Woyzeck
Autor: Georg Büchner | Erschienen: 1879 (postum; entstanden 1836) | Verlag: SchulLV | Ort: Karlsruhe
(zitiert nach der Ausgabe von 2021)
Das unvollendete Dramenfragment schildert den Soldaten Franz Woyzeck, der in ärmlichen Verhältnissen lebt
und sich für ein menschenunwürdiges medizinisches Erbsen-Experiment hergibt, um seine Geliebte Marie und
das gemeinsame Kind zu unterstützen. Während Woyzeck von Hauptmann und Arzt gedemütigt und
ausgebeutet wird, lässt sich Marie auf eine Affäre mit einem Tambourmajor ein. Getrieben von Eifersucht,
Verzweiflung und wachsendem Wahn ersticht Woyzeck Marie schließlich mit einem Messer. Büchner gilt mit
diesem sozialkritischen Fragment als Wegbereiter des modernen Dramas.
Inhaltsverzeichnis
Handlung
– Zusammenfassung
– Szene 1 - 2
– Szene 3 - 7
– Szene 8 - 10
– Szene 11 - 15
– Szene 16 - 21
– Szene 22 - 26
– Szene 27
– Aufbau des Dramas
Charakterisierungen
– Franz Woyzeck
– Marie Zickwolf
– Nebenfiguren
– Stil und Sprache
Kontext
– Epoche
– Geschichtlicher Hintergrund
Interpretation
– Woyzecks Motive
– Armut und Arbeit
– Das Erbsenexperiment
– Zurechnungsfähigkeit
1
,Handlung
Zusammenfassung
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Der Soldat Franz Woyzeck lebt in armen Verhältnissen am unteren Ende der sozialen Hierarchie. Dennoch
versucht er, seine Geliebte Marie Zickwolf und ihr gemeinsames uneheliches Kind zu unterstützen. Während
Woyzeck von seinen Vorgesetzten unterdrückt und für ein medizinisches Experiment missbraucht wird, um
Geld für eine Hochzeit mit Marie zu verdienen, lässt sich Marie von einem Tambourmajor[1] verführen und
geht eine Affäre mit diesem ein. Woyzeck ahnt, dass Marie ihn betrügt und erhofft sich, durch das zusätzliche
Geld seine Geliebte an sich binden zu können. Im Zuge des medizinischen Experiments wird Woyzeck auf eine
Erbsendiät gesetzt und muss fortan ausschließlich die grünen Hülsenfrüchte essen. Zudem wird der Soldat vom
Hauptmann und dem Arzt psychisch und physisch immer stärker ausgenutzt und in der Öffentlichkeit
gedemütigt. Woyzecks Mitmenschen machen sich auf seine Kosten lustig und stacheln seine wachsende
Eifersucht mehr und mehr an. Schließlich entdeckt Woyzeck Marie und den Tambourmajor beim Tanzen in
einem Wirtshaus und ist entsetzt über die zur Schau gestellte Untreue seiner Geliebten. Aufgrund der
Mangelernährung sowie der psychischen Belastungen ist Woyzeck inzwischen völlig erschöpft. Er hört
Stimmen, die ihm befehlen, Marie umzubringen. Getrieben von den Stimmen in seinem Kopf und seiner
rasenden Eifersucht kauft er sich ein Messer, um Marie zu erstechen. Woyzeck lockt Marie hinaus aus der Stadt
und tötet sie schließlich. Danach eilt er zurück in die Stadt und besucht das Wirtshaus. Nachdem mehrere Gäste
dort die Blutflecken auf seinen Armen und seiner Kleidung entdecken, verstrickt sich Woyzeck in verschiedene
Ausreden und ergreift die Flucht. Er kehrt zum Tatort zurück und versenkt die Tatwaffe in einem Teich. Maries
Leiche und der Mord werden untersucht. Statt einer kleinen Familie hat Woyzeck nun jedoch nichts mehr und
endet einsam, da auch sein Sohn sich von ihm abwendet.
[1] Tambourmajor: der Anführer der Trommler, die die Armeen auf das Schlachtfeld oder zu Paradezwecken
anführten.
Szene 1 - 2
1. Szene Woyzeck und Soldat Andres schneiden auf dem freien Feld Stöcke → Zweck der Stöcke bleibt offen
Woyzeck beginnt zu halluzinieren, dass er auf einem Hinrichtungsplatz steht → Ist der Überzeugung, die Köpfe
von Enthaupteten zu sehen, die über den Platz rollen → Führt dies auf die Freimaurer zurück In seiner
Halluzination meint Woyzeck, Posaunen zu hören Andres lässt sich von Woyzecks Halluzination in Angst
versetzen und reißt Woyzeck zu Boden Daraufhin klingen Woyzecks Wahnvorstellungen ab → Welt erscheint
ihm nach den Halluzinationen tot und still Andres macht Woyzeck auf ein Trommeln aufmerksam, das von der
Stadt zu kommen scheint → Zeichen für den beginnenden Zapfenstreich[1] → Andres drängt Woyzeck zur
Rückkehr
2. Szene Marie, die Geliebte von Woyzeck, steht mit ihrem Sohn auf dem Arm und der Nachbarin Margreth am
Fenster und beobachtet den Zapfenstreich Vorneweg geht der Tambourmajor und grüßt Marie und Margreth
Beide Frauen finden den Tambourmajor attraktiv und beginnen zu streiten → Margreth wirft Marie vor, dem
Tambourmajor schöne Augen gemacht zu haben → Verweist auf Maries uneheliches Kind und somit auf ihre
lockere Lebensart Marie beginnt, für ihr Kind ein Lied zu singen, um sich selbst zu beruhigen und den
Vorwürfen keine Beachtung zu schenken Woyzeck klopft an das Fenster und erzählt Marie von seinen
Wahnvorstellungen → Kann jedoch nicht lange bleiben, da er zum Zählappell in die Kaserne muss Marie ist
wütend und enttäuscht, dass Woyzeck seinen Sohn nicht beachtet Marie ist von Woyzecks Verwirrung
verängstigt
Funktion Dient der Einleitung in die Geschichte Leser wird in die sozialen Umstände und in die
Familienverhältnisse von Woyzeck und Marie eingeführt und erhält einen kurzen Einblick in ihre Beziehung
Woyzecks Getriebenheit und Halluzinationen werden deutlich, was bereits auf eine psychische Instabilität
hinweist
Figur des Tambourmajor wird eingeführt und die spätere Affäre lässt sich erahnen
2
, [1] Zapfenstreich: musikalisches Signal, das anzeigt, wann die Soldaten wieder in die Kaserne zurückkehren
müssen, wenn sie abends
Ausgang haben.
Szene 3 - 7
3. Szene Am selben Abend besuchen Woyzeck und Marie einen Jahrmarkt Woyzeck hat sich wieder beruhigt
und scheint den vorherigen Vorfall vergessen zu haben Ein Ausrufer preist eine Vorführung an, in der es ein
sternkundiges Pferd und einen als Soldat verkleideten Affen zu sehen geben soll Marie möchte sich die Show
ansehen, weshalb sie mit Woyzeck das Innere der Bude betritt Der Tambourmajor und ein Unteroffizier haben
Marie in der Menge entdeckt und folgen ihr in das Innere der Bude, nachdem sie sich über ihre erotische
Ausstrahlung unterhalten haben Während das Pferd seine Künststücke aufführt, philosophiert der Marktschreier
parodisch über den Unterschied zwischen Mensch und Kreatur Um der Menschenmenge zu beweisen, dass das
Pferd auch die Uhr lesen kann, stellt der Tambourmajor seine Uhr zur Verfügung Da sie das Spektakel von
weiter vorne sehen möchte, lässt sich Marie vom Unteroffizier in die erste Reihe helfen
4. Szene Marie sitzt vor einem Spiegel und hat ihr Kind auf dem Schoß → Betrachtet die Ohrringe, die sie vom
Tambourmajor geschenkt bekommen hat Sinniert dabei über die Ungleichheit der menschlichen Verhältnisse →
Bezeichnet sich selbst als wunderhübsch, hat jedoch nicht so einen großen Spiegel wie die reichen Damen, um
sich darin betrachten zu können Versucht ihr Kind währenddessen mit einer Mischung aus Gesang und
Drohungen zum Einschlafen zu bewegen Als Woyzeck den Raum betritt versucht Marie die Ohrringe zu
verstecken, was ihr jedoch nicht gelingt → Behauptet, die Ohrringe auf der Straße gefunden zu haben →
Woyzeck bezweifelt dies, lenkt jedoch ein und betrachtet sein schlafendes Kind Kind hat Schweißperlen auf der
Stirn → Für Woyzeck Zeichen, dass es die armen Leute sogar im Schlaf schwer haben Woyzeck gibt Marie sein
verdientes Geld und verabschiedet sich von ihr bis zum Abend Marie bleibt allein mit einem schlechten
Gewissen zurück, da Woyzeck sein letztes Geld für ihre kleine Familie gibt, und sie sich vom Tambourmajor
verführen lässt
5. Szene Während Woyzeck den Hauptmann raisert, spielt dieser sich als Philosoph auf und macht sich über
Woyzeck lustig → Sagt ihm, dass er sich nicht immer so hetzen soll, weil das auf ein schlechtes Gewissen
hindeute → Hält ihm seine unsittlichen Familienverhältnisse vor Ohne direkt zu widersprechen weist Woyzeck
auf Gott hin, der sich allen Kindern zuwendet, egal ob sie vor oder nach der Eheschließung gezeugt wurden →
Erklärt, dass arme Leute es sich nicht leisten können, tugendhaft zu sein, weil ihnen sowieso das Nötigste zum
Leben oder geschweige denn zum Heiraten fehlt Hauptmann bezeichnet Woyzeck daraufhin als guten Menschen
und schickt ihn fort → Ermahnt ihn jedoch erneut, sich nicht zu hetzen, sondern langsam zu laufen
6. Szene Marie und der Tambourmajor treffen sich in einer Gasse → Es bleibt offen, ob sie sich verabredet
haben oder sich zufällig begegnen Sie gestehen sich ihre gegenseitige Anziehung ein, woraufhin der
Tambourmajor Marie in den Arm nehmen will Marie stößt den Tambourmajor zunächst von sich, möchte dann
jedoch wieder von ihm berührt werden → Verhalten erinnert an einen Balztanz Affäre der beiden scheint
unausweichlich
7. Szene Es kommt zu einer Eifersuchtsszene zwischen Marie und Woyzeck Woyzeck behauptet, den
Tambourmajor auf der Straße bei Marie gesehen zu haben Marie bestreitet zunächst die Vorwürfe und
bezeichnet Woyzeck als „hirnwütig“ (Sz. 7, Z. 8) Woyzeck scheint hilflos zu sein, was Marie ausnützt, um sich
frech zu verteidigen → Für sie scheint es belanglos, ob sie eine Affäre hat oder nicht → Möchte Woyzeck damit
reizen
Funktion Handlung spitzt sich zu → Leichte Steigerung der Dramatik Affäre zwischen Marie und
Tambourmajor nimmt ihren Lauf
Verdeutlicht Woyzecks wachsende Eifersucht, aber auch seine Hilflosigkeit, da die Affäre unausweichlich
scheint → Erweckt Mitleid des Lesers für Woyzeck, da er hart arbeitet, um Geld für die Hochzeit zu verdienen
und Marie sich trotz schlechtem Gewissen dem Tambourmajor zuwendet
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