Frühjahr 2026
Inhaltsverzeichnis
Heterogenität ...................................................................................................................................................... 2
Unterrichtsqualität............................................................................................................................................... 4
Inklusion ............................................................................................................................................................ 13
Grundlegende Bildung ..................................................................................................................................... 16
Leistung ............................................................................................................................................................ 19
Diagnostik und Förderung ................................................................................................................................ 25
Ganztagsschule ................................................................................................................................................. 30
Digitale Medien ................................................................................................................................................ 35
Schulanfang ...................................................................................................................................................... 40
Jahrgangsmischung .......................................................................................................................................... 47
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, Heterogenität
Þ GS zeigt die größte Heterogenität, da hier (fast) alle Kinder eines Jahrgangs eingeschult werden
(Dühlmeier 2019)
Þ Herausforderung, allen Kindern gerecht zu werden = „erste Schule für alle Kinder“ (Schorch 2007)
Þ Auslöser: PISA (2001) „Spitzenreiter in der Produktion von Schulscheitern“ (Tillmann 2008)
Þ Verbunden mit der Leitidee Bildungsgerechtigkeit
Þ Dt. Schulsystem basiert auf der Illusion der homogenen Schülerschaft (Hermann 2010) – Maßnahmen:
Zurückstellungen, Wiederholungen, Schulartwechsel
Þ Versetzungsordnung, gegliedertes Schulsystem, Vorschriften zur Notengebung verpflichten LK dazu,
Vielfalt zu ignorieren
Heterogenität beschreibt die Vielfalt von Merkmalen und Fähigkeiten innerhalb einer Gruppe, die sowohl
soziokulturelle Merkmale (wie ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht und sozioökonomischen Hintergrund)
als auch fähigkeitsspezifischen Ausprägungen (wie Motivation, Selbstkonzept, Vorwissen und
Schulleistung) umfassen (Liebers 2023)
Schulischer Kontext:
Þ Heterogenitätsfacetten (Speck-Hamdan 2014): Alter, Lerndisposition, sprachliche Fähigkeiten,
Religionszugehörigkeit, special needs
Þ Systemische Ungleichheiten (Bude 2013): Sprachschwierigkeiten, niedriger sozioökonomischer Status
der Eltern, geringe Vorkenntnisse der Kinder
Pädagogik der Vielfalt (Prengel 1993) Traditioneller UR:
Heterogenität als Chance Orientierung am
Wertschätzung von Heterogenität als bereichernd und produktiv Durchschnittskind
Gleichberechtigte Verschiedenheit (Nietzsche 1876)
Lehrplan+ (2014): GS bezieht Vielfalt gezielt und konstruktiv in Unterricht/Schulleben ein, gemeinsames
Leben/Lernen orientiert sich an individuellen Interessen, Stärken, Lern/Entwicklungsbedingungen und
berücksichtigt die jeweiligen Hintergründe
Anforderungen an LK: Ausschlaggebend sind …
Þ Die Überzeugungen & Werthaltungen der LK (Baumert/Kunter 2006) Heterogenität allein ist
Wie Heterogenität wahrgenommen wird nicht automatisch
Þ Pädagogisches und fachdidaktisches Wissen (Baumert/Kunter 2006) lernförderlich
Grundlage für differenzierten und individualisierten Unterricht
Þ Diagnostische Kompetenz (Helmke 2009)
Fähigkeit, Lernvoraussetzungen, Stärken und Förderbedarf zu erkennen
Ziele/Aufgaben: Konstruktiv mit Heterogenität umgehen, stärker individualisiertes Angebot von
Lernmöglichkeiten und in multiprofessionellen Teams zusammenarbeiten (KMK 2015)
Umgang mit Heterogenität: Formen (Weinert 1997)
1) Passiv: Heterogenität wird ignoriert, Bedürfnisse einiger SuS werden nicht erfüllt
2) Substitutiv: spezielle Maßnahmen, Defizite außerhalb regulären Unterrichts ausgleichen
3) Aktiv: Unterschiede = Chance, direkt im Unterricht durch Differenzierung/ Individualisierung, versch.
Materialien, um allen gerecht zu werden
4) Proaktiv: vorausschauende Planung, nicht nur Reaktion à aktive Nutzung für Lernprozess und
Potenzial aller SuS fördern
Þ Umsetzung aktive und proaktive Form (Hess/Lipowsky 2017): Differenzierung, Individualisierung, Offener
Unterricht
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,Heterogenität als Chance
® Inspiriert neue Ansätze: Jahrgangsmischung, Anfangsunterricht ohne Zurückstellung, Integration und
Inklusion
Chancen im Umgang mit Heterogenität (Speck-Hamdan 2009)
- Kooperatives Lernen: unterschiedliche Ressourcen der Gruppe nutzen
- Soziales Lernen: Helfersysteme/peer tutoring à Profit auf beiden Seiten (Verantwortungsbewusstsein/
weniger Hemmung beim Bitten um Hilfe)
- Interkulturelles Lernen: Austausch, Horizonterweiterung, Erziehung zur Toleranz, Schule = Schonraum der
Begegnung
- Kognitives Lernen: stärkere SuS durch Erklärungen vertieftes Verständnis und schwächere SuS bekommen
altersgemäße Erklärungen
- Einbringen von Begabung: jedes Kind will als ganze Person, mit all ihren Stärken, Schwächen und
Eigenheiten wahrgenommen und wertgeschätzt werden (Schumacher & Denner 2017)
Würdigung & Unterstützung Mehrsprachigkeit
Schulerfolg hängt von Wertschätzung L1 ab und aktiver Förderung
Þ Unterdrückung = Lernhemmnissen und verschlechtert Bildungschancen (Gogolin 2009)
Þ Erstsprache = Ressource, Förderung der Bildungssprache Deutsch
Þ Projekt SOKKE (2006): Mehrsprachigkeit ist für viele Kinder Normalfall
Geschlechtsunterschiede und Gleichberechtigung
BayEuG Art. 1 Bildungs- und Erziehungsauftrag
(1) 1Die Schulen haben den in der Verfassung verankerten Bildungs- und Erziehungsauftrag zu verwirklichen.
2Sie sollen Wissen und Können vermitteln sowie Geist und Körper, Herz und Charakter bilden. 3Oberste
Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung, vor der Würde des Menschen und
vor der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und
Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und
Verantwortungsbewusstsein für Natur, Umwelt, Artenschutz und Artenvielfalt. 4Die Schülerinnen und Schüler
sind im Geist der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinn der
Völkerversöhnung zu erziehen.
(2) Bei der Erfüllung ihres Auftrags haben die Schulen das verfassungsmäßige Recht der Eltern auf Erziehung
ihrer Kinder zu achten.
KMK (2016): staatliches Schulwesen ist dem Ziel verpflichtet, die tatsächliche Durchsetzung der
Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördern
Þ LK: folgen oft unbewusst Geschlechterstereotypen
® Für Stereotypenbewusstsein sensibilisieren, um Chancengleichheit zu gewähren
Leistungsunterschiede Jungen und Mädchen
Þ Beim Lesen: Mädchen lesen lieber, häufiger und besser als Jungen (IGLU 2021, IQB-Bildungstrend)
Þ Im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich: Mädchen nur noch geringfügig schlechtere Leistungen
als Jungen (PISA 2023)
Kausalattribuierung: LK erklären schlechte Leistungen … (Weinert/Helmke 1997)
Þ Von Mädchen eher mit mangelnder Begabung (internal stabil, schlecht für SK)
Þ Von Jungen eher mit fehlendem Bemühen (internal variabel)
GG Art. 3 – Bildung ist Grundrecht jedes Menschen
® Merkmale, die SuS auszeichnen, wie Geschlecht, soziokultureller Status, Migrationshintergrund oder
Behinderung dürfen keinen Einfluss auf Schullaufbahn haben
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, Unterrichtsqualität
Þ Unterricht in leistungsheterogenen Gruppen à erfordert durchdachte Planung/angepasste Methoden
Þ Frontalunterricht kann Leistungen fördern – Nachteile: Fremdsteuerung, Orientierung am
Durchschnittskind
Unterricht ist eine planmäßige Tätigkeit, die darauf abzielt, Lernprozesse zu initiieren, zu fördern und zu
evaluieren (Klafki 1996).
Þ Kein spontanes Geschehen; durchdachte und strukturierte Aktivität der LK; Lernprozesse anstoßen,
unterstützen und Erfolg überprüfen; vielfältige Unterrichtsformen
Guter Unterricht zeigt sich in gelungener Kombination von Unterrichtselementen bzw. dem jeweils
angemessenen Umgang mit Gestaltungselementen angesichts bestimmter Voraussetzungen und
Bedingungen (Drechsler & Schindler 2019).
Hauptaufgaben Frontalunterricht (Frey/Einsiedler 2024):
Vermittlung neuer Kenntnisse/Fähigkeiten, Förderung kommunikativer Fähigkeiten (à qualitativ
hochwertiges Unterrichtsgespräch: SuS lernen zu argumentieren, begründen und zuzuhören)
Þ Beywl & Zierer (2018): führt oft zu größeren Lernzuwächsen / Helmke (2004): direkte Instruktion führt zu
besseren individuellen Lernzuwächsen / Hattie (2009): moderater Effekt
Frontalunterricht/direkte Instruktion (Einsiedler 2014): bezeichnet eine Unterrichtsmethode, bei der LK
den Unterricht stark strukturiert und klar führt.
Nachteile (Einsiedler 2014):
Þ Fremdsteuerung, Vernachlässigung von Selbstständigkeit & selbstgesteuertem Lernen
Þ Orientierung am „fiktivem“ Durchschnittsschüler
Þ Förderung einer passiven Rezipientenhaltung
Þ Künstliche Interaktion durch Kette von Fragen, die SuS zum Erraten von Begriffen & Lsg. zwingt
Voraussetzung: immer Feststellung der individuellen Lernvoraussetzungen & Lernhemmungen
Þ Ohne professionelle Diagnose keine effektive Förderung (Zumhasch 2024)
Andere Unterrichtskonzepte
Individualisierter Unterricht
Individualisierung nimmt die zuvor erfassten Lernvoraussetzungen und/oder Interessen einzelner SuS als
Ausgangspunkt und stell daraufhin passende individuelle Lernangebote zur Verfügung (Bohl 2012).
Þ Zielt darauf ab, den je eigenen Bedürfnissen/Voraussetzungen der Kinder gerecht zu werden à
Unterricht an die jeweiligen Lernvoraussetzungen und/oder Interessen angepasst (Inckemann 2014)
Þ Optimale Passung, aber fremdbestimmt
Ziele (Einsiedler 1996): Ziel: UR so gestalten, dass jedes
Þ Ausgleichen der Defizite Kind in eigenem Tempo und auf
Þ Förderung individueller Fähigkeiten/Fertigkeiten optimalen Schwierigkeitsniveau
Þ Berücksichtigung der Lerntempi, Menge, Qualität
arbeiten kann
Þ Gerecht werden der individuellen Lernprozesse der SuS
= Vermeidung Langeweile/
Þ Vorrangigkeit des Förderprinzips (vor Selektionsprinzip) Überforderung und Förderung
Þ Individuell Lernende als Gemeinschaft von Motivation (Helmke 2021)
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