übereinander statt hintereinander)
- Vereinfachte, stilisierte Formen
- Großer Maßstab
- „Bis in 50er Jahre hinein spiegelte Bilderbuch weniger die kindliche Perspektive als vielmehr wünschenswerte Verhaltensweisen, die die
Erwachsenen den Kindern zuschrieben.“ (Thiele 2021)
→Traditionelle Normen des Bilderbuchmarktes: Kurze, bildnerische Einheit, kindlicher Adressat-Entwurf, Bundfarbigkeit, Fröhlichkeit
- 1933-45: Das „deutsche“ Bilderbuch wird zum Erziehungsmittel funktionalisiert, ästhetische Kriterien der Bildgestaltung spielen keine Rollen
mehr; Bilderbücher vermitteln nationalsozialistisch-rassistische Vorstellungen, sind ideologisch angepasst oder ideologisch unverfänglich
- 1950-60er: Massenhafte Trivialität: Konzentration auf Bekanntes und Bewährtes, heile Welt: Naturräume fern von zeitlichen und
gesellschaftlichen Bezug; innovative Standards setzen aber Bilderbücher aus dem Ausland
- Ab 1990: Emanzipation des Bilderbuches → postmodernes Bilderbuch
- Neue Themen
- Neue Erzählformen
- Neue Bildsprache
- Bilderbuch heute:
- Komplexes, offenes und vielsichtiges Medium
- Wechselbezug zu Comics, Film, Fotografie, Theater, Computer
- Offener Adressaten-Entwurf
- Experimentierfeld
→ Verweigerung gegen das Klischee des Kindgemäßen, anspruchsvollen Werks (allerdings gibt es noch immer einen großen Anteil
konventionell gestalteter Bilderbücher auf dem Markt)
Neue Themen: Tabubrüche
- Meine Mutter, die Fee (Nikola Huppertz) Depression
- Planet Willi (Birte Müller) Down-Syndrom
- Böse Mann (Gro Dahle) häusliche Gewalt
- Ente, Tod und Tulpe (Wolf Erlbruch) Tod