Lyrik
Zur Struktur lyrischer Texte
Der Vers - Grundelement des Gedichts
Lyrische Texte sind in der Regel in Versen abgefasst, d.h., dass die Zeilen an einer von dem Dichter und
nicht zufällig vom Buchformat bestimmten Stelle abbrechen. Diese Brechung des Sprachflusses gibt den
Wörtern durch ihre Stellung (z.B. am Versanfang oder -ende) eine besondere Akzentuierung. Neben den
horizontalen Bezügen, die sich durch die Wort- und Satzfolge ergeben, stellen sich durch die Anordnung
der Verse auch vertikale Bezüge her, die durch klangliche oder optische Mittel werden können. In der
Figurendichtung und der visuellen Poesie werden Verse, Wörter oder Buchstaben so gesetzt, dass mit dem
Text zugleich ein Bild entsteht (vgl. S. 10).
Verhältnis von Vers(Zeile) und Satz im Gedicht
Zeilenstil: Satzende und Versende stimmen überein. Der Vers endet mit einer Pause.
Enjambement (frz. Zeilensprung): Der Satz überspringt das Versende und setzt sich im folgenden
Vers fort. Am Versende bzw. beim „Sprung“ entsteht keine Pause.
Hakenstil : In einer Folge von Enjambements erscheinen die Verse durch die übergreifenden
Satzbögen gleichsam verhakt.
Klang, Reim und Rhythmus - Strophen- und Gedichtformen
Wichtig für Wirkung und Sinngehalt eines Gedichts ist die lautliche Ebene. In einigen Extremformen
lyrischer Gestaltung, z.B. in der Romantik oder in der konkreten Poesie, wird sie sogar zum
Hauptbedeutungsträger. Dann dient die Sprache als Klang- bzw. Bildmaterial. Auch in weniger von
Wortmusik und Buchstabencollagen bestimmten Gedichten sind End- und Binnenreime, Alliterationen und
Lautmalereien an der Sinnkonstitution beteiligt. Dasselbe gilt für die metrisch-rhythmische Ausgestaltung
der Gedichte. Fallende und steigende Metren (Versmasse) beeinflussen durch ihre Rhythmisierung
(fliessend, abgehackt etc.) den Hör- bzw. Leseprozess und damit das Verständnis.
Reim, Metrum , Strophen- und Gedichtformen
Reim
Endreim: Der genaue Gleichklang der Versenden vom letzten betonten Vokal an („See“ - „Schnee“;
„Wasser“ - „blasser“). Endreimschemata können sein:
- Paarreim (aabb)
- Kreuzreim (abab)
- umarmender Reim (abba)
- Schweifreim (aabccb)
- dreifache Reimreihe (abcabc)
- Haufenreim (aaa...)
Binnenreim: Zwei oder mehrere Wörter in ein und demselben Vers reimen sich.
Anfangsreim: Reim der ersten Wörter zweier Verse.
Schlagreim: Zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Wörter reimen sich.
Assonanz: Nur die Vokale, nicht aber die Konsonanten stimmen überein („sagen“ - „Raben“)
Alliteration: Mehrere Wörter beginnen mit demselben Buchstaben.
Reimwaise: reimloser Vers innerhalb einer gereimten Strophe.
Metrum (Versmass)
Die Abfolge von betonten und unbetonten Silben bestimmt in der gesprochenen deutschen Sprache den
Rhythmus oder Sprachfluss. Klingt diese Abfolge - wie in vielen Gedichten - regelmässig, wird von einem
Metrum gesprochen. Die Lehre vom Metrum heisst Metrik. Die kleinste rhythmische Einheit einer
, geregelten Abfolge von betonten ( / = Hebung) und unbetonten Silben ( U = Senkung) nennt man Versfuss
(Takt):
Jambus (steigend): U / z.B. Gedicht
Trochäus (fallend): / U z.B. Dichter
Anapäst (steigend): U U / z.B. Anapäst --> Trauergedichte
Daktylus (fallend): / U U z.B. Daktylus --> fröhlich, beschwingt (oft bei Tanzliedern)
Amphibrachus: U/U
Blankvers: Jamben ohne Endreime
Katalektische Silbe:
Dem Vers fehlt eine bzw. fehlen zwei unbetonte Silben am Ende (zwei können nur bei einem
Daktylus fehlen).
/ u uI / u u I / [u] [u]
Schlummernd im schwellenden Grün
/ u u I / u u I / u [u]
Liegst du, wo Lüfte dich fächeln!
Akatalektisch:
Das Metrum ist vollständig. Versende fällt mit dem Ende des letzten Versfußes zusammen.
Hyperkatalektisch:
Der Vers hat am Ende eine unbetonte Silbe zu viel.
u / I u / I u / I u / I [u]
Du Mann im schlechten blauen Kittel
u /Iu / Iu / I u / I
Arbeite schaffe Salz und Brot
Kadenz (Silbenfall am Versschluss)
männlich/ stumpf: U / einsilbiger Reim, Vers endet mit Hebung („und fallend giesst“)
weiblich/ klingend: / U zweisilbiger Reim, Vers endet mit Hebung und Senkung („das andre
übersteigend“)
superklingend: / U U
Strophenformen
Distichon (Plural: Distichen): besteht aus zwei meist daktylischen Versen mit jeweils sechs
Hebungen. Im zweiten Vers folgen die dritte und die vierte Hebung unmittelbar aufeinander.
Einfache Liedstrophe: vierzeilige Strophe mit der Tendenz zu alternierendem Metrum (Hebung und
Senkung wechseln regelmässig) und Reimbindung von mindestens zwei Versen (abac o.Ä.).
Sestine: sechszeilige Strophe mit regelmässigem Reimschema, z.B. aabbcc oder ababcc.
Verspaarkette: eine Folge von Verspaaren, oft durch einen Paarreim verbunden.
Gedichtformen
Ballade: strophisch regelmässig gegliederte längere Gedichtform mit Reim und Tendenz zu festem
Metrum. Wesentlich für die Ballade ist ihr erzählender und dramatischer Charakter.
Elegie: drückt meist eine resignierend wehmütige Stimmung aus (oft in Form von Distichen).
Haiku: kurze Gedichtform, die in Japan entstanden ist. Besteht aus drei Versen zu 5-7-5 Silben. Der
strenge Aufbau zwingt zu extremer Verdichtung.
Zur Struktur lyrischer Texte
Der Vers - Grundelement des Gedichts
Lyrische Texte sind in der Regel in Versen abgefasst, d.h., dass die Zeilen an einer von dem Dichter und
nicht zufällig vom Buchformat bestimmten Stelle abbrechen. Diese Brechung des Sprachflusses gibt den
Wörtern durch ihre Stellung (z.B. am Versanfang oder -ende) eine besondere Akzentuierung. Neben den
horizontalen Bezügen, die sich durch die Wort- und Satzfolge ergeben, stellen sich durch die Anordnung
der Verse auch vertikale Bezüge her, die durch klangliche oder optische Mittel werden können. In der
Figurendichtung und der visuellen Poesie werden Verse, Wörter oder Buchstaben so gesetzt, dass mit dem
Text zugleich ein Bild entsteht (vgl. S. 10).
Verhältnis von Vers(Zeile) und Satz im Gedicht
Zeilenstil: Satzende und Versende stimmen überein. Der Vers endet mit einer Pause.
Enjambement (frz. Zeilensprung): Der Satz überspringt das Versende und setzt sich im folgenden
Vers fort. Am Versende bzw. beim „Sprung“ entsteht keine Pause.
Hakenstil : In einer Folge von Enjambements erscheinen die Verse durch die übergreifenden
Satzbögen gleichsam verhakt.
Klang, Reim und Rhythmus - Strophen- und Gedichtformen
Wichtig für Wirkung und Sinngehalt eines Gedichts ist die lautliche Ebene. In einigen Extremformen
lyrischer Gestaltung, z.B. in der Romantik oder in der konkreten Poesie, wird sie sogar zum
Hauptbedeutungsträger. Dann dient die Sprache als Klang- bzw. Bildmaterial. Auch in weniger von
Wortmusik und Buchstabencollagen bestimmten Gedichten sind End- und Binnenreime, Alliterationen und
Lautmalereien an der Sinnkonstitution beteiligt. Dasselbe gilt für die metrisch-rhythmische Ausgestaltung
der Gedichte. Fallende und steigende Metren (Versmasse) beeinflussen durch ihre Rhythmisierung
(fliessend, abgehackt etc.) den Hör- bzw. Leseprozess und damit das Verständnis.
Reim, Metrum , Strophen- und Gedichtformen
Reim
Endreim: Der genaue Gleichklang der Versenden vom letzten betonten Vokal an („See“ - „Schnee“;
„Wasser“ - „blasser“). Endreimschemata können sein:
- Paarreim (aabb)
- Kreuzreim (abab)
- umarmender Reim (abba)
- Schweifreim (aabccb)
- dreifache Reimreihe (abcabc)
- Haufenreim (aaa...)
Binnenreim: Zwei oder mehrere Wörter in ein und demselben Vers reimen sich.
Anfangsreim: Reim der ersten Wörter zweier Verse.
Schlagreim: Zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Wörter reimen sich.
Assonanz: Nur die Vokale, nicht aber die Konsonanten stimmen überein („sagen“ - „Raben“)
Alliteration: Mehrere Wörter beginnen mit demselben Buchstaben.
Reimwaise: reimloser Vers innerhalb einer gereimten Strophe.
Metrum (Versmass)
Die Abfolge von betonten und unbetonten Silben bestimmt in der gesprochenen deutschen Sprache den
Rhythmus oder Sprachfluss. Klingt diese Abfolge - wie in vielen Gedichten - regelmässig, wird von einem
Metrum gesprochen. Die Lehre vom Metrum heisst Metrik. Die kleinste rhythmische Einheit einer
, geregelten Abfolge von betonten ( / = Hebung) und unbetonten Silben ( U = Senkung) nennt man Versfuss
(Takt):
Jambus (steigend): U / z.B. Gedicht
Trochäus (fallend): / U z.B. Dichter
Anapäst (steigend): U U / z.B. Anapäst --> Trauergedichte
Daktylus (fallend): / U U z.B. Daktylus --> fröhlich, beschwingt (oft bei Tanzliedern)
Amphibrachus: U/U
Blankvers: Jamben ohne Endreime
Katalektische Silbe:
Dem Vers fehlt eine bzw. fehlen zwei unbetonte Silben am Ende (zwei können nur bei einem
Daktylus fehlen).
/ u uI / u u I / [u] [u]
Schlummernd im schwellenden Grün
/ u u I / u u I / u [u]
Liegst du, wo Lüfte dich fächeln!
Akatalektisch:
Das Metrum ist vollständig. Versende fällt mit dem Ende des letzten Versfußes zusammen.
Hyperkatalektisch:
Der Vers hat am Ende eine unbetonte Silbe zu viel.
u / I u / I u / I u / I [u]
Du Mann im schlechten blauen Kittel
u /Iu / Iu / I u / I
Arbeite schaffe Salz und Brot
Kadenz (Silbenfall am Versschluss)
männlich/ stumpf: U / einsilbiger Reim, Vers endet mit Hebung („und fallend giesst“)
weiblich/ klingend: / U zweisilbiger Reim, Vers endet mit Hebung und Senkung („das andre
übersteigend“)
superklingend: / U U
Strophenformen
Distichon (Plural: Distichen): besteht aus zwei meist daktylischen Versen mit jeweils sechs
Hebungen. Im zweiten Vers folgen die dritte und die vierte Hebung unmittelbar aufeinander.
Einfache Liedstrophe: vierzeilige Strophe mit der Tendenz zu alternierendem Metrum (Hebung und
Senkung wechseln regelmässig) und Reimbindung von mindestens zwei Versen (abac o.Ä.).
Sestine: sechszeilige Strophe mit regelmässigem Reimschema, z.B. aabbcc oder ababcc.
Verspaarkette: eine Folge von Verspaaren, oft durch einen Paarreim verbunden.
Gedichtformen
Ballade: strophisch regelmässig gegliederte längere Gedichtform mit Reim und Tendenz zu festem
Metrum. Wesentlich für die Ballade ist ihr erzählender und dramatischer Charakter.
Elegie: drückt meist eine resignierend wehmütige Stimmung aus (oft in Form von Distichen).
Haiku: kurze Gedichtform, die in Japan entstanden ist. Besteht aus drei Versen zu 5-7-5 Silben. Der
strenge Aufbau zwingt zu extremer Verdichtung.