Unter der Drachenwand
Autor: Arno Geiger | Erschienen: 2018 | Verlag: Carl Hanser Verlag | Ort: München (zitiert nach der dtv-
Ausgabe von 2019)
Der Roman erzählt von dem 23-jährigen, an der Ostfront verwundeten Kriegsveteranen Veit Kolbe, der sich im
oberösterreichischen Mondsee von seinen körperlichen und seelischen Kriegstraumata zu erholen versucht.
Parallel dazu werden die Schicksale weiterer Figuren geschildert, darunter seine spätere Geliebte Margot und
die jüdische Familie Meyer. Geiger verbindet damit mehrere Perspektiven zu einem einfühlsamen
Gesellschaftsbild des Jahres 1944.
Inhaltsverzeichnis
– Übersicht
Handlung
– 1.-7. Kapitel
– 8.-14. Kapitel
– 15.-21. Kapitel
– 22.-28. Kapitel
– 29.-34. Kapitel
– Aufbau
Charakterisierung
– Veit Kolbe
– Johann Kolbe
– Margot
– Oskar Meyer
– Robert Raimund Perttes
– Figurenkonstellation
Stil
– Stilmittel
– Erzählweise
Kontext
– Entstehung und Epoche
– Rezeption
– Motive
Interpretation
– Drachenwand
– Überlebenskampf im Krieg
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,Übersicht
Bei dem Werk Unter der Drachenwand von Arno Geiger handelt es sich um einen Roman der Gegenwart.
Geiger publiziert das 480-seitige Werk im Jahr 2018 beim Carl Hanser Verlag in München als gebundenes
Buch.
Der Roman setzt sich aus zwei parallel zueinander verlaufenden Handlungen zusammen, von denen die
Haupthandlung aus einem Ausschnitt der Biografie des 23-jährigen Kriegsveteranen Veit Kolbe besteht. Der
junge Österreicher kehrt verwundet von der Ostfront zurück und entschließt sich dazu, sich im
oberösterreichischen Gebiet Mondsee von den körperlichen sowie seelischen Strapazen zu erholen. Im Zuge der
Handlung erfährt man als Leser anhand von Rückblenden Einzelheiten über das bisherige Schicksal des
Protagonisten und wird Zeuge seines Versuchs, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Als
Nebenhandlung wird auf die Geschichte Veits neuer Bekannten und späteren Geliebten Margot eingegangen.
Auch das jüdische Schicksal der Figur Oskar und Valerie Meyer wird in Form eines Nebenschauplatzes
wiedergegeben.
Der gebürtige Vorarlberger Arno Geiger erfährt für Unter der Drachenwand, wie auch für seine übrigen Werke
vorrangig positive Resonanz. Besonders der von Empathie und Einfühlungsvermögen bestimmte Ansatz in
seinen Romanen zeichnet den Autoren als einen der besten seiner Zeit aus. Das vorliegende Buch wurde ins
Niederländische übersetzt.
Handlung
1.-7. Kapitel
1. Kapitel
Infos
Seite: 7-21
Ort: Front am Dnjepr, Prag, Dolinskaja, Saarland, Frankfurt, Salzburg, Wien Zeit: Dezember 1943
Personen: Veit Kolbe, mehrere Ärzte und Pfleger
Inhalt
Veit erzählt, wie er in Russland an der Front Verletzungen an Wange, Schlüsselbein, Kiefer und
Oberschenkel davonträgt
Zunächst wird der Protagonist in ein notdürftiges Zwischenlager gebracht, wo er einstweilig verarztet
wird - „beim Vernähen“ (S. 8, Z. 27) seiner Wunden befindet sich Veit bei vollem Bewusstsein und
anstatt mit Ekel, „mit größter Verwunderung“ (S. 8, Z. 27f) erfüllt
Nach zwei Tagen geht es für den Verwundeten weiter nach Dolinskaja, wobei die beschwerliche Reise
immer wieder von Luft-und Bombenangriffen unterbrochen wird In Dolinskaja verlegt man Veit in
„einen Lazarettzug“ (S. 9, Z. 28), der ihn zuerst nach Prag und weiter ins Saarland transportiert, wo er
nach sieben Tagen Zugreise eintrifft Die Umgebung im Saarland beschreibt der junge Kolbe als nicht
„besonders schön“ (S. 11, Z. 3f)
Nachdem sich der Protagonist für ein paar Nächte von den Strapazen seiner Reise und Verwundungen
erholt, wird am 2. Dezember die Operation an seinem Oberschenkel und seinem Schlüsselbein
durchgeführt
Veit informiert seine Eltern über seinen Zustand sowie Aufenthaltsort und bittet in einem Brief um etwas
Geld sowie persönliche Gegenstände für seine Körperhygiene
Es tauchen neben dem sehr langsamen Genesungsprozess seiner Wangen-und
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, Kieferverletzung auch Komplikationen seines Beins auf. Die Wunde heilt nicht wie erhofft und hat sich
infiziert
Kolbe erhält das Verwundetenabzeichen, dessen Sinn er allerdings infrage stellt Im Zuge seines
Aufenthaltes im Lazarett erlebt Veit hautnah die physischen wie auch psychischen Folgen des Krieges an
seinen Kameraden und wünscht sich nichts sehnlicher, als nach Hause fahren zu dürfen
Nach einer Weile geht es dem jungen Mann zunehmend besser und er ist soweit wieder bei Kräften, dass
er abreisen kann. Seine Fahrt mit dem Zug führt ihn über Frankfurt und Salzburg nach Wien zu seinen
Eltern
2. Kapitel
Infos
Seite: 22-31
Ort: Wohnung der Familie Kolbe in Wien
Zeit: Dezember 1943
Personen: Veit Kolbe, Ehepaar Kolbe, Onkel Johann Kolbe
Inhalt
15 Monate ist es her, dass Veit seine Eltern in Wien das letzte Mal gesehen hat - entsprechend sehnt er
sich nach den schützenden Wänden seines Zuhauses. Doch bereits kurz nach seiner Ankunft wird dem
Kriegsveteranen deutlich, dass der Aufenthalt bei seinen Eltern nur eine Zwischenlösung sein kann. Das
ständige Nachfragen, die (gut gemeinten) Ratschläge, die dadurch entstehende Atmosphäre im Haus
empfindet Veit als unerträglich
Besonders einen Gedanken vermag der junge Mann nicht mehr abzuschütteln: „Ich habe so viel Zeit
verloren, dass ich sie nicht aufholen kann.“ (S. 23, Z. 29f). Auch der Tod seiner Schwester Hilde lässt
Veit keine Ruhe - seiner Meinung nach wäre er besser an ihrer Stelle gewesen, da er „damit [seinem
Leben] nichts anzufangen [weiß]“ (S. 25, Z. 8) Der Winter bricht ein und unser Protagonist besucht das
Grab seiner verstorbenen Schwester Hilde
Als eine Weihnachtskarte des Onkels Johann Kolbe aus Mondsee eintrifft, reift in Veit der Gedanke, zu
ihm auf Land zu gehen und auf diese Weise auch zukünftig die
Auseinandersetzungen, insbesondere mit seinem Vater, zu vermeiden
Veits Mutter fällt der Abschied von ihrem Sohn sehr schwer, nichtsdestotrotz steht der Entschluss fest,
nach Mondsee zu fahren, wo ihm Onkel Johann bereits ein Zimmer organisiert hat
3. Kapitel
Infos
Seite: 32-48
Ort: Wien, Mondsee
Zeit: Neujahr 1944
Personen: Veit Kolbe, Ehepaar Kolbe, Johann Kolbe, Trude Dohm, die Lagerlehrerin Bildstein
Inhalt
Angekommen in Mondsee, empfängt Veit seine zukünftige Gastgeberin Frau Dohm am Bahnhof. Die
Persönlichkeit Trude Dohms ist schroffer Natur. Das Zuhause der Quartiersfrau weist zahlreiche
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, Mängel auf, wie „das schlecht verlegte Rohr“ (S. 34, Z. 16f) des Kamins und ein unangenehmer
„schaler, süßlicher Geruch nach totem Tier“ (S. 34, Z. 5)
Nach einer verfrorenen Nacht, die ihn die Schmerzen in seinem Bein zusätzlich spüren lassen, begibt
sich Veit auf einen Rundgang durch das Städtchen
Seinen Onkel Johann besucht er im Zuge seines Rundgangs und Veit beantwortet seinem Onkel dessen
Fragen über den Krieg und den Aufenthalt im Lazarett
Die klamme und schmutzige Matratze tauscht Veit gegen einen Strohsack aus, welcher ihm von Frau
Dohm zur Verfügung gestellt wird. Der junge Kolbe erfährt davon, dass in seinem Nachbarzimmer eine
junge Mutter aus Darmstadt mit ihrem Neugeborenen wohnt
Beim Ortsleiter beantragt Veit einen „Dauerbrandofen“ (S. 44, Z. 14f), welchen er trotz Widerworte
seiner Gastgeberin in sein Zimmer einbauen lässt
Wenige Tage später erkundet Veit auf einer Wanderung den nahe gelegenen Ort St. Lorenz, wo er einer
Gruppe Schulmädchen mit ihrer Lehrerin über den Weg läuft, die auf dem Weg nach Schwarzindien sind
4. Kapitel
Infos
Seite: 49-59
Ort: Mondsee
Zeit: Mittags bis abends
Personen: Veit Kolbe, der „Ortsgruppenleiter“ (S. 50, Z. 19), Johann Kolbe, die Lagerlehrerin
Bildstein, Margot
Inhalt
Das Leben im Haus der Quartiersfrau beginnt für Veit etwas angenehmer zu werden: Der neue Ofen ist
eingebaut und die Wärme wirkt sich positiv auf die körperliche und seelische Gesundheit des
Protagonisten aus
Als sich Veit bei dem „Ortsgruppenleiter“ (S. 50, Z. 19) für die Bewilligung seines Antrags auf den Ofen
mit einer Flasche Wein bedanken möchte, lehnt dieser die Gaben ab. Grund dafür ist, dass der Leiter des
Städtchens nicht als „bestechbar“ gelten will Mit seinem Onkel Johann verbringt Veit zunehmend mehr
Zeit. Zusammen treffen sie auf die Lagerlehrerin Bildstein, welche eine distanzierte und dennoch
freundliche Haltung gegenüber den beiden Herren wahrt
Veit fasst sich ein Herz und begleitet Frau Bildstein bis zum Gasthof in Schwarzindien, wo sie den
Kriegsveteranen bittet, ihr zu folgen. So kommt es, dass Veit sich inmitten einer Schaar von
Schulmädchen wiederfindet, die alle sehr an seinen Berichten vom Krieg interessiert sind
Wieder zu Hause in Mondsee begegnet der junge Kolbe seiner Nachbarin, der
Darmstädterin. Die beiden stellen fest, die Eigenheiten des jeweilig anderen bereits zu kennen, da die
Wände sehr dünn sind. Die Darmstädterin scheint Post von jemandem zu erhalten, den sie längst tot
geglaubt hatte, da sie „von den Toten auferstanden...“ (S. 58f, Z. 30f) sagt, als sie vom Briefträger ihre
Post entgegennimmt
5. Kapitel
Infos
Seite: 60-71
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